Ick bün all hier!

Letzten Freitag auf dem Weg zur Sauna habe ich im Wald ein Vogelei gefunden. Es hatte die gleiche Farbe wie mein Bademantel – und wir haben sehr gestaunt.

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Verzage nicht, mein Herz!
Das Ei kann Federn kriegen
und aus der engen Schale
empor zum Himmel fliegen.
(Friedrich Rückert)

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Am Tag danach bin ich nach Göteborg gefahren, um dort die Fähre nach Kiel zu nehmen. Inzwischen bin ich in Berlin, und ich weiß noch nicht wie lange. Manchmal nehmen die Dinge plötzlich eine schnelle Wendung, und dann ist es gut, wenn man flexibel ist.

Die letzten Wochen sind irgendwie so schnell vergangen, und ich war kaum am Rechner. Wir hatten so wunderbare WWOOFer auf unserem Hof, und überall war so viel zu tun. Aber nun habe ich doch noch ein Album mit all den Bildern der letzten Wochen zusammengestellt. (Jedes Bild hat einen kleinen Text, der manchmal zu sehen ist und manchmal nicht.)

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Aprilwetter – mitten im Leben (alle Bilder)

Hier in Berlin ist alles voller grüner Bäume, Menschen und Baustellen. Für mich als Landei beinahe ein Kulturschock. Aber dann findet man doch ruhige Oasen in all dem Trubel. Und das ist gut.

Zeit der Kraniche

Da habe ich im Januar und Februar wohl doch ein bisschen zuviel Zeit in Küche und Café verbracht. Aber ich war so inspiriert nach meinem Aufenthalt in den Alpen, dass ich das Gärtnern und das “Kunden verwöhnen” irgendwie verbinden wollte. Geht aber jetzt nicht mehr. Denn nun bin ich fast hundertprozentig wieder Gärtnerin. Backe nur noch einmal die Woche Roggenbrötchen und am Wochenende dann die Waffeln, manchmal auch einen leckeren Zupf- oder Mohn-Quark-Kuchen.

Denn jetzt ist plötzlich sooo viel zu tun mit den/m Pflanzen überall: im Keller, wo immer noch der Paprika, der Chili und die Tomaten und Gurken wohnen, als Schulkinder also, denn alle müssen mindestens einmal umgeschult werden. Und weil wir dieses Jahr so gut wie keine Babypflanzen verloren haben, ist das eine Menge Arbeit. Die fünf Gewächshäuser haben wir inzwischen auch schon gut gefüllt, und heute habe ich die erste Petersilie nach draußen in die Hochbeete verpflanzt. Dann sprießt nun gerade der Bärlauch irgendwie überall. Den können wir jetzt schon ganz bald ernten und in die Bioläden der Stadt liefern.

Die letzten beiden Wochen hatte ich Hilfe von einer deutschen WWOOFerin, und am Samstag kam ein sehr nettes Pärchen aus Frankreich hier an – das bedeutet: Ich habe endlich mal wieder jemanden hier im Haus, der richtig gut kochen kann. Oh, das tut gut! Nach drei Monaten mit dem Kochmuffel Åke an meiner Seite und eher kurzen Intermezzi von eher wenig in der Küche engagierten jungen Leuten. Nun leben wir wie “Gott in Frankreich” – und ich genieße jede dieser mit Liebe und Phantasie gekochten Mahlzeiten sehr.

Ansonsten bin ich auch in meiner eher knapp bemessenen Freizeit hier gut in die Geschehnisse in unserem alternativen Dorf eingebunden. Am Sonntag vor einer Woche hatten wir eine Ideenkonferenz, wo wir mehrere neue Projekte ins Leben gerufen haben. Jetzt gehe ich immer mal wieder trommeln, tausche Erfahrungen über essbare Wildpflanzen aus und bin außerdem in der Garten- und der Fahrradgruppe. Dann gibt es regelmäßige Filmabende, entweder hier bei mir im “Wohnzimmer” oder bei einer Nachbarin, wo ich in den letzten Wochen diese Perlen entdeckt habe – alle absolut empfehlenswert:

DemainBaikonurEskil och Trinidad

Kurzum: Es geht mir total gut mit all der Arbeit, den jungen Leuten, den Projekten – und der nun endlich wieder grünenden Natur rundherum.

Pulverschnee & La dolce vita

Also diese Woche in den Bergen… Du lieber (siebter) Himmel! Dort liegt immer noch ein ganzer Meter Schnee und trotzdem gab es Sonne satt, und zwar nicht eine kühle und schüchterne Wintersonne, sondern eine warme Frühlingssonne von morgens um sieben bis abends um sechs. Da kann man wirklich viele Stunden im Freien verbringen. Und das haben wir natürlich auch gemacht. Denn ich hatte mir außerdem ein Paar richtig moderne Langlaufskier gemietet, so dass mir auch in den Loipen regelmäßig Flügel gewachsen sind.

Und weil man vom Skilaufen schön hungrig wird, haben wir’s uns auch immer beim Apres Ski richtig gutgehen lassen: ausgesuchten Käse, guten Fisch, bunte Weine und leckere Desserts. Puh, jetzt muss ich erstmal in den Alltag zurückfinden…

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Feste feiern

An Fastnacht gibt es in Schweden keine Karnevalsumzüge oder ähnlichen Trubel, an Fastnacht werden hier die Fastlagsbullar gegessen, mehr bekannt als Semlor. Ich habe am Dienstag also für unser Café auch welche gebacken, mit weniger Zucker und mit Dinkelvollkorn- anstelle von Weizenauszugsmehl. Die sind gut weggegangen.

Fasching hatten wir aber trotzdem, allerdings schon Anfang Februar. Eine Künstlerin hier aus der Community hatte in ihr großes Haus mit Atelier eingeladen. Dieses Winterfest mit Verkleidung stand unter dem Thema “pARTy – nach allen Regeln der Kunst“. Man musste sich dazu anmelden, und nach 60 Anmeldungen war Anmeldeschluss. Außerdem sollte jeder etwas kochen oder backen und vorher mitteilen, ob süß oder salzig. Ich habe zwei Brote gebacken, von denen nachher kein Krümelchen mehr übrig war. Das Fest war für mich außerdem eine gute Gelegenheit, noch mehr Leute hier aus der Gegend kennenzulernen. Bis nachts um eins haben wir Spaß gehabt und getanzt. Verkleidet war ich zwar nicht so richtig, aber ich hatte immerhin 4 Paar fröhliche Socken irgendwie an mir installiert. Die hatte ich zu Weihnachten von der Schwiegermutter meiner Tochter bekommen. Sehr lustig, denn diese Socken wurden in Schweden designed!

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Dann hat sich diese Woche auch noch meine Ankunft hier in Svenshögen zum ersten Male gejährt, etwas, das natürlich kräftig gefeiert werden musste. Als ich Åke daran erinnert habe, meinte er, dass es ihm schon viel länger vorkäme, und mir geht es genauso. Zur Feier des Tages habe ich sogar den Käse angeschnitten, den ich aus den Alpen mitgebracht hatte, also meinen ganz eigenen Heumilchkäse. Der kam Ende November auf die Welt, wurde dann hier Anfang des Jahres von mir mit Rotschmiere-Bakterien geimpft und durfte dann ungefähr zwei Monate reifen. Er hat nun eine gute, kräftige Note, ist allerdings nicht so cremig wie andere Käsesorten mit diesem Geschmack. Gelobt wurde er trotzdem von all meinen Gästen, und ich bin tatsächlich erstaunt und begeistert, wie einfach die Käseherstellung letztendlich war. Das muss ich unbedingt noch einmal probieren!

Nach diesen acht 6-Tage-Wochen habe ich mir nun eine kleine Auszeit verdient, finde ich. Und so sitze ich mal wieder in einem Fernbus, der mich nach Norden bringt. Dorthin, wo richtiger Winter ist…

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Sälen, Lindvallen (vor zwei Tagen von Radka geknipst)

Wortspiele im Souterrain

Eine meiner Lieblingsbeschäftigungen ist das Umpflanzen (Transplantieren!) von ganz jungem Gemüse. Während der letzten Woche waren das ungefähr 200 Paprika-Pflanzen. Die hatten wir Anfang des Jahres in so grüne Schachteln gesät, immer 12 Stück in eine Schachtel. Nun waren sie inzwischen groß genug, so dass jedes Pflänzchen ein eigenes Zuhause bekommen konnte. Ach, ich liebe es! Dabei kann ich Zeit und Raum (fensterloser Keller mit lila Pflanzenlicht) total vergessen…

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Meine Umschüler vor der Umschulung…

Lustig ist, dass diese Tätigkeit auf Schwedisch “Umschulen” heißt. Da habe ich es also wieder mal mit Umschülern zu tun. Aber meine jetzigen sind viel leichter zu handhaben als meine damaligen. Obwohl ich es auch damals gern gemacht habe.

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… und danach.

Multikulti-Sonntag

Seit einer guten Woche bin ich auch nicht mehr allein in unserem Wwoofer-Haus. Zuerst kam ein Pharao-Jüngling (22) aus Ägypten hier an, und ein paar Tage später ein junger Mexikaner (21). Der eine lang und stark und überaus rede- und sprachbegabt, der andere eher still, aber sehr belesen und vollkommen verrückt nach Skandinavien. Der Pharao ist inzwischen schon wieder abgereist, und also habe ich gestern nur den Mexikaner auf’s Glatteis geführt – ich habe ihn nämlich einfach zum Eislaufen mitgenommen. Das war für ihn das allererste Mal im Leben, und wir hatten zusammen viel Spaß, hihi!

Am Nachmittag war ich gestern zuerst bei Herrn Möwe, habe wie immer für ihn eingekauft und ein bisschen bei der Administration geholfen. Dann sind wir zusammen in ein Restaurant in der Stadt gefahren und haben schwedische Hausmannskost und französischen Nachtisch gegessen sowie französischen Wein getrunken. Hhhmm, lecker!

Danach hatten wir Konzertkarten – für das Freiburger Barockorchester. Dieses exzellente Orchester haben wir schon mehrmals gemeinsam genossen – und es ist immer wieder wunderbar. Gestern standen die Stimme von Matthias Goerne und die Barockoboe von Katharina Arfken im Mittelpunkt. Besonders haben mir das Doppelkonzert von Bach und seine Kantate Ich habe genug gefallen.

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Monduntergang kurz vor Sonnenaufgang

Mobilis in mobili

Winter-Alltag: Um sieben klingelt der Wecker. Halb acht mache ich Yoga mit ein paar Nachbarinnen in meinem Wohnzimmer. Inzwischen von Anfang an bei Tageslicht! Endlich! Halb neun gibt es Frühstück. Von neun bis ungefähr elf bin ich im Keller. Dort feuere ich den großen Holzofen für die Heizung und das Warmwasser, ich fülle Anzuchtpaletten mit Erde, säe Gemüse, Blumen und Kräuter, gieße vorsichtig die Baby-Pflänzchen und topfe sie irgendwann um in größere Behälter, wenn sie schön gewachsen sind.

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Morgen-Yoga in meinem “Wohnzimmer”

Dann wird gebacken und irgendein vegetarisches Mittagessen zubereitet, sodass wir essen können, bevor der Hofladen und das Café aufmachen. Jeden zweiten Tag backe ich Roggenbrötchen und an den Tagen dazwischen irgendwas Süßes für die Leute, die zum Kaffee- oder Teetrinken kommen. Von eins bis sechs hüte ich den Hofladen und das Café und mache nebenbei alles mögliche andere. Diese Woche war das vor allem die Buchhaltung für den Hof, denn morgen ist Deadline für die dreimonatliche Steuererklärung. Dann müssen regelmäßig Rechnungen geschrieben werden oder anderer Bürokram.

Gern wurschtele ich auch draußen herum, am Nachmittag, bevor die Sonne untergeht. Aber noch ist dort nicht so viel zu tun. Und also fehlt mir eigentlich ein bisschen Bewegung. Deshalb habe ich mir eine Jahreskarte für die nächstgelegene Schwimmhalle gekauft, wo ich nun mindestens einmal in der Woche lange schwimmen gehe. Mit Studentenausweis hat diese Jahreskarte nur 600 kr, also umgerechnet gut 60 Euro gekostet. Das ist ein prima Preis, finde ich. Denn hier in Schweden ist in allen Schwimmhallen auch eine Sauna, die man ohne Aufpreis mitbenutzen darf.

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Und also gehe ich nun jede Woche zweimal in die Sauna, mittwochs in der Schwimmhalle und freitags hier unten am See. In unserer Heimatsauna bin ich inzwischen zum Heizer aufgestiegen. Alle zwei bis drei Wochen mache ich dort Feuer, bis es so richtig heiß ist. Das macht Spaß!

Jeden Sonntag fahre ich außerdem in die große Stadt, wo ich einen halben Tag mit Herrn Möwe verbringe – und im Anschluss noch eine Stunde in einer großen Eishalle Schlittschuh laufe. Diese Eishalle ist am Sonntagabend immer relativ leer, was ich sehr genieße. So kriege ich schließlich doch noch ausreichend Bewegung, obwohl ich im Moment nur wenig draußen arbeiten kann. Aber nun freue ich mich schon auf die Zeit, wo man auch abends nach der Arbeit noch in der Gegend herumspazieren kann, ohne Stirnlampe oder Vollmond…