Von Kindern und den kleinen Vögeln

Da ist die Temperatur doch tatsächlich um 25 Grad gefallen innerhalb nur einer Woche. Es sind plötzlich -10 Grad hier, und es weht ein eiskalter Ostwind. Trotzdem würde man wahrscheinlich einen Temperatursturz von 25 auf null Grad doch irgendwie ganz anders erleben. Komisch, oder? Die Zahlen allein sind es wohl nicht…

Gestern waren wir nochmal im Park spazieren, und eigentlich wollte ich wegen der negativen Temperaturen meiner Kamera mal eine Auszeit gönnen. Aber dann hat der Enkelsohn am Wasser einen Eisvogel entdeckt, und ich bin schnurstracks wieder umgedreht, um doch noch meine Knipsmaschine zu holen. Allerdings ist diese Knipsmaschine viel mehr für das Ablichten von bunten Blümchen und so Krabbelzeugs geeignet und viel weniger für das Fotografieren der kleinen Vögel. Und genau darum habe ich das ja immer gern dem Waldengel überlassen. Denn dem machte es überhaupt gar nichts aus, etliche Kilo an Fotoausrüstung mit sich herum zu schleppen, wenn er dafür ein schönes Bild von einem kleinen Vogel mit nach Hause nehmen konnte.

Mehr als eine Stunde lang bin ich mit meiner kleinen Knipsmaschine um den Teich und am Bach entlang durch die Büsche geschlichen, um dem Eisvogel vielleicht doch ein bisschen näher zu kommen. Aber da die Büsche im Moment gar keine Blätter haben, wurde ich immer schon sehr früh entdeckt – und der fliegende Edelstein schwirrte jedes Mal aufs Neue fröhlich davon.

Mit einem Film voller mehr oder weniger Nicht-Eisvogel-Bilder bin ich dann in den Kreis der Familie zurückgekehrt – und durfte wieder einmal erleben, dass Kinder in vielfacher Hinsicht bessere Menschen sind als Erwachsene. Mein Enkel hatte sich nämlich schon vor ein paar Tagen mit einem syrischen Jungen in seinem Alter angefreundet. Sie haben zwar keine gemeinsame Sprache – aber trotzdem jede Menge Spaß miteinander.

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A Song of Ice and Fire

Fire and Ice

Some say the world will end in fire,
Some say in ice.
From what I’ve tasted of desire
I hold with those who favor fire.
But if it had to perish twice,
I think I know enough of hate
To say that for destruction ice
Is also great
And would suffice.

Robert Frost (1920)

Am letzten Tag des alten Jahres und in den ersten Stunden des neuen Jahres habe ich mich mit den Urkräften von Eis und Feuer noch einmal ordentlich geerdet. Und was mir das neue Jahr auch bringen mag, die Mystik der Elemente und die Kräfte der Natur sind unvergänglich. Bei ihnen kann ich immer wieder auftanken.

 

Von Wasserstraßen und Schiffsfahrstühlen

Ist man wie ich in Schwedt und Frankfurt (Oder) aufgewachsen, war dann auch noch Lehrling in Eberswalde und hatte zudem einen vom Wassersport begeisterten Herrn Papa – so ist es nicht verwunderlich, dass man sich immer wieder hingezogen fühlt zu den Flüssen und Wasserstraßen dieser Region. Das Land hier ist sozusagen blaublütig, durchkreuzt von diversen Wasseradern, und man tritt gerne immer wieder an eines der Ufer, um seinen Puls fühlen.

Aber weil die liebe Eiszeit hier auch noch allerlei mit der Landschaft angestellt hat, so musste man in die künstlichen Wasseradern jede Menge künstlicher Venenklappen einbauen, Schleusen also, ja, bis hin zu ganzen Schleusentreppen. Und weil der Transport durch eine Schleusentreppe ziemlich viel Zeit kostet, und weil Zeit oft Geld ist, so haben tüchtige deutsche Ingenieure schon ganz früh mit einem richtigen Schiffsfahrstuhl geliebäugelt. Zunächst kam ihnen jedoch der erste Weltkrieg dazwischen. Noch vor der Machtübernahme der Nazis wurde der große Schiffsfahrstuhl dann aber wirklich fertig – und dass er den zweiten Weltkrieg ganz unbeschadet überstanden hat, das grenzt schon an ein Wunder.

Ich habe den Schiffsfahrstuhl schon viele Male in ganz unterschiedlichen Zusammenhängen besucht. An die Jungfernfahrt im Motorboot meiner Eltern kann ich mich allerdings nicht mehr erinnern. Das ist schade. Ich glaube, wir waren auf dem Weg zu einem Zeltplatz am Werbellinsee (mein Enkelsohn sagt immer Air-Berlin-See) und wir wurden tatsächlich zweimal in der großen Wanne die 36 m rauf und dann auch wieder runter transportiert.

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Mit den Kindern am Schiffshebewerk (Okt 2001)

Nachdem mein letzter Besuch inzwischen beinahe 15 Jahre her ist, habe ich mir nun endlich mal das Töchterlein mitsamt dem Enkel geschnappt und bin mit ihnen hingefahren. Der Junge war begeistert – und ich war auch sehr erstaunt, denn in der Zwischenzeit haben sie heimlich mit dem Bau eines ganz neuen Schiffsfahrstuhls begonnen. Außerdem gibt es nun ein Besucherzentrum mit vielen gut präsentierten extra Infos. Das war wirklich eine schöne Überraschung.

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Unser Ausflug zum Schiffshebewerk am 28. Dezember (alle Bilder)

Die Hundertwasser-Spirale

Im Sommer des Jahres 2000 sind wir mit einem lustigen und ziemlich alternativen Reiseunternehmen auf die Insel Elba gefahren, um dort drei Wochen lang zu zelten, zu baden, zu wandern und allerlei Ausflüge zu machen. Der Bus, mit dem wir auf der Insel herumgefahren sind, war so ein gelber amerikanischer Schulbus. Aber einer der Busse, die uns nach oder von Italien transportiert hatten, war etwas ganz besonderes, nämlich ein von Hundertwasser gestalteter Reisebus.

Im Herbst des gleichen Jahres wurden wir dann vom Reiseveranstalter zu einer After Summer Party nach Hamburg eingeladen. Dort konnte man sich seine Fotos gegenseitig zeigen, von den besten Reiseabenteuern berichten oder einfach nur Spaß haben. Und dieses Event fand natürlich nicht an irgendeinem beliebigen Ort statt, sondern in einem Café, das von Hundertwasser gestaltet worden war.

Im Februar 2014 habe ich mit dem Waldengel eine zehntägige Deutschland-Tournee gemacht. Ich habe ihm Rügen, Stralsund und den Harz gezeigt, und er hat mich mit Darmstadt und seiner Umgebung bekannt gemacht. Dort hat er nämlich zehn Jahre gewohnt, zuerst als Student und später als Doktorand und Mitarbeiter beim Herrn Fraunhofer. Und das erste, was er mir in Darmstadt gezeigt hat, war die Waldspirale. Die hat uns beiden sehr gefallen.

Inspiriert von einem richtig schönen Kinderbuch, das mein Enkel bereits in seinem wohl gefüllten Bücherregal hat, habe ich ihm nun zu Weihnachten auch ein Hundertwasser-Malbuch geschenkt. Jetzt hat er darin die erste Seite “ausgemalt”.

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Der Winterschneeball und die Weihnachtsbienen

Wahrscheinlich ist es inzwischen wahrscheinlicher, dass es zu Ostern Schneeschauer gibt als zu Weihnachten. Und dieses Jahr kommt es mir besonders mild vor mit ständig zweistelligen Temperaturen. Die große Schüssel mit dem Kartoffelsalat ist nicht länger sicher auf dem Balkon und im Winterschneeball auf dem Hof summen die Bienen.

Mit dem Enkelsohn im Schlepptau und der Kamera um den Hals spaziere ich in Eberswalde durch den Stadtpark. Diese beiden Begleiter sind im Moment wirklich der allerbeste Balsam für mein angeknackstes Seelchen… Zum Schluss bestaunen wir dann noch die Weihnachtsbienen auf unserem Hof. Mannomann, was für ein Nicht-Winter!

Gänseblümchen & Co – unser Weihnachtsspaziergang (alle Bilder)

Kognitive Defusion am heiligen Morgen

In der Nacht vor Weihnachten habe ich im Traum Benutzer auf unserer Datenbank eingerichtet. Später war ich Bergwandern und habe dabei Schachteln in irgendwelchen Steinhaufen versteckt. Bei den Bergen kann es sich gut und gerne um die Alpen gehandelt haben. Dass es trotzdem kein Alptraum war, ist schon ein ziemlicher Fortschritt, finde ich, denn in den letzten Monaten habe ich immer wieder gruselige Dinge geträumt. Oder es kamen richtig schöne Dinge vor, aber dann war dafür das Aufwachen eine schmerzhafte Ernüchterung.

In dem ACT-Buch von Russ Harris ist mir etwas bewusst und bestätigt worden, was ich schon ziemlich lange mache. Ich habe es immer “die Marsmännchen-Perspektive ” genannt. Dabei begibt sich ein Teil von mir auf eine Erdumlaufbahn und guckt mit Abstand auf das drauf, was mir gerade widerfährt. Ein bisschen Abstand und ein anderer Betrachtungswinkel helfen ja in vielen Fällen, einer Situation einen Teil ihrer Dramatik zu nehmen oder zu wild aufwallende Gefühle etwas zu dämpfen.

Bei der ACT-Therapie geht man sogar noch einen Schritt weiter. Hier guckt das Marsmännchen nicht nur auf die Situation von oben drauf, sondern vor allem auf die eigenen Gedanken. Gedanken, die man gerne für Fakten und “die Welt an sich” hält. Welche Gedanken tauchen immer wieder auf? Welche davon machen mir am meisten Kummer? Welche halten mich immer wieder davon ab, das Hier und Jetzt zu erleben? Das eigentlich Schwierige dabei ist nicht, ein Marsmännchen zu sein, sondern ein Marsmännchen zu werden, denn oft sind wir so verstrickt in unseren eigenen Gedanken, dass wir den Sprung auf die Erdumlaufbahn gar nicht schaffen. In der ACT-Therapie heißt dieser Sprung “kognitive Defusion”.

Eine kurze Beschreibung von ACT als achtsamkeitsbasierte Therapieform gibt es auf dieser Webseite. Und wer selbst in einer schwierigen und schmerzhaften Lebenssituation gelandet ist, dem empfehle ich dieses Buch hier. Mir hat es wirklich sehr geholfen!

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The road is now calling…

Und da ward es plötzlich zugeschlagen, eines meiner Lebensbücher, ja, ganz sicher mein allerschönstes und intensivstes überhaupt. Grausam und ohne mit der Wimper zu zucken hat das Schicksal einfach gesagt “Wenn’s am schönsten ist, soll man aufhören…” Ich war natürlich maßlos empört und überhaupt kein bisschen einverstanden! Aber das Schicksal lässt sich nicht bestechen. Wenn es sich was vorgenommen hat, dann zieht es das auch durch, unerbittlich und ohne darauf Rücksicht zu nehmen, dass wir doch noch sooo vieeel vorhatten!

Und auch wenn es nicht besonders dick war, so gab es doch viele wunderbare Kapitel in diesem Lebensbuch – und ein Happy End wäre keinesfalls fehl am Platze gewesen. Oh, nein! Aber der Schluss war dann leider sehr traurig und voller Tränen und Abschiede. Ein verzweifelter Kampf ging zu Ende gegen einen übermächtigen bösen Drachen, der sich auch von wahrem Heldenmut und einem ganzen Heer tapferer Gefährten nicht besiegen ließ.

Ja, es waren schwere Monate, eine Achterbahn aus Hoffnung und Verzweiflung, aber wir haben auch phantastische Menschen getroffen, die uns in dieser Zeit begleitet und unterstützt haben. Und es ist mir tatsächlich gelungen, immer wieder Mut und Zuversicht zu tanken, vor allem bei Russ Harris, aber auch bei Tolkien, denn genau wie die Helden in seinen Büchern habe ich viel gelernt in diesen Monaten, aber diese Lektionen waren die schmerzhaftesten meines Lebens.

Denn das wunderbare Lebensbuch ist letztendlich dann doch zugeklappt, und der liebe Waldengel ist in meinen Armen gestorben, nachdem die für mich furchtbarste aller Krankheiten schließlich doch die Übermacht gewonnen hatte – nicht mal ein halbes Jahr, nachdem wir von ihr erfahren hatten. Was für eine Tragik, was für ein Verlust! Und was für eine verdammt ungerechtes Schicksal! So richtig begreifen werde ich das wahrscheinlich nie. Akzeptieren irgendwann schon, aber kapieren… Neee!

Und nun bin ich also wieder auf dem Weg. Einfach so weitermachen wie bisher, aber ohne meinen Waldengel, das kann ich mir überhaupt nicht vorstellen. Außerdem hat mich das Schicksal zu allem Überfluss auch noch von Arbeit und Wohnraum befreit. Eine Situation, die man entweder als Katastrophe oder aber auch als Chance interpretieren kann. Ich habe mich nach etlichen Wochen mit schlimmen Gedanken schließlich doch für letzteres entschieden.

Denn auch wenn es jetzt erstmal so aussieht, als hätte ich tatsächlich alles verloren, so ist mein Lebensmut doch immer noch bei mir und vieles andere auch. Dinge, die mir keiner nehmen kann. Außerdem würde der Waldengel nicht wollen, dass ich jetzt nur traurig, verzweifelt und mutlos bin. Denn wer weiß, wo er jetzt ist und auf mich runterguckt… Ganz sicher nicht auf einer Wolke. Die sind viel zu weit weg und da oben ist es furchtbar kalt. Aber manchmal habe ich die kleinen Vögel im Verdacht. Denn die hat er geliebt!

Mach’s gut, du… Irgendwo und irgendwann sehen wir uns wieder! Ganz bestimmt!