Ausgelesenes

“Haben Sie schon einmal darüber nachgedacht, dass das Leben einem großen Wagenrad mit vielen Speichen gleicht? Jede Speiche ist ein Lebensabschnitt, in dem wir andere Menschen kennenlernen. Doch das wahre Leben ist nicht das am äußeren Ende der Speichen, also an der Radoberfläche, sondern das im Innern, in der Achse vom Rad. Alles Wichtige im Leben geht nach innen…”

Dieses und noch vieles andere hört Landolf Scherzer, während er mit einer alten Kraxe auf dem Rücken durch Osteuropa wandert. Ich lese es, lache, halte inne, denke nach, staune über seinen Mut und seine Unbekümmertheit. Und bin immer wieder betroffen, wie die Konzerne in Mitteleuropa die Arbeitskräfte in diesen Ländern ausnutzen. Mehrmals ist von Monatslöhnen unter 400 Euro die Rede. Gar nichts wusste ich von dieser Gegend, dem Banat und seiner bunten Mischung aus Sprachen und den Völkern, die dort in der Regel friedlich miteinander lebten, bis irgendwelche Machthaber sie gegeneinander aufhetzten…

Landolf Scherzer ist ein wunderbarer Erzähler, ein guter Beobachter, und er hat das Glück, dass ihm die kleinen Leute gern aus ihrem Leben berichten. Er macht sich nichts draus, in den merkwürdigsten Unterkünften oder im Freien zu übernachten, er pflückt Pflaumen und Tomaten am Wegesrand, und er macht Fotos von den Leuten. Ich mag seine Schreibe und die kleinen Bildchen, die vielleicht nur in meinem Reader so klein waren. Aber da mein Bücherregal im Moment nur aus geliehenen eBüchern besteht, bin ich einfach nur froh, dass es diese Möglichkeit überhaupt gibt. Und froh bin ich auch, dass mir die Onleihe dieses Buch empfohlen hat.

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