Sesshaft im Aufbruch

Und so sitze ich mal wieder im Bus, einem Bus, der mich nach Norden bringt. Das Meer liegt schon seit einer Weile hinter mir, aber draußen ist es immer noch finster. Schlafen mag ich nicht mehr, und so höre ich Musik und lasse die Gedanken wandern…

Es ist die gleiche Platte von Kari Bremnes, die ich auch auf den Ohren hatte, als ich Anfang November mit dem Zug von München in die Alpen reingefahren bin. Und also sehe ich die Berge wieder vor mir – ach, diese Berge – und wie ihre Farben plötzlich von Herbst auf Winter umgeschlagen sind… In mein Notizbuch hatte ich damals diese Zeilen gekritzelt:

“Züge kommen und gehen. Tausend Züge pro Tag. Alle gehen ohne dich. Du kannst sie komplett ignorieren, genau wie sie dich ignorieren. Oder du kannst auf einer Brücke stehen und ihnen hinterhergucken, während das Fernweh in dir nagt…

Doch dann plötzlich, in den Zug Nummer eintausendundeins, da steigst du ein. Und nun rollt die Welt an dir vorbei – tausendmal besser als der beste Dokumentarfilm in HD, denn es ist deine Welt und es sind deine eigenen Augen! Orte, die du bisher nur von der Landkarte oder überhaupt nicht kanntest, die bekommen plötzlich einen Kirchturm, eine Dönerbude, ein Kopfsteinpflaster, eine Dorflinde, eine Frau mit Hund und Kinderwagen, einen vorbildlichen Holzstapel neben einem vorbildlichen Haus.

In den Bergen liegt schon Schnee – und ich kriege eine Art Schüttelfrost aus fiebriger Erwartung. Wo kommt nur das Zigeunerblut in mir her? …”

Im allerletzten Muminbuch, diesem, welches eigentlich schon längst kein richtiges Kinderbuch mehr ist, beginnt das erste Kapitel so:

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Und ein paar Seiten weiter steht:

“Manche bleiben und manche brechen auf, so ist es immer gewesen. Jeder hat die Wahl, muss seine Wahl jedoch zur rechten Zeit treffen und darf sie niemals bereuen.”

Ein anderes Buch, eines, das mir unterm Weihnachtsbaum zugelaufen ist, beginnt auch mit einem Aufbruch:

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Ja, vielleicht bin ich tatsächlich nicht richtig an der Erde befestigt. Aber rastlos bin ich nicht. Dann schon eher sesshaft im Aufbruch. Und nicht mal das herrlichste Märchenschloss kann mich halten!

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