Thema verfehlt!

Ach, du lieber Himmel, bei all der schönen Leserei in meinem Kurs über Kinder- und Jugendliteratur, was ich mich rumquäle mit den Einsendeaufgaben!
Es ist 30 Jahre her, dass ich in den mäandrierenden und seichten Gewässern der Geisteswissenschaften umhergeschippert bin – und ich habe es schon damals ziemlich verabscheut: sich mit verschiedenen Modellen und Definitionen einer Menge kluger Theoretiker auseinanderzusetzen und dann auch noch eigene Abhandlungen darüber zu verfassen, mit einer noch größeren Anzahl von penibel abgetippten Zitaten und endlosen Quellenangaben. Grrr…

Freilich kann man sich auch mit Mathe- oder Programmieraufgaben foltern oder sich beim Lernen von Pflanzenarten, Gesteinen oder isländischen Vokabeln Schwielen auf den grauen Zellen holen. Aber in den Naturwissenschaften oder beim Sprachenlernen ist es viel einfacher mit dem “richtig” oder “falsch” und eher unwahrscheinlich mit diesem vermaledeiten Urteil “Thema verfehlt”.

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Hier also das Feedback meiner Kursleiterin zu meiner ersten Einsendeaufgabe. Da steht ungefähr: “Du hast zwar die eigentliche Frage nicht wirklich beantwortet, sondern mehr deine eigenen Gedanken zum Thema ausgebreitet, aber weil er interessant geschrieben und wohlformuliert ist, wird dein Text anerkannt. Beim nächsten Mal bitte mehr den Fokus auf die gestellte Frage richten!”

Ich hatte schon beim Abschicken gewusst, dass so etwas kommt, und eigentlich damit gerechnet, dass sie es gar nicht anerkennt. Aber ich KONNTE es einfach nicht: Dieses Sezieren und Gegenüberstellen der Definitionen und Ansichten anderer, die in ihren Büchern wiederum auf ein Dutzend Definitionen und Ansichten von wieder anderen verweisen. Wie kann man an so etwas Freude haben?! Grrrr…

Nun sitze ich also an der nächsten Einsendeaufgabe. Die ist zum Glück ein bisschen weniger theoretisch, aber auch nicht ohne. Diesmal sollen wir von zwei Büchern das Genre bestimmen und auf 3 bis 4 Seiten auseinanderklamüsern, wie wir darauf gekommen sind und wie sich diese Bücher zueinander und zu ihrem Genre verhalten. Puh! Also im nächsten Semester werde ich auf jeden Fall wieder Naturforscher! Das steht fest. Felsenfest.

landart

Gran Canaria, März 2011

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