Zwei völlig unterschiedliche Filme

Ich habe gerade ein bisschen Urlaub. Fünf Tage Auszeit, bevor ich am Dienstag auf dem nächsten Hof anfange. Bin in der großen Stadt, erledige ein paar große-Stadt-Dinge, kuriere den letzten Kleinkinder-Schnupfen aus und lasse es ansonsten ganz ruhig angehen.

Vorgestern habe ich “Wolke Sieben” aus ihrem Winterquartier geholt. Sie stand noch an das Waldengel-Fahrrad gekettet dort in seinem Fahrradkeller. Voriges Jahr hatte ich mich mit einem sehr netten Fahrrad-Opa dort im Fahrradkeller ein bisschen angefreundet. Er werkelte manchmal an seinem Radel rum – und weil ich selbst zu der Zeit gerade gar nicht so viel Zeit hatte, an “Wolke Sieben” herumzuwerkeln, hat er das dann auch übernommen. Belohnt habe ich ihn immer mit selbstgemachter Beerenmarmelade. Nun hat mein Radel endlich einen neuen Sattel, die Kette ist ordentlich gespannt (Wieso kann Metall eigentlich ausleiern?), die Bremsen haben neue Backen und die Schaltung ist justiert. Geschmiert, gepumpt und geputzt ist es auch. Fast wie ein neues Fahrrad!

Der Fahrrad-Opa war auch besonders gut drauf vorgestern, und ich habe ihn gefragt, ob es vielleicht an den Schneeglöckchen liegt, die seit ein paar Tagen überall herumbimmeln. “Sie heißt Karin”, hat er da freudestrahlend geantwortet, und einmal wäre er schon bei ihr zum Mittagessen gewesen. Na, da habe ich ihm herzlich gratuliert, und dann versprochen, dass wir zusammen ein Stück Kuchen essen gehen, wenn ich dann in zwei Wochen das Waldengel-Fahrrad abhole.

Mit einer Schniefnase und nur ein paar Grad über Null sind ausgedehnte Radtouren gerade nicht so angesagt, und also gucke ich lieber ein bisschen in die platte Röhre. Auf dem ersten Hof war das Internet dann plötzlich alle, und so hatte ich es fast verpasst, auf ARTE einen interessanten Dokumentarfilm über mein alten Schwarm Alain Delon zu gucken. Das habe ich nun gestern nachgeholt. Wer das auch nachholen will, muss sich beeilen, denn der Film ist nur noch bis zum 29. Februar online.

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Alain Delon, persönlich

Von meinem Sohn hatte ich schon vor einer Weile einen ganz anderen Filmtipp geschickt bekommen. Den habe ich inzwischen auch angeschaut. Schon das zweite Mal in kurzer Zeit, dass ich einen Film über die Inuit in Kanada gesehen habe.

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Inuit Knowledge and Climate Change

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Andersrum

In meinem früheren Leben, dem mit dem Computer-Job, da habe ich immer dem Samstag entgegengefiebert, weil am Samstag, da war die Arbeitswoche rum und man konnte einen schönen Ausflug und eine richtig lange Wanderung machen. Jetzt, wo ich die ganze Woche draußen arbeite, da freue ich mich tatsächlich, wenn am Samstag einfach nur Schietwetter ist, denn dann kann man sich auf die faule Haut legen, ganz ohne ein schlechtes Gewissen zu haben. Man kan lesen, schreiben, ARTE gucken, Rätsel-Caches lösen oder einfach nur dem Wetter draußen zuschauen. Und unterdessen erholen sich die müden Glieder…

Letzten Samstag war es genau so. Da bin ich den ganzen Tag nicht draußen gewesen und habe nur abends eine kleine Runde “um den Block” gedreht, mit der schwarzen Katze im Schlepptau, die immer wie ein Hund ist. Aber schon am Sonntag waren die Hummeln im Hintern wieder ausgeruht und haben zu summen angefangen, und da musste ich – ob ich wollte oder nicht – eine richtig lange Wanderung machen. Der Hummeln wegen und weil recht schönes Wetter war. Drei Seen habe ich besucht, was an sich noch nichts besonderes ist, weil die Seen hier ja alle aneinanderbaumeln. Wie Perlen auf einer Schnur…

Und natürlich entdeckt man dabei sowohl das eine als auch das andere und knipst gern ein bisschen herum.

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Spaziergänge – alle Bilder

Holz und Feuer

Vor ein paar Tagen habe ich mal wieder Rivers and Tides gesehen, diesen Film über Andy Goldsworthy. Obwohl ich den Film schon viele Male angeschaut habe, sehe ich ihn immer wieder ein bisschen anders, mit neuen Augen, einem veränderten Fokus. Irgendwann sagt Andy Goldsworthy in diesem Film: “Wenn ich ein Material verstehen will, einen Stein oder eine Pflanze, muss ich damit arbeiten. Und damit ich mein Werk verstehen kann, muss die Natur oder die Zeit etwas damit machen, es verändern, bewegen oder sogar zerstören…”

Daran musste ich die letzten Tage oft denken, als wir damit beschäftigt waren, von verschiedenen gefällten Bäumen die Äste zu zersägen und die Zweige zu verbrennen. (Die Bäume wurden gefällt, damit die Weinpflanzen im Sommer nicht im Schatten stehen.) Ich weiß schon eine ganze Menge über Bäume, habe ziemlich genau vor einem Jahr sogar mal ein Dutzend Leute durch die Gegend geführt und ihnen erklärt, wie man die Bäume im Winter ohne Blätter erkennt. Und also wusste ich nun sehr wohl, von welchen Bäumen ich da in den letzten Tagen die Äste zersägt und die Zweige verbrannt habe.

Aber diese Arbeit hat mir trotzdem nochmal neue und interessante Erfahrungen vermittelt. Erlenholz zum Beispiel bekommt erst diese tolle rot-orange Farbe, wenn es mit Luft in Berührung kommt. Direkt nach dem Zersägen ist es nämlich noch gar nicht so rot-orange, sondern unscheinbar blass. Das wusste ich vorher noch nicht. Und die Zweige von Erlen und Eschen lassen sich ziemlich leicht zerbrechen, während man sich bei denen der Weiden, Espen und Kirschbäume ganz schön anstrengen muss. Dass Weidenzweige elastisch sind, wusste ich schon, aber dass Espenzweige es auch sind und wie hart Kirschzweige sind, das habe ich nun erst erfahren. Am eigenen Leibe sozusagen. Auch riechen die verschiedenen Hölzer unterschiedlich, wenn sie verbrannt werden.

Aber insgesamt war die Erle mein Favorit, mit ihrem farbenfrohen Holz und den lustigen lila Knospen. Von dem gefällten Baum habe ich mir deshalb ein paar Zweige aufgehoben. Wenn ich Glück habe, kriegen sie Wurzeln. Und dann pflanze ich als Ausgleich irgendwo anders ein paar neue Erlen.

Richtig gemütlich wird es am Feuer natürlich erst, wenn es abends dunkel wird…

Ein Fragezeichen darf stehenbleiben…

Eigentlich haben wir uns um den Valentinstag nie gekümmert, der Waldengel und ich. Voriges Jahr haben wir jedoch gerade zufällig an diesem Tag mit einem größeren Projekt begonnen, das sich dann später als unser letztes gemeinsames Projekt herausstellen sollte.

In den ausgedehnten Wäldern nördlich von Hindås hatte eine Gruppe von Geocachern eine Serie von 81 Rätsel-Caches installiert, die auf verschiedene Weise eine besondere Herausforderung darstellten. Wir hatten vorigen Winter vor allem Spaß daran, all diese unterschiedlich schweren Rätsel an vielen gemütlichen Knobelabenden daheim zu knacken. Als wir nur noch ungefähr ein Dutzend nicht gelöster Mysterien übrig hatten, machten wir einen richtigen Wettstreit daraus: Wer hat die nächste zündende Idee? Mehrmals bin ich in dieser Zeit morgens aufgewacht, nachdem meine grauen Zellen nachts irgendwie weitergearbeitet hatten, und dann habe ich triumphierend gesagt: Aaah, ich glaube, ich habe wieder einen! Aber insgesamt hatte doch der Waldengel mehr Zeit und Geduld in etliche dieser Rätsel reingesteckt, denn superschwere Sudokus und sowas, das ist echt nicht mein Ding…

Jedenfalls sind wir dann am Valentinstag zum ersten Mal hinaus in die Wälder gefahren und haben nachgeschaut, was wir für die Feldarbeit an Hilfsmitteln brauchen würden, denn diese 81 Rätselcaches füllen genau einmal die Matrix der unterschiedlichen Schwierigkeitsgrade und Geländefaktoren, die beim Geocaching möglich sind. Und was haben wir gelacht, als sich herausstellte, dass der Geländefaktor ganz einfach darüber abgebildet wurde, in welcher Höhe man die Dosen in die Bäume gehängt hatte. Allerdings waren das keine Kletterbäume, sondern man musste die Caches mit Hilfe einer mehr oder weniger langen ausziehbaren Angelrute herunterfischen und dann auch wieder hinhängen.

Viermal waren wir insgesamt dort in der Gegend. Dreimal, bevor der Waldengel von seiner bösen Krankheit erfahren hatte und einmal danach. Am Anfang hatte er vor allem die Dosen heruntergeangelt und wieder angehängt, aber zum Schluss hat er uns dann nur noch gefahren und ich habe die Waldarbeit alleine gemacht. Und dennoch sind wir mit der ganzen Serie nicht mehr fertiggeworden… Sechs Dosen waren noch übrig, als wir dann schon längst keine Waldausflüge mehr machen konnten.

Gestern war ich mit meiner Freundin Cathy in diesen Wäldern, um die Serie endlich abzuschließen. Irgendwie hatte ich das Bedürfnis, aber gleichzeitig auch nicht so richtig ein gutes Gefühl dabei. Und tatsächlich hat mich der Ausflug dann doch eher traurig gemacht, als dass ich mich über die geschlossenen Lücken gefreut hätte. Am Ende ist ein einziges Fragezeichen übriggeblieben, das wir nicht erreicht haben, weil es nachts überraschend noch einmal geschneit hatte und nicht alle Waldwege befahrbar waren.

Dieses Fragezeichen werde ich jetzt aber auf jeden Fall stehenlassen und später nicht noch einmal deswegen in diese Wälder fahren. Gewisse Dinge bleiben eben unvollendet in unserem Leben, daran kann man manchmal einfach nichts ändern. Und auch wenn etwas an einem Valentinstag anfängt, so ist das noch längst keine Garantie für ein Happy End.

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Trotzdem war es schön, heute nochmal all die Fotos anzuschauen, die wir bei diesen Ausflügen voriges Jahr gemacht hatten. Hier habe ich mal ein paar in einem Picasa-Album zusammengestellt. Und auch zwei aktuelle Bilder von gestern sind dabei.

Ausgelesenes

“Haben Sie schon einmal darüber nachgedacht, dass das Leben einem großen Wagenrad mit vielen Speichen gleicht? Jede Speiche ist ein Lebensabschnitt, in dem wir andere Menschen kennenlernen. Doch das wahre Leben ist nicht das am äußeren Ende der Speichen, also an der Radoberfläche, sondern das im Innern, in der Achse vom Rad. Alles Wichtige im Leben geht nach innen…”

Dieses und noch vieles andere hört Landolf Scherzer, während er mit einer alten Kraxe auf dem Rücken durch Osteuropa wandert. Ich lese es, lache, halte inne, denke nach, staune über seinen Mut und seine Unbekümmertheit. Und bin immer wieder betroffen, wie die Konzerne in Mitteleuropa die Arbeitskräfte in diesen Ländern ausnutzen. Mehrmals ist von Monatslöhnen unter 400 Euro die Rede. Gar nichts wusste ich von dieser Gegend, dem Banat und seiner bunten Mischung aus Sprachen und den Völkern, die dort in der Regel friedlich miteinander lebten, bis irgendwelche Machthaber sie gegeneinander aufhetzten…

Landolf Scherzer ist ein wunderbarer Erzähler, ein guter Beobachter, und er hat das Glück, dass ihm die kleinen Leute gern aus ihrem Leben berichten. Er macht sich nichts draus, in den merkwürdigsten Unterkünften oder im Freien zu übernachten, er pflückt Pflaumen und Tomaten am Wegesrand, und er macht Fotos von den Leuten. Ich mag seine Schreibe und die kleinen Bildchen, die vielleicht nur in meinem Reader so klein waren. Aber da mein Bücherregal im Moment nur aus geliehenen eBüchern besteht, bin ich einfach nur froh, dass es diese Möglichkeit überhaupt gibt. Und froh bin ich auch, dass mir die Onleihe dieses Buch empfohlen hat.

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Alle meine Entchen…

Oder: Auf die Dauer hilft nur Frauenpower!

Seit Sonntag sind wir zwei WWOOFer hier auf dem Hof. Die 25jährige Annika aus Deutschland wohnt jetzt den ganzen Februar mit mir zusammen im Weißen Haus.

Und seit dem Wochenende werden nun auch die Enten tagsüber wieder ins Freie gelassen, denn das Eis auf dem Ententeich ist fast weg. Aber das ist vielleicht immer eine Freude! Sie morgens zum Teich herunterzuführen und dann zuzusehen, wie sie im Wasser herumplanschen! Herrlich!

Heute haben wir den ganzen Tag Holz gehackt. Das heißt, Annika hat gehackt und ich habe die Scheite schön gestapelt. Sie ist ein Naturtalent, was das Hacken betrifft. Da habe ich lieber 3-D-gepuzzlet. Abends waren wir beide sehr zufrieden.