Frostnätter

Die Erntesaison geht so allmählich in ihre terminale Phase, denn in den letzten beiden Nächten gab es den ersten Frost. Wir ummanteln abends die Dahlien und die Kürbisse mit Pappe, Planen und Decken – in der Hoffnung, dass die Temperatur sich nochmal einkriegt, und die Blumen und die Kürbisse noch ein bisschen wachsen. Huh! – Plötzlich muss man sich wieder warm anziehen, vor allem in den kühlen Morgenstunden, und die Freitagssauna am See ist wieder richtig gut besucht. Sie wird mit Holz beheizt, hat ein Fenster zum See, wo man nun gerade immer den Sonnenuntergang und das bunte Licht hinterher bestaunen kann. So richtig gut aufgeheizt hopsen wir dann jauchzend ins kalte Wasser, und seit ich hier im März angefangen habe, war ich noch nicht ein einziges Mal erkältet.

Wir ernten aber immer noch fleißig dreimal in der Woche, denn der Bauernmarkt in der Stadt jeden Samstag ist stets gut besucht und die Läden wollen weiterhin zweimal in der Woche ihr ökologisches Chlorophyll. Letzte Woche haben wir mehr als 300 Bunde Grünkohl in die große Stadt geliefert! Andererseits haben aber die Elche fast den ganzen Broccoli aufgefuttert, und das ist nicht so toll…

Ansonsten lese ich sehr viel, was weniger was mit dem Wetter, sondern meistens mit meinem Uni-Kurs zu tun hat. Ach, es ist ganz herrlich, gezwungenermaßen eine Menge schwedischer Kinder- und Jugendbücher lesen zu müssen! Aber auch die Meta-Bücher sind voller interessanter Denkanstöße und Lesetips. Amüsant ist auch, was in anderen Ländern aus gewissen Kinderbüchern gemacht wird, ja, was zum Beispiel in den USA geändert oder weggelassen wird. Ein Bilderbuch, das ich mir unbedingt noch ausleihen muss, heißt: Else-Marie und die sieben kleinen Papas. Auf der letzten Seite im Buch sitzen sie alle in der Badewanne: die Mama, Else-Marie und natürlich die sieben kleinen Papas. Dieses Bild wurde in den USA allerdings nicht mit ins Buch genommen, hihi!

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Ich finde es herrlich!

Letzte Woche war ich auch wieder mal mit Herrn Möwe in der großen Stadt im Kammerkonzert. Ein Streichquartett aus Oslo hat Beethoven gespielt. Und weil Herr Möwe immer ganz dicht dran sitzen will, komme ich auch stets in den Genuss von “Klassik zum Anfassen”. Das ist schön! Auch habe ich nun bereits zum zweiten Mal etwas gesehen, das mich hat stutzen lassen…

Die Vorgeschichte dazu: Schon vor etlichen Jahren war ich zusammen mit einem Freund immer mal wieder im Konzerthaus in Berlin, und er hat jedesmal angemerkt, dass er es ziemlich altmodisch findet, wie die Musiker immer noch ihre Noten manuell umblättern, oder sich Seiten ausgefeilt zusammenkleben, damit sie nicht umblättern müssen. Da sollte es doch was Moderneres geben, was Automatisches! Aber ich habe immer nur den Kopf geschüttelt und gemeint, das wird sich nie ändern! Außerdem finde ich es putzig, wie die Streicher nach dem Umblättern immer mit ihren Bögen der Seite noch so einen kleinen Schubs geben. Ich mag das.

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Nun hat die moderne Technik aber tatsächlich Einzug in den Konzertsaal und das Notenpult gehalten, und zwar in Form von eingescannten Noten, Tablets in A4-Größe, gesteuert mit zwei Fußpedalen zum Vor- und Zurückblättern! Hm, was soll man davon halten? Keine Noten mit lustigen Eselsohren mehr, keine zusammengeklebten Seiten in Überbreite, nicht mehr dieser liebevoll-energisch kleine Schubs mit dem Bogen…

Zum Schluss noch ein paar aktuelle Bullerbü-Bilderbuch-Bilder von unserem Hof, aus der großen Stadt und aus dem großen Wald:

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Herbstanfang – alle Bilder

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