Holz und Feuer

Vor ein paar Tagen habe ich mal wieder Rivers and Tides gesehen, diesen Film über Andy Goldsworthy. Obwohl ich den Film schon viele Male angeschaut habe, sehe ich ihn immer wieder ein bisschen anders, mit neuen Augen, einem veränderten Fokus. Irgendwann sagt Andy Goldsworthy in diesem Film: “Wenn ich ein Material verstehen will, einen Stein oder eine Pflanze, muss ich damit arbeiten. Und damit ich mein Werk verstehen kann, muss die Natur oder die Zeit etwas damit machen, es verändern, bewegen oder sogar zerstören…”

Daran musste ich die letzten Tage oft denken, als wir damit beschäftigt waren, von verschiedenen gefällten Bäumen die Äste zu zersägen und die Zweige zu verbrennen. (Die Bäume wurden gefällt, damit die Weinpflanzen im Sommer nicht im Schatten stehen.) Ich weiß schon eine ganze Menge über Bäume, habe ziemlich genau vor einem Jahr sogar mal ein Dutzend Leute durch die Gegend geführt und ihnen erklärt, wie man die Bäume im Winter ohne Blätter erkennt. Und also wusste ich nun sehr wohl, von welchen Bäumen ich da in den letzten Tagen die Äste zersägt und die Zweige verbrannt habe.

Aber diese Arbeit hat mir trotzdem nochmal neue und interessante Erfahrungen vermittelt. Erlenholz zum Beispiel bekommt erst diese tolle rot-orange Farbe, wenn es mit Luft in Berührung kommt. Direkt nach dem Zersägen ist es nämlich noch gar nicht so rot-orange, sondern unscheinbar blass. Das wusste ich vorher noch nicht. Und die Zweige von Erlen und Eschen lassen sich ziemlich leicht zerbrechen, während man sich bei denen der Weiden, Espen und Kirschbäume ganz schön anstrengen muss. Dass Weidenzweige elastisch sind, wusste ich schon, aber dass Espenzweige es auch sind und wie hart Kirschzweige sind, das habe ich nun erst erfahren. Am eigenen Leibe sozusagen. Auch riechen die verschiedenen Hölzer unterschiedlich, wenn sie verbrannt werden.

Aber insgesamt war die Erle mein Favorit, mit ihrem farbenfrohen Holz und den lustigen lila Knospen. Von dem gefällten Baum habe ich mir deshalb ein paar Zweige aufgehoben. Wenn ich Glück habe, kriegen sie Wurzeln. Und dann pflanze ich als Ausgleich irgendwo anders ein paar neue Erlen.

Richtig gemütlich wird es am Feuer natürlich erst, wenn es abends dunkel wird…

Advertisements