Die Entdeckung der Langsamkeit

Heute vor genau einem Jahr saß ich mit dem Waldengel zusammen bei Ericsson im Fotoclub und habe einem Vortag über Astrofotografie gelauscht und zugeschaut. Der Vortragende war auch ein Geocacher, den wir gefragt hatten, ob er dort im Fotoclub mal über dieses doch recht ausgefallene Hobby berichten könnte. Das hat er gern gemacht und alle waren sehr beeindruckt, wie er mit vergleichsweise einfachen technischen Mitteln zu Hause in seinem Garten so gute Weltraumbilder machen konnte.

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M31 – Andromeda

Damals hätte ich nie im Leben gedacht, dass ich selbst mal dort stehen würde, vor all diesen Leuten, um auch so einen Fotovortrag zu halten. Denn die Männer, denen ich dort im Laufe der Jahre gelauscht und zugeschaut hatte, das waren alles Profis oder wenigstens Semi-Profis mit toller Technik und richtig schnuckeligen Präsentationen.

Auch hätte ich an diesem 12. Mai vor einem Jahr nicht damit gerechnet, dass dies unser letzter gemeinsamer Besuch dort im Fotoclub sein würde. Denn Ende Mai sollte der Waldengel ja operiert werden, und danach würde sich ganz bestimmt alles wieder zum Guten wenden. Langsam, aber sicher. So wie bei dem Mann, der dieses Buch geschrieben hatte. Davon waren wir beide fest überzeugt.

Dann ist es aber leider doch ganz anders gekommen – und nun stand ich am Dienstagabend tatsächlich dort vorne vor ungefähr dreißig Leuten und habe einen Fotovortrag gehalten. Der Vortrag war dem Waldengel gewidmet und hat von unserer Reise nach Island gehandelt und besonders von der Entdeckung der Langsamkeit auf der unbewohnten Halbinsel Hornstrandir. Ich habe lange an diesem Vortrag gesessen, ja, viele, viele Abende. Das war sehr schön und ein bisschen schwer zugleich.

Aber vorgestern beim Vortragen war es dann plötzlich gar nicht mehr schwer, sondern nur noch schön. Als ich in die gespannten Gesichter all der Leute geblickt habe, da sind mir irgendwie Flügel gewachsen und ich konnte mit einer Leichtigkeit erzählen und den Leuten unsere Geschichte und unsere Art, die Natur zu erleben, nahebringen – ja, dass ich gar nicht wieder aufhören wollte. Auch haben wir viel gelacht, und erst als ich den letzten Schwung Bilder nur mit einem Song von Kari Bremnes untermalte habe, ohne zu reden, da konnten alle nochmal richtig innehalten und Kennet war uns sehr präsent.

Nach dem Vortrag habe ich viele Umarmungen und viele gute Worte bekommen. Von den Fotomenschen und von Kennets ehemaligen Kollegen. Und nun habe ich auch endlich selbst ein gutes Gefühl. Eines, das anhalten wird. Fast wie eine Wiedergutmachung. Denn dieses Gefühl hatte ich nach der Trauerfeier in der Kirche eigentlich nicht, weil der Pfarrer damals so gut wie gar nicht von Kennet gesprochen hatte, sondern nur von Gott und von Jesus. Seine Worte kamen auch nicht von Herzen, sondern nur aus der Bibel. Und damit hatte der Waldengel ja eigentlich nichts am Hut.

Eben darum wollte ich ihm eine passende und von Herzen kommende Zeremonie zueignen. Eine, die mit den Dingen zu tun hat, die er am meisten geliebt hat, und an einem Ort, der ihm sehr vertraut war. Schön, dass es mir tatsächlich gelungen ist.

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Hier die Bilder, die am Schluss während der Musik zu sehen waren…

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