Wo man singt…

Es ist ja nicht so, dass ich es hier nur mit Chlorophyll und Pferdemist zu tun habe. Für die allseitig gebildete sozialistische Persönlichkeit gibt es immer wieder auch genügend Input auf anderen Kanälen, mal geplant und mal als Überraschung.

Spontan geplant war ein Ausflug in die große Stadt am vorletzten Wochenende, weil da eine Frau hier aus dem Dorf in einer großen Kirche gesungen hat, der Domkirche nämlich. Die Frau ist Samin und hat nicht nur eine richtig tolle Stimme, sondern kann auch das samische “Jodeln”, den Joik. Eines der Lieder handelt von ihrer Großmutter Annu Mannu, die als Kind mit ihrer Mutter zusammen das samische Dorf verlassen hat, um weiter südlich das Glück zu suchen.

Und dann hatte ich gestern wieder mal das Ökocafé und den Shop an der Backe, neben der Arbeit mit dem Chlorophyll und dem Pferdemist. So viele spontane Kunden kommen ja eh nicht, solange das Wetter immer noch zwischen Winter und Frühling hin- und herschwankt. Und die Stammkunden, die wissen, wo sie mich suchen müssen, wenn ich den Shop bewache. Irgendwo beim Chlorophyll oder beim Pferdemist. Aber dann schwenkte plötzlich ein alter und auf Hochglanz polierter Jaguar auf den Parkplatz ein, und ein illustres Quartett aus vier älteren Herrschaften – stilvoll gekleidet und strahlend vor fröhlicher Vorfreude – wuselte in den Laden. Eine der beiden Damen hatte Geburtstag, und so musste ich Kaffee machen und leckeren Kuchen aus dem Kühlschrank hervorzaubern.

Dann fingen sie plötzlich an zu singen. Und als sie rauskriegten, dass ich aus Deutschland bin, redeten sie auch noch Deutsch mit mir. Die Geburtstagsdame und ihr schnieker Mann waren früher unter anderem an verschiedenen deutschen Opernhäusern engagiert. Richtig berühmt wurde sie dann schließlich in Australien. Aber auch die andere Dame konnte ganz toll singen – und sie hörten alle gar nicht wieder auf. Und als ich dann den Spruch “Wo man singt, da lass dich ruhig nieder…” anbrachte, da war diese andere Dame so angetan, dass ich ihr den gleich aufschreiben musste. Und schließlich haben wir unsere Telefonnummern ausgetauscht und uns zu einer Waldwanderung nächsten Dienstag in der Heidekrautbucht verabredet. Also nicht alle fünf, sondern nur Moa und ich. 🙂

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Jawoll! Nur böse Menschen haben keine Lieder… Oder Spotify oder iTunes.

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