Petersilie ohne Hagel

Das Schicksal ist schon ein merkwürdiges Ding. So wie es mich voriges Jahr gebeutelt hat, aus voller Kraft gerüttelt und geschüttelt, so geht es dieses Jahr ganz sanft mit mir um. Beinahe zärtlich… Als wolle es alles wieder gutmachen. Es ist mir fast ein bisschen unheimlich.

Ich habe meinen Liebsten verloren, aber nun ein ganz neues Leben gewonnen. Und ich denke, der Waldengel – ganz gleich, wie und wo er nun herumfliegt – ist froh, dass ich es so gemacht habe, und dass mich das Schwarze Loch nicht aufgefressen hat. Die Lücke, die er gerissen hat, wird zwar niemals irgendjemand oder irgendetwas wieder vollständig füllen können, aber dass ich nun hier gelandet bin, mit dieser Arbeit und mit diesen Menschen, das kommt mir beinahe wie ein Wunder vor.

Freilich bin ich immer wieder traurig und wehmütig, vermisse ihn und unsere gemeinsamen Abenteuer. Und dann gehe einen ganzen Tag lang herum fast ein bisschen wie ein Schlafwandler, wenn er mir im Traum begegnet ist. Wie letzte Nacht… Aber ich habe hier ein so gutes Leben, dass ich es inzwischen ganz deutlich fühle: Es heilt!

An den Wochentagen gehe ich morgens in aller Frühe zu Akasha. Dort machen wir zusammen mit noch ein paar anderen fast eine ganze Stunde lang Yoga. Das tut mir unheimlich gut. Und dann sehe ich täglich all diese Pflanzen wachsen, die wir gesät haben! Heute habe ich ungefähr 200 Petersilienpflänzchen raus in die Hochbeete gepflanzt. Im Gegensatz zu den letzten Tagen war das Wetter nicht so toll, nasskalt und windig, und die kleine Petersilie hat ganz schön herumgezappelt so im kalten Wind. Aber ich habe sie gut eingepflanzt und dann einen Deckel auf die Beete gemacht, sodass sie noch ein bisschen geschützt sind.

Es tut so gut, sich um jemanden zu kümmern. Früher hatte ich die Kinder, dann Herrn Möwe und zuletzt den Waldengel. Nun sind es Pflanzen. Obwohl ich nie so richtig ein Faible für Zimmerpflanzen hatte, geht mir das mit dem jungen Gemüse richtig gut von der Hand. Åke ist sehr zufrieden mit mir und hat sogar angefangen, mich ein bisschen zu bezahlen. Das ist prima, denn so muss ich nicht länger ans Eingemachte ran und kann noch eine ganze Weile so weiterleben.

Ja, meine Frühjahrskur hier funktioniert also ganz formidabel. Neben Yoga mache ich hin und wieder Tai-Chi mit Tingting, auf einer Lichtung im Wald oder auf einem Felsen über dem See. Dann die Sauna jede Woche, die nun in die Sommersauna am See umziehen wird, sobald die Pontonbrücke am Strand wieder installiert ist, sodass man direkt ins tiefe Wasser hopsen kann. Dann das gesunde Essen… Und bevor Åke in die große Stadt fährt, um die Bioläden zu beliefern, schwinge ich mich aufs Radel und ernte das Unkraut der Gegend an zwei verschiedenen Stellen. Ich bin so gut in Form wie schon lange nicht mehr, alle meine Hosen halten nur noch mit Gürtel, und meine Leggins fangen auch schon an zu rutschen.

Die Gegend, die Arbeit, die Menschen – wir passen wirklich prima zusammen. Also hier halte ich es noch eine ganze Weile aus. Danke, Schicksal! 🙂

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In der Ruhe liegt die Kraft – alle Bilder

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