English for runnaways

Laaaangsam, aber nur gaaaanz laaangsam komme ich wieder in die Spur mit dem Englisch quasseln. Und doch ist mein spontan verfügbarer aktiver Wortschatz immer noch nur ein winziger Bruchteil von dem, was ich verstehe, wenn andere reden oder wenn ich lese. Wahrscheinlich liegt es daran, dass ich – außer damals in der Schule – mich nie mit Englisch irgendwo durchschlagen musste. In meiner wilden Jugend und den Reisen damals nach Osteuropa konnten ja alle Russisch, und ich habe es geliebt: Diese Sprache und die andere Schrift! Ich glaube, wenn man mich jetzt nach Sibirien schicken würde, dann könnte ich mein Russisch mit viel weniger Mühe wieder aktivieren – verglichen mit meiner immer noch ziemlich peinlichen Stammelei auf Englisch. Ja, bisher bestand einfach viel zu selten die Notwendigkeit, damit mündlich zu kommunizieren. Auch nach der Wende bin ich noch nie in ein englischsprachiges Land gereist, und in Südeuropa habe ich lieber schnell ein bisschen Italienisch oder ein paar Brocken Spanisch aufgeschnappt und die avancierte Kommunikation meinen besser geschulten Kindern überlassen.

Aber ich gebe nicht auf. Wenn ich noch ein paar Jahre so leben will – als WWOOFer in verschiedenen Ländern, dann ist überall Englisch zumindest die Sprache der Volontäre untereinander. Jetzt auf dem Hof hat Fredo zum Glück immer ein Nachsehen und viel Geduld mit mir, und ich greife nur im Notfall zu Deutsch, denn das versteht er ja auch ganz gut. Lustig ist nun allerdings, dass ich inzwischen mehr “Fachsprache” mündlich drauf habe als Phrasen für das allgemeine Geplänkel. Aber wo unterhält man sich denn normalerweise über den Reifendruck bei einer Schubkarre oder darüber, wie genau man Portulak oder Petersilie richtig erntet?

Na, alles braucht halt seine Zeit, und die Tage ist mir dann noch ein Buch über den Weg gelaufen (Fredo hatte es unterm Arm, als er vom Schwimmen und Sonnenbaden kam), das vielleicht ein bisschen ein Katalysator auf meinem irgendwie recht steinigen Weg zur besseren Mehrsprachigkeit sein könnte. Ganz einfach, weil mich das Thema wirklich sehr interessiert. Hier ist es:

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The natural navigator

Jaaaaa! Endlich mal jemand, der dir nicht nahelegt, welches neue schicke GPS-Gerät du dir unbedingt kaufen musst, damit du noch schneller und präziser durch die Natur rennen kannst, sondern jemand, der sich draußen alles sehr genau anschaut. Jemand, der niemals Google Maps beim Wandern zu Hilfe, sondern sich lieber die Zeit nimmt, von einer Landschaft eine Skizze zu machen, um sie besser zu “verstehen” und um sich darin zu orientieren und sicher zu bewegen.

Ich habe mir also jetzt das Buch auf Englisch gekauft, und zwar als Kindl-Version, weil ich doch beim Vagabundieren keine dicken Bücher mit mir rumschleppen kann. Da hat es außerdem nur achtfuffzich gekostet, was ich sehr vornehmlich fand. Und dann habe ich entdeckt, dass man im eBook-Reader ein Wort antippen kann, und sofort hat man drei Möglichkeiten in drei kleinen extra Fenstern: den Eintrag zu diesem Wort im “Oxford English Dictionary”, einen Vorschlag aus einem Englisch-Deutschen Wörterbuch und außerdem einen Link zum entsprechenden Wikipedia-Artikel. Das ist vor allem bei den vielen Namen von Bäumen und Wildpflanzen eine sehr große Hilfe.

Dieses Buch werde ich jetzt also schööön laaangsam durcharbeiten, um noch mehr über die großen und die kleinen Dinge in der Natur zu lernen – und gleichzeitig (hoffentlich!) meinen aktiven Wortschatz ein bisschen aufzupäppeln. Also über die Eigenheiten von Efeu in seinen zwei verschiedenen Lebensstadien und über die Faustregeln, die für das Auftauchen und die Interpretation von Regenbögen gelten, könnte ich jetzt vielleicht schon einen klitzekleinen Vortrag auf Englisch halten. Fragt sich nur, wer sich dafür wirklich interessiert… 😉

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