Regenbogentag

In dem schlauen Buch über die Schlüssel und Zeichen in der Natur steht, dass man im Sommer einen Regenbogen normalerweise nicht mitten am Tag sehen kann, weil dann die Sonne zu hoch am Himmel steht. Als Faustregel gilt: Wenn dein Schatten kürzer ist als deine Körpergröße, dann wirst du keinen Regenbogen sehen.

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Man kann diese Regel allerdings ein bisschen austricksen, wenn man auf einen hohen Berg steigt. Im Gebirge kann man nämlich einen Regenbogen auch mitten am Tag sehen, wenn die Sonne eigentlich zu hoch steht. Dann ist der Regenbogen im Tal – und oft auch soweit weg, dass man ihn gut in seiner ganzen Schönheit fotografieren kann. Hier ist ein Bild, wo dieser Effekt überdeutlich wird.

Am 11. September, also genau ein Jahr nachdem aus dem Waldengel ein richtiger Engel wurde, bin ich auf einen hohen Berg gestiegen, um auf dem Gipfel eine Kerze für ihn anzuzünden. Das war freilich eine ziemlich bescheuerte Idee, weil es dort oben auf der Hardangervidda eigentlich niemals windstill ist, und auf einem hohen Berg schon gar nicht. Genauer gesagt: Es war mehr oder weniger stürmisch, als ich den Gipfel stürmte. Ein gar nicht stürmischer Gipfelstürmer im stürmenden Sturm…

Dieser Wind hat mir dann aber etwas anderes geschenkt: nämlich stürmende Wolken, immer mal wieder einen Schauer – und einen herrlichen Regenbogen ungefähr einmal die Stunde. Da habe ich die Kerze mit gutem Gewissen eine Kerze sein lassen, unangezündet also, und habe gedacht: Okay, der Himmel hat das jetzt für mich übernommen, und es ist ja viel besser als ein winziges flackerndes Lichtlein auf einem kahlen Berge. Danke dir, du lieber Himmel!

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Hier das komplette Album vom 11. September 2016

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Giant!

Die gute Nachricht: Hurra! Mein Sohn wird Polarforscher! Am Donnerstag hat er sich von Alfred Wegener anheuern lassen, Permafrost-Daten aus Sibirien und von Spitzbergen auswerten zu helfen. Und weil da immer mal wieder ein Renntier den Zaun um eine der Messtationen umrennt, kann es sein, dass er dann mal hingeschickt wird, um den Zaun wieder hinzustellen. Wow! Was für ein Abenteuer!

Die weniger gute Nachricht: Also Leute, vergesst alles, was so im Fernsehen gesendet wird an Hiobsbotschaften. Die wirkliche Gefahr lauert ganz woanders… Riesenkürbisse! Wenn ich es nicht selbst erlebt hätte, würde ich es echt nicht glauben: Was innerhalb von nur wenigen Monaten aus einem einzigen kleinen Kürbiskern werden kann! Hätten wir hier einen gewöhnlichen Schrebergarten, dann wäre der jetzt vollkommen überwuchert. Ich hatte im Frühsommer in meiner Einfalt ein Reihe von Rotkohlpflanzen zwischen die Kürbis-Setzlinge gesetzt. Wegen der Farbmischung, dachte ich. Von diesem Rotkohl ist überhaupt gar keine Spur mehr. Und dann diese Monster-Kürbisse! Bin mal gespannt, wie wir die nachher ernten wollen. Da braucht man ja einen Kran!

Ansonsten bin ich hier inzwischen wieder gut geerdet nach dem Sommerurlaub und der Auszeit beim Amöbengletscher. Da ich jetzt nebenbei auch wieder was studiere, ist irgendwie gar nicht mehr soviel Zeit, nach der Arbeit einfach nur so rumzuhängen oder ausgiebig regelmäßig zu bloggen… Da muss man eben früher aufstehen, um den Tag ordentlich auszunutzen. Denn die Knipserei will ich nicht vernachlässigen. Heute war so ein Morgen mit nebligen Schleiern über dem See, weil die Luft morgens jetzt kälter ist als das Wasser. Zwar nicht ganz so mystisch wie damals im Wald mit dem Waldengel, aber dafür mit einer größeren Aussicht. Habe ich schon erwähnt, dass ich mich hier pudelwohl fühle?

 

There and back again

Hm, ja. Wo war ich stehengeblieben… Nee, ist ja völlig das falsche Wort! Denn von Stehenbleiben kann natürlich keine Rede sein. Ich war freilich die ganze Zeit in Bewegung während der vergangenen anderthalb Monate. Zuerst unten auf dem Kontinent – wie die Skandinavier so schön sagen zu allem, was sich südlich von Skandinavien befindet. Und nach dem wunderbaren Heimatmonat in den deutschen Landen ging es dann erstmal mit Herrn Möwe für ein paar Tage nach Stockholm zum Ostseefestival. Anschließend habe ich in Svenshögen auf dem Hof eine Woche nach dem Rechten gesehen, um schließlich die letzten sechs Tage schön weit oben auf einer norwegischen Hochebene ausgiebig und genussvoll zu verwandern. Ich wollte nachgucken, ob es dort schon Herbstfarben gibt – und außerdem wollte ich diesen vermaledeiten 11. September nicht mit Unkraut jäten oder Petersilie ernten verbringen.

Wollen wir mit einer eiskalten Gletschergeschichte anfangen? Wie ich sehe, schwitzt ihr gerade mal wieder dort unten auf dem Kontinent, aber hier oben auf dem Nicht-Kontinent ist es im Moment auch nicht gerade kühl. Nehmen wir also “Mein schönstes Ferienerlebnis – oder: Als ich den Hardangerjøkul umarmte”. Es gibt ja Leute, die Bäume umarmen, damit sie nicht gefällt werden. Gerne würde ich auch all diese Gletscher umarmen, damit sie nicht immer mehr wegschmelzen. Nun ja, da dies nicht besonders sinnvoll erscheint, gehe ich wenigstens ab und zu mal einen besuchen. Solange sie noch da sind…

Habe ich also mein Zelt unterhalb von Blåisen – dem blauen Eis – aufgeschlagen, einem besonders schmucken Ausläufer des großen Hardangerjøkul. Dieser Gletscher oben auf der Hardangervidda sieht aus dem Weltraum betrachtet wie eine riesige Amöbe aus, weil es nämlich kein Talgletscher, sondern ein Plateaugletscher ist. Ja, es war bereits eine große Sache, morgens auf dieser Hochebene mit dem Gletscher vor der Haustür aufzuwachen, sich Teewasser zu kochen – und dann einfach nur so dazusitzen mit einer Tasse Tee, das blaue Eis anzustarren und sich vorzustellen, dass der berühmte Polarforscher Roald Amundsen auf diesem Gletscher seine verschiedenen Polarexpeditionen vorbereitet hat.

Als ich so ungefähr zwölf Jahre alt war, wollte ich nämlich selbst mal Polarforscher werden, nachdem ich den Berufswunsch “Skispringer” ob der fehlenden Trainingsmöglichkeiten verworfen hatte. Den ganzen Sommer hatten wir bei der Baustelle für unser Sommerhäuschen auf dem großen Sandberg eine Polarforschungsstation mit einer Top-Ausrüstung (alles von der nahen Müllkippe) und machmal habe ich mich einen halben Tag lang auf einer großen Styropor-Platte über den See treiben lassen und mir vorgestellt, es wäre eine Eisscholle…

Ja, und meine eiskalte Geschichte ist natürlich wieder eine Bilder-Geschichte:

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Blåisen – Hardangerjøkul (alle Bilder)