Sonnenbrand

Ich finde, jedes Kind sollte ein Instrument spielen lernen, jeder Jugendliche sollte ein Handwerk lernen – und jeder junge Erwachsene sollte gezwungen sein, einmal eine Saison lang sein Gemüse selbst anzubauen. Auf jeden Fall einmal einen Monat auf einem Gemüsehof mithelfen. Oder wenigstens am ersten richtigen Sommertag des Jahres 500 kleine Salatpflanzen ins Freiland setzen. Dann bekommt man nämlich ein ganz anderes Verhältnis zu seinem Essen. Und zu den Lebensmittelpreisen…

Ich bin echt froh, dass ich als WWOOFer bei Åke gelandet bin und nicht bei seinem Nachbarn Gert. Denn Åke macht ja vor allem die Jungpflanzenaufzucht, und alles, was er anbaut, das befindet sich in einem der über 100 Hochbeete. Hochbeete sind was für Leute in meinem Alter und aufwärts. Bei Gert gibt es keine Hochbeete, denn er hat jetzt das Freiland, das Åke noch bis vor einigen Jahren bewirtschaftet hat. Man sieht es auf vielen Bildern auf seiner Internetseite.

20160506-DSC_0394
Keris Tageswerk

Weil Gert vorigen Monat einmal mit der Biokisten-Lieferung ausgeholfen hat, als Åke krank war, hatte er noch was gut bei uns – und so habe ich heute dafür bei ihm auf dem Freiland gearbeitet. Wie gesagt, 500 kleine Salatpflanzen mussten raus in die Erde. Das war anstrengend und ungewohnt. Außerdem waren es 20 Grad im Schatten und die liebe Sonne hat den ganzen Tag fröhlich vom Himmel auf mich runtergebrutzelt. Am Ende des Tages war ich sonnenverbrannt, verschwitzt und überall voller Erde. Außerdem kreuzlahm und mit schmerzenden Knien.

Also Leute, wenn ihr demnächst wieder Salat kauft und findet, dass 50 Cent zu teuer sind, weil ihr den für 35 Cent bei ALDI gesehen habt, dann denkt bitte an all die fleißigen Bauern, die dafür in der schönsten Sommerfrische den ganzen Tag auf den Knien herumrutschen müssen, und für die so ein langes Wochenende einfach nicht drin ist, weil gerade jetzt unheimlich viel zu tun ist. Ich finde inzwischen: Ein Salatkopf, der weniger als einen Euro kostet, ist echt eine Schande!

20160506-DSC_0395
Kaputte Schlange

Freilich hat der Sommer viele Vorteile: Wärme und lange Tage zum Beispiel. Aber es gibt auch Nachteile: Mücken, Zecken – und Kreuzottern. Heute haben die beiden schwarzen Katzen eine angeschleppt und Åke sagt, dass es hier in unseren “Rocky Mountains” ziemlich viele gibt. Wir sollen beim wilde Blätter pflücken jetzt immer ein bisschen aufpassen und unsere nackten Hände auch nicht einfach in irgendwelche Felsspalten stecken. Aber das habe ich ja schon beim Geocaching gelernt.

Advertisements