Meine Bücherchen

Mal hat das Leben mich gebeutelt, mal habe ich es gebeutelt. Ich habe Männer kennengelernt und wieder verlassen, ich habe Freundschaften gepflegt und dann die Pflege verschusselt, so wie man vergisst, seine Zimmerpflanzen zu gießen. Ich war Mitglied in verschiedenen Vereinen oder habe zusammen mit anderen Leuten Musik gemacht. So waren im Laufe des Lebens unterschiedliche Menschen an meiner Seite, mehr oder weniger dicht. Und ich habe mich mit allerlei Hobbys unterhalten, mehr oder weniger intensiv.

Eigentlich gibt es nur zwei Dinge, die mir immer treu waren und denen ich immer treu geblieben bin: die Natur und die Bücher. Nachdem der Waldengel letztes Jahr weggegangen ist und ich gleichzeitig obdachlos wurde, war ich allerdings gezwungen, alle meine lieben Freunde, die Bücher, in viele Kisten zu verpacken und auf unbestimmte Zeit in einem Lagerhaus in einen großen dunklen Holzcontainer zu verbannen. Da diese Bücher IMMER um mich waren, einige davon fast das GANZE Leben lang, habe ich mich seitdem ziemlich unvollständig gefühlt.

Gestern habe ich sie nun endlich wieder befreit!!! Zusammen mit all dem anderen Krempel, den man so ansammelt und aufhebt, habe ich sie aus dem dunklen Holzcontainer rausgeholt – und nun sind sie wieder bei mir. Viele von ihnen haben eine eigene Geschichte. Es gibt ein Bilderbuch aus meiner ganz frühen Kindheit, meine allerliebsten Kinder- und Jugendbücher sind dabei, eine uralte Bambi-Ausgabe, die mir die alte deutsche Schrift gelehrt hat, das dicke Schmitt-Buch, das ich als Kind so gerne angeguckt habe, die Bücher von Aitmatow… Dann alle Gedichtbücher von Eva Strittmatter. (Als ich Gitarre spielen gelernt habe, hatte ich mal versucht, einige dieser Gedichte zu vertonen.) Das Buch von der großen Keri natürlich, die Romane von Island, die Muminbücher… Und dann alle meine und ein Teil von Kennets Naturbüchern.

Ich war unglaublich bewegt, als ich gestern so nach und nach all diese Bücher in die Hand genommen habe, um sie ins Regal zu stellen. Und bin es irgendwie immer noch. Natürlich hatte ich im Laufe meines Lebens viel mehr als diese Anzahl, die nun gerade in dieses eine Bücherregal passt, dieses Regal, das schon so oft mir mir umgezogen ist, das ich schon so oft auseinander- und wieder zusammengeschraubt habe… Aber es sind eben die Bücher, denen ich wirklich treu geblieben bin und die auch mir wirklich treu geblieben sind. Ich hoffe so sehr, dass wir nie wieder ohne einander sein müssen!

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