Im Wald kein Flickenteppich

Etwas, das in Schweden ziemlich verpönt ist, sind diese “Teppiche” von der Rolle, Typ Auslegware (auf Schwedisch: heltäckningsmattor – alles bedeckende Teppiche). Und das ist auch verständlich, denn warum sollte man sich seinen schönen Holzfußboden mit solchem Unrat zudecken. Dagegen sind Flickenteppiche weiterhin Kult. Diese wurden ausnahmsweise nicht von Ingvar Kamprad erfunden, sondern sind eine ziemlich alte Tradition aus der Zeit, als Schweden noch ein Bauernland war. Damals hatten nur gut betuchte(!) Leute Textilien in Form von Flickenteppichen auf dem Fußboden, das einfache Volk hatte gar nichts oder Zweige aus dem Wald. Als dann Textilien maschinell hergestellt wurden und Lumpen nicht mehr so teuer waren, kamen die Flickenteppiche auch in die ärmeren Häuser. Von da an durften die Männer den Tabaksaft vom Snus nicht mehr auf den Boden spucken, und der Spucknapf war erfunden. Sehr nachvollziehbar.

Eine weitere Tradition ist, dass man sich in Schweden grundsätzlich die Schuhe auszieht, wenn man bei jemandem zu Besuch ist. Alle ziehen sich also überall die Schuhe aus, sogar beim Arzt und in vielen Festlokalen. Auch Åke hat für den großen Feier-Film-Event-Yoga-Schulungsraum im neuen Haus extra eine Riesentüte “inneskor” (Drinnenschuhe) gekauft, sehr preiswert übrigens, Ingvar Kamprad sei Dank. Wer bei einer Feier sein ansonsten styliges Outfit nicht mit Filzpantoffeln oder Strumpfsocken versauen will, bringt sich gern besondere Drinnenschuhe mit. Eine entsprechende Alternative für High Heels habe ich allerdings nicht gefunden.

Dass mir das Wort “Auslegware” in den Sinn gekommen ist, hat übrigens mit der Jahreszeit zu tun. Im Frühling denke ich im schwedischen Laubwald immer an Auslegware. Es ist nämlich ALLES voller Buschwindröschen, und man weiß gar nicht, wo man hintreten soll. Verglichen mit Göteborg und seinem etwas milderen Seeklima, sind wir also hier im Inland nochmal ein bisschen später dran mit all den farbenfrohen Nettigkeiten des Frühlings. Aber ich muss sagen, dass ich es so eigentlich ganz gern mag: Der Frühling lässt sich Zeit und alles geht sehr sachte vorwärts. Im Gebüsche und auf dem Boden wird es nun immer grüner, aber oben in den Chefetagen der Bäume, da guckt immer noch ganz viel Himmel durch die kahlen Zweige. Trotzdem ist es im Wald ganz wunderbar, dank der herrlichen Buschwindröschen-Auslegware!

 

 

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