The server of the seeds

Also: Eigentlich sind wir, Herr Möwe und ich, am Karfreitag immer in irgendein kleines Kirchlein gefahren, am liebsten auf dem Land, und haben uns eine Stabat Mater angehört. Wenn es keine Stabat Mater gab, haben wir auch eine Passion genommen. Christi Leidensweg in einem Chorsatz, das ist wohl im Großen und Ganzen mein passiver Beitrag zum Kirchenjahr. Manchmal mit einem Messias oder einem Stück Weihnachtsoratorium zum Jahresausklang.

Dieses Jahr habe ich am traurigen Freitag mal ganz was anderes gemacht – und jetzt im Nachhinein bin ich mir sicher, dass das eine Eintagsfliege war. Tingting hatte mich überredet, an so einer Hippie-Session teilzunehmen. Sie geht da manchmal hin, um den Kontakt mit ihren Nachbarn hier zu pflegen. Viele der Nachbarn sind nämlich Hippies und die meisten gehen bei uns im Laden einkaufen. Da muss man hin und wieder auch zu ihnen gehen, wenn sie sich treffen und singen und umarmen, zusammen meditieren und sich überschwängliche Worte mit auf den Weg geben.

Anstrengend für mich war, dass man fast den ganzen Tag auf dem Fußboden sitzen musste und dass außerdem alle Englisch miteinander gesprochen haben, obwohl die allermeisten Schwedisch als Muttersprache hatten. Als ich meine “Worte zum Tag” geäußert habe, bin ich einfach bei Schwedisch geblieben, denn in dieser Sprache kann ich mich viel blumiger ausdrücken als in Englisch. Und um Blumen, das Erwachen und den Baum des Lebens ging es heute den ganzen Tag. Da habe ich eben einfach von den Hunderten und Tausenden kleiner Samen berichtet, die ich gerade Woche für Woche in die duftende schwarze Erde versenke – und dann immer wieder staunend erlebe, wie daraus wirklich Pflanzen werden.

“I serve the server of the seeds”, sagte dann nach dem gemeinsamen Mittagessen unser Hippie-Anführer, als er mir den Teller aus der Hand nahm, um ihn in den Geschirrspüler zu stellen.

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So ungefähr saßen wir den ganzen Tag herum. (Fotografiert habe ich aber heute nicht.) Wenn gesungen wurde, dann hat es mir tatsächlich Spaß gemacht. Und in diesem kleinen Film machen unsere Hippie-Nachbarn Werbung für ein Hippie-Festival, das hier im Sommer immer mal wieder stattfindet. Unser See und unser Haus sind auch zu sehen.

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