Die Farbe Rot

“Mai kühl und nass, füllt dem Bauern Scheun’ und Fass”, sagt man. Also bisher war der Mai weder kühl noch nass. Vor allem in der ersten Hälfte des Wonnemonats war es schrecklich warm. Jetzt geht es wieder, was mir sehr lieb ist. Aber von Regen ist immer noch keine Spur. Und also müssen wir viel gießen – und ich frage mich, warum die klugen Männer zuerst das drahtlose Internet und immer noch nicht die schlauchlosen Wasserleitungen erfunden haben. Wahrscheinlich, damit sie beim Surfen auf dem Sofa sitzenbleiben können, denn das mit dem Gießwasser ist ihnen sowieso egal. Ach, was ich immer fluche, wenn der Schlauch schon wieder einen Knick hat oder irgendwo an einem Felsen hängengeblieben ist… Puh!

In der ersten Maihälfte hatten wir auch noch einen dritten WWOOFer hier auf dem Hof, einen ganz netten und fleißigen jungen Mann aus Bayern, was insgesamt sehr lustig und bereichernd war, und was in der Arbeitsverteilung einen großen Teil der schweren Aufgaben mit der Erde und dem Pferdemist auf kräftigere Schultern als die von Fredo und von mir gepackt hat. Ja, wenn Fredo einen großen Teil der Arbeit in der Küche übernimmt und jemand Starkes die Schaufelei mit der Erde und dem Mist macht, dann kann ich mich wirklich auf die Pflanzen und das Pflücken konzentrieren – und das passt mir sehr gut. Einmal in diesen zwei Wochen sind wir zum Pflücken der wilden Blätter sogar mit dem Kanu über den See gepaddelt. Ach, das war herrlich! Wie Schweden-Urlaub. 😉 Und baden war ich letzte Woche auch schon.

Nun sind endlich auch hier die Bäume grün und überall sprießt und wächst alles. Die Hälfte der von mir ins Freiland gepflanzten Salatbabies ist inzwischen ganz rot geworden. Das war eine schöne Überraschung, als ich vor ein paar Tagen gucken war. Das neue rote Haus ist nun auch soweit fertig, dass immer ein WWOOFer dort wohnen kann. Zuerst war es Patrick, der nette Bayer, und seit Samstag wohne ich nun dort. Das ist prima, denn alles ist ganz neu – und ich habe wirklich mein eigenes Reich und wohne nicht mehr im Haus von Åke und Tingting.

Dann hatte meine Mutter in einer Mail gefragt, wie ich Pfingsten verbringe. Und ich habe gestutzt: Oh, ist gerade Pfingsten? Einerseits gibt es ja in Schweden den Pfingstmontag seit einer Weile nicht mehr als Feiertag, und andererseits sind hier auf dem Land bei unserem bäuerlichen Treiben diese langen Wochenenden überhaupt kein Thema. Ausruhen tut sich der Bauer im Winter, wenn nicht so viel zu tun ist. Jetzt, wo draußen gepflanzt und im Gewächshaus schon geerntet wird, gibt es weder Wochenenden noch Feiertage. Freilich haben wir als WWOOFer das Recht auf zwei freie Tage in der Woche, aber wenn es geht, nicht am Mittwoch oder am Sonntag, denn an diesen Tagen wird immer alles geerntet und gepflückt, was am Montag und am Donnerstag in die große Stadt geliefert wird.

Und also mache ich jetzt meistens am Dienstag und am Samstag frei. Am Dienstag vor zwei Wochen war ich ja in den Wäldern oberhalb der Heidekrautbucht wandern, mit einer Wandergruppe, was auch mal wieder ganz drollig war. Und gestern bin ich in ein großes, wildes Waldgebiet geradelt, das schon seit einigen Jahrzehnten unter Schutz steht und wo der Wald seitdem machen kann, was er will. Da habe ich mir den ganzen Tag Zeit gelassen – und weil die Tage jetzt viele helle Stunden haben, wurde es ein langer Tag. Das war ganz nach meinem Geschmack und mit viel Zeit für mein eigenes Tempo. Schön.

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Alles neu macht der Mai – alle Bilder

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