Regenbogentag

In dem schlauen Buch über die Schlüssel und Zeichen in der Natur steht, dass man im Sommer einen Regenbogen normalerweise nicht mitten am Tag sehen kann, weil dann die Sonne zu hoch am Himmel steht. Als Faustregel gilt: Wenn dein Schatten kürzer ist als deine Körpergröße, dann wirst du keinen Regenbogen sehen.

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Man kann diese Regel allerdings ein bisschen austricksen, wenn man auf einen hohen Berg steigt. Im Gebirge kann man nämlich einen Regenbogen auch mitten am Tag sehen, wenn die Sonne eigentlich zu hoch steht. Dann ist der Regenbogen im Tal – und oft auch soweit weg, dass man ihn gut in seiner ganzen Schönheit fotografieren kann. Hier ist ein Bild, wo dieser Effekt überdeutlich wird.

Am 11. September, also genau ein Jahr nachdem aus dem Waldengel ein richtiger Engel wurde, bin ich auf einen hohen Berg gestiegen, um auf dem Gipfel eine Kerze für ihn anzuzünden. Das war freilich eine ziemlich bescheuerte Idee, weil es dort oben auf der Hardangervidda eigentlich niemals windstill ist, und auf einem hohen Berg schon gar nicht. Genauer gesagt: Es war mehr oder weniger stürmisch, als ich den Gipfel stürmte. Ein gar nicht stürmischer Gipfelstürmer im stürmenden Sturm…

Dieser Wind hat mir dann aber etwas anderes geschenkt: nämlich stürmende Wolken, immer mal wieder einen Schauer – und einen herrlichen Regenbogen ungefähr einmal die Stunde. Da habe ich die Kerze mit gutem Gewissen eine Kerze sein lassen, unangezündet also, und habe gedacht: Okay, der Himmel hat das jetzt für mich übernommen, und es ist ja viel besser als ein winziges flackerndes Lichtlein auf einem kahlen Berge. Danke dir, du lieber Himmel!

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Hier das komplette Album vom 11. September 2016

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