Seenswürdigkeiten

Die Eiszeit hat das Wald- und Wasser-Land nordöstlich von Berlin gemacht – mit ihren sanften Hügeln, den vielen Seen, den manchmal sogar schroffen Endmoränen und den wasserreichen Urstromtälern. Sand gibt es zuhauf und der Geruch in den trockenen Kiefernwäldern ist der Geruch meiner Kindheit. Denn das Wald- und Wasser-Land nordöstlich von Berlin, das hat mich gemacht, es hat mich an die Hand genommen, mir die Augen für die Schönheit der kleinen Dinge geöffnet und mir so viel Gelassenheit und einfache, kindliche Fröhlichkeit in die Seele gepflanzt, dass diese mich das ganze Leben bisher nie im Stich ließen.

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Die großen Seen meiner Kindheit heißen Werbellin– und Parsteiner See. Ihr Wasser ist klar und die Bäume an ihren Ufern sind zum Teil sehr alt. Immer wieder bin ich im Laufe meines Lebens zu ihnen zurückgekehrt. Sie vermitteln Beständigkeit im Trubel unseres ansonsten so schnellebigen Alltags. Wenn sich Dinge ändern oder einfach verschwinden, kann man sich quasi auf sie verlassen. Gewiss ist es an ihren Ufern teilweise ein bisschen schnieker geworden und die Segelboote sind luxuriöser, aber das Grün der Bäume und der Gesang der Wasservögel ändert sich nicht.

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Ich habe sie beide wieder besucht in den letzten beiden Wochen. Mit der Eisenbahn, zu Fuß und mit dem Fahrrad. Habe mir viel Zeit genommen, habe verweilt und geguckt. Und weil es so warm war, habe ich natürlich auch gebadet. Dass es unseren alten FKK-Zeltplatz bei Herzsprung immer noch gibt, hat mich dabei sehr erfreut.

In alten Fotos habe ich auch gestöbert. Als ich noch sehr lütt war, sind wir mit dem Motorboot von Schwedt bis in den Werbellin gefahren und haben dort gezeltet. An manches kann ich mich sogar noch erinnern: vor allem die Passage unseres kleinen Bootes durch das riesige Schiffshebewerk!

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Von Wasserstraßen und Schiffsfahrstühlen

Ist man wie ich in Schwedt und Frankfurt (Oder) aufgewachsen, war dann auch noch Lehrling in Eberswalde und hatte zudem einen vom Wassersport begeisterten Herrn Papa – so ist es nicht verwunderlich, dass man sich immer wieder hingezogen fühlt zu den Flüssen und Wasserstraßen dieser Region. Das Land hier ist sozusagen blaublütig, durchkreuzt von diversen Wasseradern, und man tritt gerne immer wieder an eines der Ufer, um seinen Puls fühlen.

Aber weil die liebe Eiszeit hier auch noch allerlei mit der Landschaft angestellt hat, so musste man in die künstlichen Wasseradern jede Menge künstlicher Venenklappen einbauen, Schleusen also, ja, bis hin zu ganzen Schleusentreppen. Und weil der Transport durch eine Schleusentreppe ziemlich viel Zeit kostet, und weil Zeit oft Geld ist, so haben tüchtige deutsche Ingenieure schon ganz früh mit einem richtigen Schiffsfahrstuhl geliebäugelt. Zunächst kam ihnen jedoch der erste Weltkrieg dazwischen. Noch vor der Machtübernahme der Nazis wurde der große Schiffsfahrstuhl dann aber wirklich fertig – und dass er den zweiten Weltkrieg ganz unbeschadet überstanden hat, das grenzt schon an ein Wunder.

Ich habe den Schiffsfahrstuhl schon viele Male in ganz unterschiedlichen Zusammenhängen besucht. An die Jungfernfahrt im Motorboot meiner Eltern kann ich mich allerdings nicht mehr erinnern. Das ist schade. Ich glaube, wir waren auf dem Weg zu einem Zeltplatz am Werbellinsee (mein Enkelsohn sagt immer Air-Berlin-See) und wir wurden tatsächlich zweimal in der großen Wanne die 36 m rauf und dann auch wieder runter transportiert.

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Mit den Kindern am Schiffshebewerk (Okt 2001)

Nachdem mein letzter Besuch inzwischen beinahe 15 Jahre her ist, habe ich mir nun endlich mal das Töchterlein mitsamt dem Enkel geschnappt und bin mit ihnen hingefahren. Der Junge war begeistert – und ich war auch sehr erstaunt, denn in der Zwischenzeit haben sie heimlich mit dem Bau eines ganz neuen Schiffsfahrstuhls begonnen. Außerdem gibt es nun ein Besucherzentrum mit vielen gut präsentierten extra Infos. Das war wirklich eine schöne Überraschung.

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Unser Ausflug zum Schiffshebewerk am 28. Dezember (alle Bilder)