Anna in wechselndem Licht

Meine Freundin Cathy war auch mal so eine Art WWOOFerin, vor etlichen Jahren auf einem Landsitz in England, und dort hatte sie sich mit einer Japanerin angefreundet, zu der sie immer noch Kontakt hat. Jetzt ist ihre Freundin gerade wieder mal in Schweden, und weil sie Künstlerin ist, sind wir gestern alle zusammen rausgefahren und haben Kunst konsumiert.

Diesmal war die Kunst nicht in viereckige Räume eingesperrt, wie es meistens der Fall ist (merkwürdig eigentlich), sondern diese Kunst hat ganz viel Platz und die meisten Kunstwerke haben zusätzlich auch noch eine richtig schöne Aussicht. Über allen Skulpturen thront ganz oben Anna – und ich glaube, ich hätte mich niemals so ausführlich mit Anna beschäftigt, wenn man sie irgendwo in ein Museum gesteckt hätte, selbst wenn der Raum nicht viereckig, sondern rund und ganz riesig gewesen wäre.

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Sculpture at Pilane – alle Bilder

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Oliver latte

Obwohl ich jeden Morgen zuerst aufstehe, bin ich doch nicht die Erste in der Küche. Die gesammelt Katzenschar wartet dort regelmäßig schon auf mich und schaut vorwurfsvoll in die leeren Futternäpfe. Zwei von ihnen sind Zwillinge, ganz schwarz, die keiner so richtig auseinanderhalten kann. Sie sind noch jung und verspielt. Sie fischen gerne im Goldfischteich und tragen andauernd halbtote Mäuse ins Haus. Der dritte im Bunde ist ein dicker getigerter Katzenopa, der immer gelassen und entspannt ist. Er hört auf den Namen Oliver, und Tingting hat sogar einen Kaffee nach ihm benannt. Jeden Abend kommt er ein Stündchen zu mir ins Zimmer, lässt sich kraulen und geht dann wieder seiner Wege.

Freak out!

Ich muss da zu meinem Eintrag von gestern noch was nachlegen. Sicher kam es so rüber, als würde ich mich über die Hippies einfach nur lustig machen. Okay, ein bisschen amüsiert habe ich mich tatsächlich, dass Leute in meinem Alter und älter (aber auch jünger) so etwas so ernst nehmen. Ich musste bei unserer Fanatasie- und Zeitreise nach Jerusalem immer an “Life of Brian” denken und beim Ringelpietz mit Anfassen an unsere Reigenspiele im Kindergarten.

Also habe ich dann gestern noch den ganzen Abend mit Åke, meinem Chef, Ökobauern und Gründer des Kurszentrums hier nebenan, über diese Leute geredet. Er kennt sie ja alle – und er sagt folgendes: Es gibt diese New-Age-Hippies, die allerlei esoterischen Schabernack betreiben. Die nimmt er nicht ernst. Aber dann gibt es Leute, die versuchen, irgendwie alternativ zu leben und in/an alternativen Projekten arbeiten. Die ernsthaft meditieren und Kurse zur persönlichen Weiterentwicklung besuchen oder Kurse in Naturheilkunde oder Akupunktur. Die treffen sich eben gerne auf solchen Sessions, um Gemeinschaft zu fühlen und sich auf ihrem alternativen Weg gegenseitig zu bestärken.

Und dann hat er mir von einigen auch ganz konkret was erzählt. Carl zum Beispiel ist Dokumentarfilmer, und er hat unter anderem einen sehr interessanten Film über die Kooperative auf dem Monte Verità gemacht. Kenia malt, töpfert und schreibt Lieder. Anna war 1986 Miss Sweden, später Fotomodell in den USA und ist jetzt sehr aktiv im Kurszentrum. Über ihre Tochter Freia hat Carl auch einen Film gemacht. Ben, unser Hippie-Anführer, ist Tischler und seine schönen Möbel stehen auch hier bei Åke im Haus. Akasha organisiert jedes Jahr das Space of Love Festival auf Öland, wo auch Tim und Vigyan Lehrer sind.

Da war ich ganz schön beeindruckt, und dann etwas betreten, weil ich diese Leute doch etwas vorschnell beurteilt hatte. Das lag sicher auch daran, dass sich gestern keiner zu Beginn der Session präsentiert hat. Jeder hat nur seinen Namen gesagt und was er sich für den gemeinsamen Tag wünscht. Und das hatte mir ja eigentlich gut gefallen.

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Ackerbau in der Vegetabilen Cooperative Monte Verità (1907)

Die Weisheit der Stöcke und Wurzeln

Es ist offensichtlich ein guter Ort, an dem ich jetzt gelandet bin. Neben richtig gesundem Essen, sehr netter Gesellschaft und einer sinnvollen Beschäftigung gibt es hier sogar auch noch Kultur nur 50 m von unserem Hof entfernt, gleich nebenan auf Solhälla.

Heute Abend war ein ganz besonderes Künstlerpaar eingeladen. Maria findet im Wald Stöcke und Wurzeln, die ihr Geschichten erzählen, und Johannes, ihr Mann, macht aus ihren Texten dann Lieder. Die Stockfiguren hatte sie alle mitgebracht, und wir haben so nach und nach deren Geschichten erfahren. Sehr schöne Geschichten waren das. Denn die Weisheit der Stöcke und Wurzeln ist schließlich die Weisheit des Waldes.

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