Pulverschnee & La dolce vita

Also diese Woche in den Bergen… Du lieber (siebter) Himmel! Dort liegt immer noch ein ganzer Meter Schnee und trotzdem gab es Sonne satt, und zwar nicht eine kühle und schüchterne Wintersonne, sondern eine warme Frühlingssonne von morgens um sieben bis abends um sechs. Da kann man wirklich viele Stunden im Freien verbringen. Und das haben wir natürlich auch gemacht. Denn ich hatte mir außerdem ein Paar richtig moderne Langlaufskier gemietet, so dass mir auch in den Loipen regelmäßig Flügel gewachsen sind.

Und weil man vom Skilaufen schön hungrig wird, haben wir’s uns auch immer beim Apres Ski richtig gutgehen lassen: ausgesuchten Käse, guten Fisch, bunte Weine und leckere Desserts. Puh, jetzt muss ich erstmal in den Alltag zurückfinden…

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Wunderliches vom Jahreswechsel

Ich muss nochmal ein bisschen zurückblättern zu den letzten Tagen des alten und dem ersten Tag des neuen Jahres. Ein paar Merk-Würdigkeiten sind mir doch noch widerfahren. Zweimal hatten sie mit meinen Busreisen zu tun. Auf der Fahrt mit dem Nachtbus von Berlin nach Malmö sind wir nach der Öresundbrücke in einer übereifrigen Polizei- und Zollkontrolle hängengeblieben. Wegen eines blauen Koffers, der plötzlich keinem gehören wollte. Stundenlang haben sie uns ausgefragt und gefilzt! Na, das war vielleicht blöd! Da hatte ich einmal im Leben ein bisschen Grünzeug im Gepäck, eben weil sie bei den Busreisen normalerweise niemals kontrollieren, und ausgerechnet da mussten allen ihre Koffer auspacken. Ja, alle. Außer mir. Puh! Da habe ich aber wirklich Schwein gehabt! Dass ich dann natürlich meinen Zug in Malmö verpasst habe und mich deshalb im alten Jahr nicht mehr mit Herrn Möwe treffen konnte, war ebenfalls weniger erfreulich.

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Sonnenaufgang über dem Öresund

Den allerletzten Tag und die allerletzte Nacht des alten Jahres habe ich gemeinsam mit lieben Geocaching-Freunden verbracht. Tagsüber waren wir bei sehr trübem Wetter etliche Stunden im Wald wandern und haben Schätze gesucht. Das hat echt mal wieder gutgetan! Ach, ich fühle mich immer sowas von zu Hause in diesen immergrünen Regenwäldern hier im Hinterland der schwedischen Westküste.

Nach dieser feucht-fröhlichen Wanderung (ganz ohne Alkohol) haben wir den Rest des Jahres dann aber nicht mehr auf dem Trockenen gesessen, allerdings bei milderen Temperaturen und mit weniger Luftfeuchtigkeit, drinnen also. Gemeinsam mit meiner Freundin Cathy haben wir leckere Muscheln mit Pasta zubereitet und dabei ein Fläschchen Bubbel angezapft. Mit dem Rest der Flasche sind wir am späten Abend dann noch in die nächste Stadt gefahren, um uns mit anderen Geocachern bei denen zu Hause zu treffen. Sie hatten auch nochmal soviel leckeres Essen vorbereitet und dann in der ersten Stunde des neuen Jahres sogar noch einen neuen Cache publiziert, bei dem wir uns dann um 0:30 Uhr als allererste ins taufrische Logbuch eintragen konnten. “First to find” nennt man das, und einige Geocacher sind nahezu besessen davon, so viele “FTFs” wie möglich in ihrer Statistik zu haben.

(Da taucht bei mir plötzlich die Frage auf: Wenn einer einen Berg das erste Mal besteigt, muss er dann das Gipfelbuch selber mitbringen???)

Nach nur vier Stunden Schlaf habe ich mich dann am ersten Tag des neuen Jahres in aller Frühe schon wieder reisefertig gemacht und bin zum Busbahnhof im Göteborg gefahren. Dort hat mich der Fahrer des Skiexpress-Busses mit der lustigen Nachricht empfangen, dass ich an diesem Neujahrsmorgen tatsächlich der einzige Passagier wäre. Und so habe ich weder geschlafen noch gelesen oder einen der vielen Geocaches vom Vortag im Internet geloggt, was ich mir eigentlich für die Fahrt vorgenommen hatte, sondern ich habe die beinahe sieben Stunden direkt beim Fahrer vorne gesessen – und wir haben die ganze Zeit geredet. Es war, als hätte ich für die lange Fahrt in die Berge ein Privat-Taxi mit einem supernetten Fahrer gebucht! Unglaublich! Bei unserer Rast nach der Hälfte der Strecke durfte ich an der Raststätte sogar noch einen Geocache suchen. Erst dann sind wir weitergefahren. Ich sage euch! Wenn einer eine Reise tut, dann kann er wirklich was erleben…

Timeout at N 61°

Bevor ich mich ab nächster Woche bei meinem Bauer in Svenshögen mit Feuereifer in die neue Saison stürze, gönne ich mir noch eine Woche Auszeit im Winter-Wonderland des südlichsten schwedischen Skigebietes. Hier ist eine Freundin aus Svenshögen den ganzen Winter als Skilehrerin beschäftigt, und so kann ich bei ihr wohnen und sozusagen auch ein bisschen wwoofen. Einen halben Tag lang bin ich mit meinen Langlaufskiern immer in der Spur, jeden Tag in einer anderen, denn es gibt hier jede Menge. Und dann besorge ich für uns den Haushalt, kaufe ein, koche und backe Brot – sodass sie nach der Arbeit nur noch ausspannen kann. Im Moment gibt es nämlich viel Arbeit hier für die Skilehrer, denn die Weihnachtsferien gehen in Schweden immer bis zu den Heiligen drei Königen, und besonders die vielen Stockholmer kommen gern hierher.

Zuerst war nur alter Schnee da, verharscht und vereist, und überall waren die Schneekanonen zugange. Aber seit gestern schneit es ununterbrochen echten Schnee – und jetzt sieht es überall aus wie im Wintermärchen. (Dass es in mir drin auch wie im Märchen aussieht, ist aber nochmal eine ganz andere Geschichte…)

Und dann hat der Waldengel heute Geburtstag, schon der zweite, den ich ohne ihn feiern muss… Aber ich habe eine Kerze für ihn angezündet. Eine ganz besondere, von der ich weiß, dass er sie auch sehr gemocht hätte.

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Ich will Kühe!

Heute früh hatte ich einen kleinen Muskelkater von der ungewohnten Arbeit im Stall. Und weil ich jetzt immer diese frisch gemolkene Milch trinke – und alles esse, was aus ihr so hergestellt wird – werde ich ganz sicher Probleme kriegen, wenn ich nachher wieder Milchprodukte im Geschäft kaufen muss. Es ist tatsächlich ein richtig großer Unterschied!

Aber mal der Reihe nach. Von den Herbstferien muss ich ja noch ein bisschen was erzählen. Die hatte ich doch bei meiner Tochter und mit meinem Enkel verbracht. Ach, es waren wieder so schöne Tage – und die Zeit verging wie immer viel zu schnell. Hier gibt es allerlei Bilderchen von fröhlichen Aktivitäten und schönen Herbstfarben.

In Berlin war ich diesmal nur auf einen Abstecher, am letzten Sonntag vor meiner Abreise in den Süden. Und eigentlich war es auch gar nicht richtig Berlin, sondern der schöne Stadtrand mit seinen Spazierwegen und den weiten Ausblicken. Die Malchow-Runde haben wir mal wieder gemacht, ja, eine der möglichen Runden, die es dort so gibt. Dabei haben wir neben den nie versiegenden Fotomotiven in der Natur auch einige Kuriosa entdeckt – oder selbst hergestellt:

Am Montag wurde mein großes Kind dann auf einmal 30 Jahre alt. Das hat sich schon ziemlich merkwürdig angefühlt. Kinder, wie die Zeit vergeht! Wir haben in kleiner Runde gefeiert, wobei ich den Schluss nicht mehr ganz mitgekriegt habe… Also, nicht was ihr denkt! Kurz vor Mitternacht ging doch der Nachtbus nach München!

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Wow! 30 selbst gebackene Hattifnatten zum 30. Geburtstag!

An die Nachtfahrt kann ich mich kaum erinnern, was ja ein gutes Zeichen ist. Manchmal hat es eben auch Vorteile, dass man nicht von so hohem Wuchs ist, hihi. In München habe ich dann “nachhaltig” gefrühstückt – also nur mit Essen aus der Region:

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Die Fahrt über die Alpen stand ganz im Zeichen von “Wenn der Herbst den Winter küsst – oder ist es anders herum?” Also Herbstfarben mit Puderzucker – ich konnte mich echt nicht sattsehen!

Ja, und nun bin ich für eine Weile hier auf einem ganz anderen Hof, in einer ganz anderen Gegend, wo ich ganz andere Aufgaben habe als in Svenshögen. Auch die Familie ist ganz anders, und der andere WWOOFer ist auch ganz anders. Ich werde von allem und von allen noch ausführlicher berichten. Heute stelle ich euch erstmal meinen neuen Kumpel Mylo vor:

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Hundepromenaden – alle Bilder

Über den Wolken?

Ich glaube, ich höre mit dem Fliegen auf. Richtig zu reisen, das ist viel schöner. Natürlich dauert es länger, aber warum muss alles immer so schnell gehen? Anstatt in – schwupps! – einer Stunde von Göteborg nach Berlin zu fliegen, nehme ich zuerst den Zug nach Malmö. Dort habe ich eine Stunde Zeit. Ich spaziere herum, gehe bis ans Wasser. Das ist aufgewühlt, denn es ist stürmisch. Mit dem Flixbus geht es dann weiter. Da der Flixbus die Fähre von Gedser nach Rostock nimmt, ist man zwischendurch fast zwei Stunden auf dem Schiff. Das mag ich. Da kann man nämlich wieder herumlaufen, ins Wasser spucken und den Wellen zugucken. Die restliche Fahrt geht durch die schöne mecklenburgische Landschaft, wo man sich manchmal denkt: Hier gibt es wahrscheinlich mehr Windräder als Einwohner. Ja, ich glaube, ich höre mit dem Fliegen auf.

Gleichzeitig denke ich an unsere Norden-Reise im Oktober 2006, also vor genau zehn Jahren. Diese Reise, die mich dann schließlich drei Jahre später die Koffer hat packen lassen, um dorthin auszuwandern. Es war wirklich eine ganz besondere Reise, die wir beide niemals vergessen werden.

Hier ein paar Links auf die Posts in meinem alten Blog, die mit dieser Reise zu tun haben:

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Warum ich nun schon wieder unterwegs bin? Mein Enkel hat eine Woche Herbstferien, und ich habe Sehnsucht nach ihm und dem Rest der Familie. Dann ist die Saison in Svenshögen auch eigentlich rum, denn heute ist der letzte Bauernmarkt in der großen Stadt. Gestern habe ich nochmal den ganzen Tag gepflückt und Sträuße gebunden, und mich schließlich von allen verabschiedet. Die Anzahl der Umarmungen ist wohl reif für das Guinness-Buch der Rekorde. Viele der umarmten Menschen werde ich mehrere Monate nicht sehen, obwohl ich selbst nur zwei Monate nicht dort sein werde. Aber die Hippies sind im Winter gern lange in Indien oder auf Bali. Das wäre nichts für mich. Darum fahre ich jetzt in den Süden, und später nochmal weiter in den Süden, in die Alpen nämlich, wo dann hoffentlich schon Schnee liegt.

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Nun allein im großen Haus: Anne und Oliver

Kleivabrua

Eines macht mich immer wieder staunend und überwältigt: wie aus einer Idee, die sich in einem Kopf befindet, etwas Wirkliches in der Wirklichkeit entsteht. Das ist eines der größten Wunder in unserem Leben, finde ich. Es kann sich um so etwas Gewaltiges wie den Bau einer Steinbrücke über eine Schlucht handeln oder um etwas eher Bescheidenes wie das Planen und Durchführen einer Reise.

Als ich vor einigen Monaten das Buch über die Brückenbauer gelesen habe, ist in meinem Kopf gleichzeitig die Idee gewachsen, eine Reise zu diesen Brücken zu machen, um sie in der Realität anzuschauen, diese Wunderwerke, eingebettet in die karge nordische Gebirgslandschaft. Und diese Reise ist vor ein paar Wochen Wirklichkeit geworden.

Ein paar historische Aufnahmen vom Bau der Brücke gibt es hier.