Glad midsommar!

 

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Allen in der Nähe und in der Ferne wünsche ich

ein herrliches Mittsommer-Wochenende!

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Feste feiern

An Fastnacht gibt es in Schweden keine Karnevalsumzüge oder ähnlichen Trubel, an Fastnacht werden hier die Fastlagsbullar gegessen, mehr bekannt als Semlor. Ich habe am Dienstag also für unser Café auch welche gebacken, mit weniger Zucker und mit Dinkelvollkorn- anstelle von Weizenauszugsmehl. Die sind gut weggegangen.

Fasching hatten wir aber trotzdem, allerdings schon Anfang Februar. Eine Künstlerin hier aus der Community hatte in ihr großes Haus mit Atelier eingeladen. Dieses Winterfest mit Verkleidung stand unter dem Thema “pARTy – nach allen Regeln der Kunst“. Man musste sich dazu anmelden, und nach 60 Anmeldungen war Anmeldeschluss. Außerdem sollte jeder etwas kochen oder backen und vorher mitteilen, ob süß oder salzig. Ich habe zwei Brote gebacken, von denen nachher kein Krümelchen mehr übrig war. Das Fest war für mich außerdem eine gute Gelegenheit, noch mehr Leute hier aus der Gegend kennenzulernen. Bis nachts um eins haben wir Spaß gehabt und getanzt. Verkleidet war ich zwar nicht so richtig, aber ich hatte immerhin 4 Paar fröhliche Socken irgendwie an mir installiert. Die hatte ich zu Weihnachten von der Schwiegermutter meiner Tochter bekommen. Sehr lustig, denn diese Socken wurden in Schweden designed!

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Dann hat sich diese Woche auch noch meine Ankunft hier in Svenshögen zum ersten Male gejährt, etwas, das natürlich kräftig gefeiert werden musste. Als ich Åke daran erinnert habe, meinte er, dass es ihm schon viel länger vorkäme, und mir geht es genauso. Zur Feier des Tages habe ich sogar den Käse angeschnitten, den ich aus den Alpen mitgebracht hatte, also meinen ganz eigenen Heumilchkäse. Der kam Ende November auf die Welt, wurde dann hier Anfang des Jahres von mir mit Rotschmiere-Bakterien geimpft und durfte dann ungefähr zwei Monate reifen. Er hat nun eine gute, kräftige Note, ist allerdings nicht so cremig wie andere Käsesorten mit diesem Geschmack. Gelobt wurde er trotzdem von all meinen Gästen, und ich bin tatsächlich erstaunt und begeistert, wie einfach die Käseherstellung letztendlich war. Das muss ich unbedingt noch einmal probieren!

Nach diesen acht 6-Tage-Wochen habe ich mir nun eine kleine Auszeit verdient, finde ich. Und so sitze ich mal wieder in einem Fernbus, der mich nach Norden bringt. Dorthin, wo richtiger Winter ist…

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Sälen, Lindvallen (vor zwei Tagen von Radka geknipst)

Nachschlag aus dem Tiroler Gailtal

Ich muss noch ein bisschen was nachliefern zu meinen frisch gebackenen alpinen Erfahrungen. Also zuerst das mit der Sprache. Es war ja nicht das erste Mal, dass ich mich in Tirol und seinen hohen Tälern aufgehalten habe, aber diesmal war der lokale Dialekt so schwer zu verstehen, dass ich so gut wie gar nix mitbekommen habe, wenn die Einheimischen miteinander gesprochen haben.

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Für die Küche hatte ich zum Glück eine kleine Wortliste hinten im gängigen Lokalkochbuch. “Keschtn” haben wir regelmäßig im Ofen gemacht, aber es hat trotzdem ein bisschen gedauert, bis ich geschnallt habe, dass dies nicht die schwedische Aussprache meines Vornamens ist, sondern die lokale Bezeichnung für Esskastanien.

Zwei wichtige lokale Ereignisse habe ich auch ziemlich hautnah miterleben dürfen. Einmal ist jemand in der Nachbarschaft gestorben, und ich war erstaunt, was in einem katholischen Dorf dann alles so abläuft. Die Mitglieder meiner Gastfamilie sind mehrmals dorthin zum Beten gegangen. Und dann hat das halbe Dorf am Trauerzug teilgenommen, die Mitglieder der örtlichen Vereine hatten alle Trachten an und die Blasmusiker haben die passende Blasmusik dazu gespielt. Als ich später mit dem Hund draußen war, habe ich die Trauerrede des Pfarrers durch das ganze Tal gehört, denn alles wurde mit Lautsprechern aus der Kirche auch nach draußen übertragen. Sehr merkwürdig…

Dann war an einem Samstag Ende November im Gemeindehaus der traditionelle Adventsmarkt, und dorthin bin ich auch mitgegangen. Zuerst haben der Bürgermeister und der Pfarrer geredet, man betete zusammen und zwischendurch hat ein Junge immer wieder traditionelle Melodien auf der Ziehharmonika zum Besten gegeben. Das Musizieren spielt in vielen Familien offensichtlich eine wichtige Rolle und viele Kinder lernen ein Instrument.

Nach dem offiziellen Teil konnte man dann verschiedene Adventskränze erstehen, die vorher von den örtlichen Frauen gebunden worden waren mit den Zweigen, die die örtlichen Männer aus dem Wald geholt hatten. Als alle ihren Kranz gefunden hatten, wurden die Tische gedeckt und man konnte Kaffen und Kuchen kaufen. Beim Anblick des riesigen Kuchen- und Tortenbuffets sind mir echt die Augen übergegangen. Schließlich konnte ich mich für ein Stück Mohntorte entscheiden und habe mir noch ein Stück Nusstorte für meine Bergwanderung am nächsten Tag einpacken lassen. Wir selbst hatten am Vormittag eine Menge Osttiroler Breatl gebacken, die dort auch zum Verkauf angeboten wurden.

Etwas, das dort in der Gegend eine große Rolle spielt, ist der Nikolaus und die mit ihm zusammen umherziehenden Krampusse. Life habe ich während meines Aufenthaltes dort keine erlebt, aber viel davon gehört. Von den wertvollen Holzmasken, den Schlägereien und allen möglichen Geschichten im Zusammenhang damit. Weil es in Schweden überhaupt keinen Nikolaus gibt, war ich überrascht, welcher Kult sich in den Alpenländern darum abspielt. Bei mir selbst war übrigens nur der liebe Nikolaus ohne die bösen Krampusse – mit vielen leckeren Sachen aus der Region.

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Und ganz zum Schluss will ich alle, die gern wandern noch auf zwei wunderbare Höhenwege aufmerksam machen:
Den Gailtaler Höhenweg und den Karnischer Höhenweg.

Mitten im Sommer

Hoppla, schon wieder eine ganze Woche rum! Drei Tage davon habe ich gearbeitet und vier hatte ich frei – denn es war schließlich das Lieblingsfest der Schweden: Midsommar. Während der drei Arbeitstage war es ziemlich trubelig auf dem Hof, denn wir hatten zweimal abends eine Busladung neugieriger Menschen aus der großen Stadt hier. Denen sollte Åke erklären, wie es am allerbesten mit den Hochbeeten geht. Und Fredo hat zweimal einen riesengroßen Topf Linsencurry für alle gekocht. Ich habe ihm ein bisschen in der Küche geholfen und bin ansonsten rumgewuselt und habe Sachen hin- und hergetragen. Außerdem habe ich ein Flipchart von IKEA zusammengeschraubt.

Am Mittwochabend hat Åke dann für alle WWOOFer, die gerade bei ihm sowie bei Gert und Akasha zugange sind, einen Vortrag über Bio-Anbau und Raw Food gehalten. Er wollte gerne, dass ich auch dabei bin, was ich ein bisschen überflüssig fand, weil ich ja seine beiden Ganztangskurse schon besucht hatte. Aber er meinte, ich hätte ja nun selbst schon allerlei Erfahrungen gesammelt und könnte in der Diskussion fleißig mit dabei sein, was ich auch ein bisschen überflüssig fand, denn alles war ja auf Englisch – und alle anderen reden immer noch viel, viel fließender als ich.

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Da bin ich also dann am Donnerstag gleich morgens in die große Stadt gefahren – und habe erstmal nicht viel gemacht, außer ein paar Leckereien für Midsommar eingekauft. Und dann ist nun auch Kennets großer iMac inzwischen bei meiner Freundin angelangt, wo ich immer übernachte, wenn ich in die große Stadt fahre, wo ich gemeldet bin und wo ein Teil meiner Sachen in einer kleinen Kammer wohnt. Der große iMac, der war bis jetzt immer noch bei einem Kollegen von Kennet untergestellt, weil er in der Nähe gewohnt hat und ich nicht wusste, wohin damit. Mit dem habe ich mich nun etwas ausführlicher beschäftigt, also dem iMac, nicht dem Kollegen. Habe Updates installiert, ein Backup gemacht – und dann Filme gekiekt und Musik gehört. Ein richtig schöner Gammel-Donnerstag!

Freitag war Midsommar, welches ich zusammen mit Herrn Möwe in Majorna und im Slottsskogen gefeiert habe. Wir haben uns ordentlich die Bäuche vollgehauen mit Sill und Lachs und Pellkartoffeln und Erdbeeren mit ganz viel Schlagsahne, sogar manuell geschlagener Sahne, weil es bei Herrn Möwe keine Küchenmaschine mehr gibt, seit ich ausgezogen bin. Mit diesem vollen Bauch konnte ich dann im Slottsskogen absolut keine “Kleinen Frösche” tanzen oder an anderem Ringelpiez mit Anfassen teilnehmen, sondern habe dem lustigen Treiben nur als Zuschauer und Paparazza beigewohnt.

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Am Samstag war ich dann mal wieder reif für die Insel, bin aber erst nachmittags losgefahren, als die meisten Tagesausflügler und Touristen sich schon wieder auf den Weg nach Hause gemacht haben. Dafür hatte ich dann viele schöne Stellen auf Vrångö ganz für mich allein, obwohl es gutes Wetter war und mitten im Sommer. Habe bei meiner langen Wanderung auch viele alte Bekannte getroffen: die schmucken Stranddisteln, die schüchternen Orchideen im Wald, die federleichten Schmetterlinge und die immer irgendwie mampfenden Schafe… Außerdem gab es leckere Walderdbeeren im Überfluss und endlich auch die ersten Blaubeeren. Jaaaa!

Überrascht war ich, dass die vielen ekligen Feuerquallen dieses Jahr offensichtlich durch eine Menge netter Ohrenquallen ersetzt wurden. So ist es all die Jahre noch nie gewesen, aber so geht es wohl zu in der Natur, und mal passt es uns schlechter und mal passt es uns besser, was die Nesselquallen und die Ohrenquallen natürlich überhaupt kein bisschen interessiert…

Insel-Bilder … und … neue Makrobilder 

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iPieks & iChoc

Heute vormittag hat es noch einmal schön geregnet – und heute war der Tag, an dem die winzigen Frösche den Teich verließen. Oh, so viele! Und oh, so klein! Wo sie jetzt nur alle hingehen? Und woher wissen sie, wo sie alle hingehen müssen? Einige wollten wohl die Abkürzung über den gepflasterten Hof nehmen, aber der ist dann schnell wieder getrocknet – und sie waren natürlich verloren. Gerade aus dem Wasser geschlüpft, brauchen sie es noch sehr feucht. Ein paar haben wir retten können, zusammen mit der kleinen Tochter eines Kunden. Kleine Kinder retten gerne kleine Tiere. Als mein Enkel fünf war, kamen wir oft beim Waldspaziergang nur sehr langsam voran, weil er andauernd Mistkäfer retten musste.

Und dann ist heute gleich zweimal innerhalb von nur einer Stunde Germany in unseren Gesprächen aufgetaucht, und es hatte mitnichten was mit Fußball zu tun. Ich war – was nicht sehr oft vorkommt – mit Fredo zusammen in der Küche, um das Mittagessen vorzubereiten. Es war noch eingefrorene Nesselsuppe da, und ich habe die obligatorischen Eier dazu gekocht. Und wie so oft haben wir ein bisschen Knoff-hoff und How-to ausgetauscht. Was macht ihr denn in Argentinien, damit die Eier beim Kochen nicht platzen? Sie machen ein bisschen Essig ans Kochwasser, hat er gesagt. Und ich habe dann von unseren formschönen Ossi-Eierpieksern aus Plaste erzählt. Er war ganz hin und weg. Was die Deutschen alles erfinden! Muss er dann unbedingt seinem Vater als Mitbringsel mitbringseln. Weil der doch so gerne Eier isst.

Nach dem Essen haben Tingting und Åke uns ins Café zum Nachtisch eingeladen. Tingting hatte mal wieder ein paar neue Sachen für den Shop bestellt, und wir durften neuen Tee probieren und neue Schokolade kosten. Von den neuen Teesorten schmeckt mir dieser hier am besten. Der ist auch gar nicht so teuer. Und die neue Schokolade kommt aus Deutschland. Sieh mal einer an! War lecker.

Ach ja, apropos lecker. Die Walderdbeeren sind nun auch reif. Bei einem Abendspaziergang habe ich für Fredo eine Handvoll gesammelt und auf den obligatorischen Grashalm aufgefädelt. So wie es alle Kinder in Schweden machen. Das hat ihm sehr gefallen – und natürlich super geschmeckt.

Kleine Frösche und kleine Erdbeeren. Ein guter Tag. 🙂

Kleine Aus+Eiszeit

Nun habe ich mir aber auch mal einen langes Wochenende gegönnt! Jawoll! Gestern war nämlich Nationalfeiertag, und da habe ich meine normalen freien Tage drumherum gebastelt – und somit hatte ich jetzt drei Tage frei. Das war auch mal schön, nachdem ich den ganzen Frühling irgendwie alle langen Wochenenden durchgearbeitet hatte.

Am Sonntag habe ich liebe Freunde in Kullavik besucht, und wir hatten einen richtig herrlichen Ausflugstag mit drei verschiedenen Inseln, lecker essen, dann auch noch lecker Eis essen – und zum Schluss noch einmal samischen Gesängen in einer Kirche. Gestern war ich wie immer im Slottsskogen, wo das Orchester aus dem Konzerthaus jedes Jahr am Nationalfeiertag ein gut besuchtes Open-Air-Konzert gibt. Allerdings war ich mit der Musikauswahl dieses Mal nicht so recht zufrieden. “Klassik für jedermann” sollte schon Klassik für jedermann sein, finde ich, und nicht uraufgeführte Stücke von völlig unbekannten Komponisten. So gab es dieses Jahr nicht mal eine Zugabe, denn vom Dauerklatschen am Ende konnte kaum nicht die Rede sein.

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Wie beim Fahnenappell: Hier singen wir alle die Nationalhymne, während die Flaggen gehisst werden…

Eine Frau aus der Schweiz, die sicherlich zum ersten Mal im Slottsskogen dabei war, hat das Ganze in einem putzigen Artikel ausführlich beschrieben, bebildert und nett kommentiert.

Und weil der Moderator auf der Bühne auch seinen Spickzettel von vor vier Jahren noch einmal recycelt hat (das Orchester wie eine Fußballmannschaft vorzustellen, wegen der bevorstehenden EM, na ja, ich weiß nicht…) gibt es meine eigenen Beschreibungen aus früheren Jahren hier, hier und hier.

Pausengespräche

Gestern hatten wir beim Mittagessen (Fredo hatte sich mal wieder selbst übertroffen mit Salat, Suppe, Hauptgericht und Dessert…) einige interessante Gesprächsthemen. Zuerst hat uns Tingting erklärt, warum der 20. Mai in China so eine Art extra Valentinstag ist. Wenn man also auf Chinesisch 5-20 (wǔ èrshí) sagt, denn so wird das Datum angegeben, dann klingt es fast wie “Ich liebe dich”. Viele Leute heiraten deshalb an diesem Tag.

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Und dann haben wir überlegt, wo man das Verlangen, stets online zu sein, in die Maslowsche Bedürfnispyramide einordnen müsste. Ziemlich weit unten, sind wir uns dann einig geworden. Wahrscheinlich gleich nach den physiologischen Bedürfnissen. Hier im neuen Haus gibt es nämlich noch kein Internet. Wenn demnächst mein mobiles Datenvolumen alle ist, dann muss ich mich also immer ins Café setzen, um mich zu vernetzen. Oder ich mache einfach mal eine Online-Pause. Mal sehen, wie meine persönliche Pyramide gerade so aufgestellt ist.

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Außerdem habe ich gestern den ersten Kuckuck gehört – und wir haben Fredo das besondere “Brutverhalten” dieses komischen Vogels erklärt und dass wir, wenn wir hier endlich den Projektor installiert haben, unbedingt zusammen den Film mit dem Kuckucksnest gucken müssen. Denn den kannte unser junger Herr Regisseur nämlich noch gar nicht. Unglaublich!

PS: Habe soeben die aktualisierte Pyramide von meiner Schwester gemailt bekommen!

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Hihi! 😉