Nachschlag aus dem Tiroler Gailtal

Ich muss noch ein bisschen was nachliefern zu meinen frisch gebackenen alpinen Erfahrungen. Also zuerst das mit der Sprache. Es war ja nicht das erste Mal, dass ich mich in Tirol und seinen hohen Tälern aufgehalten habe, aber diesmal war der lokale Dialekt so schwer zu verstehen, dass ich so gut wie gar nix mitbekommen habe, wenn die Einheimischen miteinander gesprochen haben.

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Für die Küche hatte ich zum Glück eine kleine Wortliste hinten im gängigen Lokalkochbuch. “Keschtn” haben wir regelmäßig im Ofen gemacht, aber es hat trotzdem ein bisschen gedauert, bis ich geschnallt habe, dass dies nicht die schwedische Aussprache meines Vornamens ist, sondern die lokale Bezeichnung für Esskastanien.

Zwei wichtige lokale Ereignisse habe ich auch ziemlich hautnah miterleben dürfen. Einmal ist jemand in der Nachbarschaft gestorben, und ich war erstaunt, was in einem katholischen Dorf dann alles so abläuft. Die Mitglieder meiner Gastfamilie sind mehrmals dorthin zum Beten gegangen. Und dann hat das halbe Dorf am Trauerzug teilgenommen, die Mitglieder der örtlichen Vereine hatten alle Trachten an und die Blasmusiker haben die passende Blasmusik dazu gespielt. Als ich später mit dem Hund draußen war, habe ich die Trauerrede des Pfarrers durch das ganze Tal gehört, denn alles wurde mit Lautsprechern aus der Kirche auch nach draußen übertragen. Sehr merkwürdig…

Dann war an einem Samstag Ende November im Gemeindehaus der traditionelle Adventsmarkt, und dorthin bin ich auch mitgegangen. Zuerst haben der Bürgermeister und der Pfarrer geredet, man betete zusammen und zwischendurch hat ein Junge immer wieder traditionelle Melodien auf der Ziehharmonika zum Besten gegeben. Das Musizieren spielt in vielen Familien offensichtlich eine wichtige Rolle und viele Kinder lernen ein Instrument.

Nach dem offiziellen Teil konnte man dann verschiedene Adventskränze erstehen, die vorher von den örtlichen Frauen gebunden worden waren mit den Zweigen, die die örtlichen Männer aus dem Wald geholt hatten. Als alle ihren Kranz gefunden hatten, wurden die Tische gedeckt und man konnte Kaffen und Kuchen kaufen. Beim Anblick des riesigen Kuchen- und Tortenbuffets sind mir echt die Augen übergegangen. Schließlich konnte ich mich für ein Stück Mohntorte entscheiden und habe mir noch ein Stück Nusstorte für meine Bergwanderung am nächsten Tag einpacken lassen. Wir selbst hatten am Vormittag eine Menge Osttiroler Breatl gebacken, die dort auch zum Verkauf angeboten wurden.

Etwas, das dort in der Gegend eine große Rolle spielt, ist der Nikolaus und die mit ihm zusammen umherziehenden Krampusse. Life habe ich während meines Aufenthaltes dort keine erlebt, aber viel davon gehört. Von den wertvollen Holzmasken, den Schlägereien und allen möglichen Geschichten im Zusammenhang damit. Weil es in Schweden überhaupt keinen Nikolaus gibt, war ich überrascht, welcher Kult sich in den Alpenländern darum abspielt. Bei mir selbst war übrigens nur der liebe Nikolaus ohne die bösen Krampusse – mit vielen leckeren Sachen aus der Region.

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Und ganz zum Schluss will ich alle, die gern wandern noch auf zwei wunderbare Höhenwege aufmerksam machen:
Den Gailtaler Höhenweg und den Karnischer Höhenweg.

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