Ick bün all hier!

Letzten Freitag auf dem Weg zur Sauna habe ich im Wald ein Vogelei gefunden. Es hatte die gleiche Farbe wie mein Bademantel – und wir haben sehr gestaunt.

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Verzage nicht, mein Herz!
Das Ei kann Federn kriegen
und aus der engen Schale
empor zum Himmel fliegen.
(Friedrich Rückert)

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Am Tag danach bin ich nach Göteborg gefahren, um dort die Fähre nach Kiel zu nehmen. Inzwischen bin ich in Berlin, und ich weiß noch nicht wie lange. Manchmal nehmen die Dinge plötzlich eine schnelle Wendung, und dann ist es gut, wenn man flexibel ist.

Die letzten Wochen sind irgendwie so schnell vergangen, und ich war kaum am Rechner. Wir hatten so wunderbare WWOOFer auf unserem Hof, und überall war so viel zu tun. Aber nun habe ich doch noch ein Album mit all den Bildern der letzten Wochen zusammengestellt. (Jedes Bild hat einen kleinen Text, der manchmal zu sehen ist und manchmal nicht.)

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Aprilwetter – mitten im Leben (alle Bilder)

Hier in Berlin ist alles voller grüner Bäume, Menschen und Baustellen. Für mich als Landei beinahe ein Kulturschock. Aber dann findet man doch ruhige Oasen in all dem Trubel. Und das ist gut.

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Buchweizen-Woche

Jetzt bin ich noch nicht mal richtig eine Woche wieder auf meinem Heimathof bei Åke in Svenshögen, aber es fühlt sich an, als wären es schon zwei Wochen gewesen. Hm, wo soll ich mit dem Erzählen anfangen? Vielleicht einfach der Reihe nach.

Die Rückfahrt aus den Skiferien mit dem Bus war wieder sehr entspannt. Diesmal waren wir nur fünf Passagiere. Da gerade die schwedischen Weihnachtsferien zu Ende gingen, war der erste Bus schon voll, und es musste noch ein zweiter eingesetzt werden. Ergo: Man muss nicht immer Erster sein, um es besser zu haben. Diesmal wurden wir, die zum Schluss kamen, viel gemütlicher nach Hause befördert. Und weil es bereits auf der Hinfahrt solchen Spaß gemacht hatte, habe ich mich wieder vorn zum Fahrer gesetzt, um zu reden und Geschichten anzuhören. Er ist schon Rentner und springt nur hin und wieder ein, wenn Not am Mann ist. “Übrigens, wenn du einen Job suchst. In ganz Westschweden fehlen ungefähr 2000 Busfahrer. Wäre das nicht was? Ansonsten, wenn ich nochmal die Wahl hätte, ich würde Klempner werden. Die werden immer gebraucht, weil aufs Klo gehen, das muss schließlich jeder.” Er war wirklich putzig, dieser ältere Herr. “Aber deine kleine Freundin”, meinte er noch, “die sah sehr traurig aus, als ihr euch heute verabschiedet habt. Ach ja, die Liebe… Sie kann so süß sein. Aber manchmal auch grausam…” Da war ich verblüfft.

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Es brennt. Draußen der Himmel. Und in mir der Abschied…

Bei der Ankunft in Svenshögen bin ich auf dem Weg vom Bahnhof gleich zum Haus von Gert und Akasha abgebogen, denn dort wurde ordentlich Geburtstag gefeiert. Als ich – der Überraschungsgast – dann plötzlich mit dem großem Rucksack und den Skiern hereinschneite, gab es ein großes Hallo und etliche “Endlich bist du wieder da!”, und ich musste viel erzählen: Von meiner Gastfamilie in den Alpen, dem Käse und dem Brot, und von Weihnachten in Deutschland. Da war ich gerührt.

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Das Geburtstagskind sitzt in der Mitte.

Auf der Feier waren außer den Leuten aus der Umgebung, die ich schon kannte, auch zwei neue Gesichter: eine Englisch-Lehrerin aus Siena und ein Junge aus Gaza. Sie hatten sich irgendwie über Facebook kennengelernt – und es geht etwas sehr Schönes von ihnen aus. Beide sprühen vor Energie und Ideen und sind in unterschiedlichen Zusammenhängen sehr engagiert. Vittoria ist in verschiedenen Hilfsorganisationen tätig und gibt nach der Arbeit noch unentgeltlichen Englisch-Unterricht für Leute mit wenig Geld. Wir haben lange geredet und uns zum Abschied herzlich umarmt. Und Ahmad aus Gaza ist einer von diesen Akrobaten, die in der Stadt an keinem Hindernis vorbeikommen, ohne einen Salto darüber zu machen. Diese Fortbewegungsart heißt Parkour – und Ahmad hat damit in Gaza angefangen, um anderen Jugendlichen Mut zu machen. Jetzt reist er mit Vittoria zusammen durch Europa, um auf die Probleme im Gaza-Streifen aufmerksam zu machen. Da war ich sehr beeindruckt.

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Gleich am Montag kamen Vittoria und Ahmad zu uns ins Café.

In meinem WWOOFer-Haus war ich die ersten drei Tage der Woche erstmal nicht allein, sondern Åke hatte zum Jahreswechsel ziemlich kurzfristig noch eine Frau aus St. Petersburg zum Freiwilligendienst angeheuert. Svetlana ist um die vierzig und in ihrem normalen Leben ebenfalls Englisch-Lehrerin. Sie hat ungeheuer viel geredet, aber auch viel gefragt, ständig meine englische Aussprache verbessert, aber auch mehrmals gutes Essen gekocht, unter anderem leckere Kascha, und eines Abends plötzlich mit mir Memory gespielt, weil ich die Vogelnamen auf Russisch und Englisch lernen sollte. Zum Schluss haben wir uns gegenseitig noch typische Wintersachen aus unserer jeweiligen Heimat geschenkt. Sie hat mir ein paar dicke Filzstiefel für drinnen dagelassen, und ich habe ihr meine Lovikka-Handschuhe mitgegeben. Das war wie früher beim Schüleraustausch! Da war ich erfreut.

Ansonsten habe ich viel gearbeitet, ja, alles, was jetzt so anliegt: Schnee geschnippt, Feuer gemacht, Brot gebacken, Verwelktes und Verblühtes aus Rabatten und Hochbeeten entfernt sowie Paprika, Chili, Auberginen, Artischocken, Lavendel, Salbei und  verschiedene Zierblumen in Anzuchtschalen gesät, die zuerst in Åkes Büro keimen durften, aber inzwischen schon im rot-blauen Frankenstein-Keller stehen. Und bei all dieser Arbeit habe ich mich sehr zu Hause und richtig gut geerdet gefühlt. Ach, wie schön! Dass am Mittwoch mein “neues Leben” schon seinen ersten Geburtstag gefeiert hat, habe ich dabei gar nicht bedacht. Erst jetzt, wo ich es aufschreibe, kam es mir in den Sinn. Da war ich nachdenklich.

Gestern nach der Arbeit war ich kurz in Göteborg, um noch ein bisschen Küchenkram für meine Bäckerei hier zu kaufen. Außerdem hatte ich noch einen Koffer dort, der nicht mit in die Skiferien gefahren war. Ja, genau der, welchen ich bei der Grenzkontrolle nicht zu öffnen brauchte, hihi. So jetzt ist also alles hier an Ort und Stelle. Und es fühlt sich wirklich gut an. Auf der Rückfahrt aus der großen Stadt hatte es nochmal angefangen zu schneien. Dicke Flocken – und schwups, war wieder alles weiß. Unter der Woche hatte der Schnee nämlich schon mal das Weite gesucht.

Und so war ich dann nach meinem City-Trip etwas später in der Sauna als gewöhnlich. Nur noch wenige Leute waren da, aber das war auch sehr nett. Ich konnte mich ganz ausstrecken und total die Seele baumeln lassen. Habe amüsiert den Gesprächen der anderen zugehört und wäre fast eingeschlafen… Diese Sauna direkt am Wasser mit dem großen Fenster zum See und den kleinen Kerzen ein bisschen überall ist echt magisch! Und wenn draußen dann auch noch der Schneesturm tobt, ist es drinnen unglaublich gemütlich. Schließlich hüpft man wie eine dampfende Pellkartoffel hinaus in die Kälte – und hinein ins eiskalte Wasser. Nichts, aber auch gar nichts ist dann auf der Welt noch wichtig.

Zusammen mit Paula, die an diesem Tag für die Sauna und den Holzofen verantwortlich war, habe ich dann zum Schluss noch schön rumgebummelt, und als wir dann schließlich ins Freie kamen, hatte es aufgehört zu schneien – und der Vollmond guckte aus den Wolken. Da konnte man ganz ohne Taschenlampe durch den Wald gehen, so hell war es, und ich musste an das Buch von dieser Frau denken, die mal in der Arktis überwintert hatte und bei Vollmond in der Polarnacht beinahe verrückt wurde. Das konnte ich mir plötzlich richtig gut vorstellen, denn ich habe für den Rückweg von der Sauna nach Hause mehr als eine Stunde gebraucht. Normalerweise ist es ein Fußweg von fünf Minuten. Da war ich verzaubert.

Warum ich diesen Eintrag “Buchweizen-Woche” genannt habe? Heute gab es in unserem Café nämlich noch eine Premiere: Wir haben frisch gebackene Waffeln serviert – nach meiner Idee und mit meinem Waffeleisen. Ein Rezept für glutenfreie Waffeln hatte ich im Internet gefunden – und dazu Schlagsahne und frische (aufgetaute) Waldbeeren gereicht. Es ist bei den Leuten richtig gut angekommen und so wollen wir das nun jeden Samstag machen. Und vielleicht auch freitags nach der Arbeit. Da war ich froh – und ein bisschen stolz.

Sesshaft im Aufbruch

Und so sitze ich mal wieder im Bus, einem Bus, der mich nach Norden bringt. Das Meer liegt schon seit einer Weile hinter mir, aber draußen ist es immer noch finster. Schlafen mag ich nicht mehr, und so höre ich Musik und lasse die Gedanken wandern…

Es ist die gleiche Platte von Kari Bremnes, die ich auch auf den Ohren hatte, als ich Anfang November mit dem Zug von München in die Alpen reingefahren bin. Und also sehe ich die Berge wieder vor mir – ach, diese Berge – und wie ihre Farben plötzlich von Herbst auf Winter umgeschlagen sind… In mein Notizbuch hatte ich damals diese Zeilen gekritzelt:

“Züge kommen und gehen. Tausend Züge pro Tag. Alle gehen ohne dich. Du kannst sie komplett ignorieren, genau wie sie dich ignorieren. Oder du kannst auf einer Brücke stehen und ihnen hinterhergucken, während das Fernweh in dir nagt…

Doch dann plötzlich, in den Zug Nummer eintausendundeins, da steigst du ein. Und nun rollt die Welt an dir vorbei – tausendmal besser als der beste Dokumentarfilm in HD, denn es ist deine Welt und es sind deine eigenen Augen! Orte, die du bisher nur von der Landkarte oder überhaupt nicht kanntest, die bekommen plötzlich einen Kirchturm, eine Dönerbude, ein Kopfsteinpflaster, eine Dorflinde, eine Frau mit Hund und Kinderwagen, einen vorbildlichen Holzstapel neben einem vorbildlichen Haus.

In den Bergen liegt schon Schnee – und ich kriege eine Art Schüttelfrost aus fiebriger Erwartung. Wo kommt nur das Zigeunerblut in mir her? …”

Im allerletzten Muminbuch, diesem, welches eigentlich schon längst kein richtiges Kinderbuch mehr ist, beginnt das erste Kapitel so:

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Und ein paar Seiten weiter steht:

“Manche bleiben und manche brechen auf, so ist es immer gewesen. Jeder hat die Wahl, muss seine Wahl jedoch zur rechten Zeit treffen und darf sie niemals bereuen.”

Ein anderes Buch, eines, das mir unterm Weihnachtsbaum zugelaufen ist, beginnt auch mit einem Aufbruch:

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Ja, vielleicht bin ich tatsächlich nicht richtig an der Erde befestigt. Aber rastlos bin ich nicht. Dann schon eher sesshaft im Aufbruch. Und nicht mal das herrlichste Märchenschloss kann mich halten!

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Meine Bücherchen

Mal hat das Leben mich gebeutelt, mal habe ich es gebeutelt. Ich habe Männer kennengelernt und wieder verlassen, ich habe Freundschaften gepflegt und dann die Pflege verschusselt, so wie man vergisst, seine Zimmerpflanzen zu gießen. Ich war Mitglied in verschiedenen Vereinen oder habe zusammen mit anderen Leuten Musik gemacht. So waren im Laufe des Lebens unterschiedliche Menschen an meiner Seite, mehr oder weniger dicht. Und ich habe mich mit allerlei Hobbys unterhalten, mehr oder weniger intensiv.

Eigentlich gibt es nur zwei Dinge, die mir immer treu waren und denen ich immer treu geblieben bin: die Natur und die Bücher. Nachdem der Waldengel letztes Jahr weggegangen ist und ich gleichzeitig obdachlos wurde, war ich allerdings gezwungen, alle meine lieben Freunde, die Bücher, in viele Kisten zu verpacken und auf unbestimmte Zeit in einem Lagerhaus in einen großen dunklen Holzcontainer zu verbannen. Da diese Bücher IMMER um mich waren, einige davon fast das GANZE Leben lang, habe ich mich seitdem ziemlich unvollständig gefühlt.

Gestern habe ich sie nun endlich wieder befreit!!! Zusammen mit all dem anderen Krempel, den man so ansammelt und aufhebt, habe ich sie aus dem dunklen Holzcontainer rausgeholt – und nun sind sie wieder bei mir. Viele von ihnen haben eine eigene Geschichte. Es gibt ein Bilderbuch aus meiner ganz frühen Kindheit, meine allerliebsten Kinder- und Jugendbücher sind dabei, eine uralte Bambi-Ausgabe, die mir die alte deutsche Schrift gelehrt hat, das dicke Schmitt-Buch, das ich als Kind so gerne angeguckt habe, die Bücher von Aitmatow… Dann alle Gedichtbücher von Eva Strittmatter. (Als ich Gitarre spielen gelernt habe, hatte ich mal versucht, einige dieser Gedichte zu vertonen.) Das Buch von der großen Keri natürlich, die Romane von Island, die Muminbücher… Und dann alle meine und ein Teil von Kennets Naturbüchern.

Ich war unglaublich bewegt, als ich gestern so nach und nach all diese Bücher in die Hand genommen habe, um sie ins Regal zu stellen. Und bin es irgendwie immer noch. Natürlich hatte ich im Laufe meines Lebens viel mehr als diese Anzahl, die nun gerade in dieses eine Bücherregal passt, dieses Regal, das schon so oft mir mir umgezogen ist, das ich schon so oft auseinander- und wieder zusammengeschraubt habe… Aber es sind eben die Bücher, denen ich wirklich treu geblieben bin und die auch mir wirklich treu geblieben sind. Ich hoffe so sehr, dass wir nie wieder ohne einander sein müssen!

Thema verfehlt!

Ach, du lieber Himmel, bei all der schönen Leserei in meinem Kurs über Kinder- und Jugendliteratur, was ich mich rumquäle mit den Einsendeaufgaben!
Es ist 30 Jahre her, dass ich in den mäandrierenden und seichten Gewässern der Geisteswissenschaften umhergeschippert bin – und ich habe es schon damals ziemlich verabscheut: sich mit verschiedenen Modellen und Definitionen einer Menge kluger Theoretiker auseinanderzusetzen und dann auch noch eigene Abhandlungen darüber zu verfassen, mit einer noch größeren Anzahl von penibel abgetippten Zitaten und endlosen Quellenangaben. Grrr…

Freilich kann man sich auch mit Mathe- oder Programmieraufgaben foltern oder sich beim Lernen von Pflanzenarten, Gesteinen oder isländischen Vokabeln Schwielen auf den grauen Zellen holen. Aber in den Naturwissenschaften oder beim Sprachenlernen ist es viel einfacher mit dem “richtig” oder “falsch” und eher unwahrscheinlich mit diesem vermaledeiten Urteil “Thema verfehlt”.

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Hier also das Feedback meiner Kursleiterin zu meiner ersten Einsendeaufgabe. Da steht ungefähr: “Du hast zwar die eigentliche Frage nicht wirklich beantwortet, sondern mehr deine eigenen Gedanken zum Thema ausgebreitet, aber weil er interessant geschrieben und wohlformuliert ist, wird dein Text anerkannt. Beim nächsten Mal bitte mehr den Fokus auf die gestellte Frage richten!”

Ich hatte schon beim Abschicken gewusst, dass so etwas kommt, und eigentlich damit gerechnet, dass sie es gar nicht anerkennt. Aber ich KONNTE es einfach nicht: Dieses Sezieren und Gegenüberstellen der Definitionen und Ansichten anderer, die in ihren Büchern wiederum auf ein Dutzend Definitionen und Ansichten von wieder anderen verweisen. Wie kann man an so etwas Freude haben?! Grrrr…

Nun sitze ich also an der nächsten Einsendeaufgabe. Die ist zum Glück ein bisschen weniger theoretisch, aber auch nicht ohne. Diesmal sollen wir von zwei Büchern das Genre bestimmen und auf 3 bis 4 Seiten auseinanderklamüsern, wie wir darauf gekommen sind und wie sich diese Bücher zueinander und zu ihrem Genre verhalten. Puh! Also im nächsten Semester werde ich auf jeden Fall wieder Naturforscher! Das steht fest. Felsenfest.

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Gran Canaria, März 2011

Regenbogentag

In dem schlauen Buch über die Schlüssel und Zeichen in der Natur steht, dass man im Sommer einen Regenbogen normalerweise nicht mitten am Tag sehen kann, weil dann die Sonne zu hoch am Himmel steht. Als Faustregel gilt: Wenn dein Schatten kürzer ist als deine Körpergröße, dann wirst du keinen Regenbogen sehen.

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Man kann diese Regel allerdings ein bisschen austricksen, wenn man auf einen hohen Berg steigt. Im Gebirge kann man nämlich einen Regenbogen auch mitten am Tag sehen, wenn die Sonne eigentlich zu hoch steht. Dann ist der Regenbogen im Tal – und oft auch soweit weg, dass man ihn gut in seiner ganzen Schönheit fotografieren kann. Hier ist ein Bild, wo dieser Effekt überdeutlich wird.

Am 11. September, also genau ein Jahr nachdem aus dem Waldengel ein richtiger Engel wurde, bin ich auf einen hohen Berg gestiegen, um auf dem Gipfel eine Kerze für ihn anzuzünden. Das war freilich eine ziemlich bescheuerte Idee, weil es dort oben auf der Hardangervidda eigentlich niemals windstill ist, und auf einem hohen Berg schon gar nicht. Genauer gesagt: Es war mehr oder weniger stürmisch, als ich den Gipfel stürmte. Ein gar nicht stürmischer Gipfelstürmer im stürmenden Sturm…

Dieser Wind hat mir dann aber etwas anderes geschenkt: nämlich stürmende Wolken, immer mal wieder einen Schauer – und einen herrlichen Regenbogen ungefähr einmal die Stunde. Da habe ich die Kerze mit gutem Gewissen eine Kerze sein lassen, unangezündet also, und habe gedacht: Okay, der Himmel hat das jetzt für mich übernommen, und es ist ja viel besser als ein winziges flackerndes Lichtlein auf einem kahlen Berge. Danke dir, du lieber Himmel!

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Hier das komplette Album vom 11. September 2016

Willkommen und Abschied

Nun sitze ich im Bus nach Deutschland, wo ich fast den ganzen August verbringen werde. Das ist mein erster richtiger Urlaub von den “Ferien auf dem Bauernhof”. Åke ist ein bisschen bekümmert, weil er nun mehr arbeiten muss. Zwar sind immer genug WWOOFer auf dem Hof, doch die müssen jedesmal wieder neu angeleitet werden, und das war ja inzwischen mein Job.

20160731-P7310067Am Donnerstag ist Fredo nach Amsterdam gefahren, und es war mein erster richtiger Abschied. Das heißt, eigentlich war es gar kein richtiger, denn ich habe ihm morgens nur einen Zettel hingelegt, weil ich selbst den Donnerstag in der großen Stadt verbracht habe und noch früher als er aufgebrochen bin. Ich mag nämlich keine großartigen Abschiedsszenen, und von Fredo wäre es mir irgendwie besonders schwergefallen. Als ich dann abends seinen Antwortzettel gelesen habe, sind mir auch wirklich die Tränen gekommen…

 

Die Tage davor haben wir aber nochmal richtig auf die Pauke gehauen in unserem internationalen Kinderferienlager. Am Montag hat die China-Fraktion eine große Dumpling-Session angezettelt. Ich hatte vorher noch nie solche Dinger zubereitet oder gegessen, musste aber gleich an russische Pelmeni und den Film “Ich war neunzehn” denken. Nur die Gewürze in den Füllungen waren natürlich viel asiatischer.

Am Dienstag hatte Åke Geburtstag und wir haben alle zusammen ein leckeres Menü zubereitet. (Mein Beitrag war, den Thymian für die gebackenen Mairübchen zu pflücken und zu “entnadeln”…) Am besten waren Tingtings Raw-Food-Geburtstagstorte und das dunkle Öko-Bier aus unserem Laden, das ich vorher auch noch nie probiert hatte.

Gestern bin ich dann nochmal eine schöne Abendrunde gegangen und habe nicht nur zu unserem Hof, dem Gemüse, den Blumen, den Schmetterlingen, den Blaubeeren und dem Wald, sondern auch zum warmen Wasser im großen See “Hejdå” gesagt, denn das ist ganz sicher wieder viel frischer, wenn ich Anfang September zurückkomme.

Und damit ich jetzt wirklich Urlaub habe, macht auch m o n d s c h n e e mal einen Monat Pause. Wir lesen uns dann im September wieder! 🙂

Wilde Wolken über der Ostsee zwischen Gedser und Rostock