Multikulti-Sonntag

Seit einer guten Woche bin ich auch nicht mehr allein in unserem Wwoofer-Haus. Zuerst kam ein Pharao-Jüngling (22) aus Ägypten hier an, und ein paar Tage später ein junger Mexikaner (21). Der eine lang und stark und überaus rede- und sprachbegabt, der andere eher still, aber sehr belesen und vollkommen verrückt nach Skandinavien. Der Pharao ist inzwischen schon wieder abgereist, und also habe ich gestern nur den Mexikaner auf’s Glatteis geführt – ich habe ihn nämlich einfach zum Eislaufen mitgenommen. Das war für ihn das allererste Mal im Leben, und wir hatten zusammen viel Spaß, hihi!

Am Nachmittag war ich gestern zuerst bei Herrn Möwe, habe wie immer für ihn eingekauft und ein bisschen bei der Administration geholfen. Dann sind wir zusammen in ein Restaurant in der Stadt gefahren und haben schwedische Hausmannskost und französischen Nachtisch gegessen sowie französischen Wein getrunken. Hhhmm, lecker!

Danach hatten wir Konzertkarten – für das Freiburger Barockorchester. Dieses exzellente Orchester haben wir schon mehrmals gemeinsam genossen – und es ist immer wieder wunderbar. Gestern standen die Stimme von Matthias Goerne und die Barockoboe von Katharina Arfken im Mittelpunkt. Besonders haben mir das Doppelkonzert von Bach und seine Kantate Ich habe genug gefallen.

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Monduntergang kurz vor Sonnenaufgang
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Mobilis in mobili

Winter-Alltag: Um sieben klingelt der Wecker. Halb acht mache ich Yoga mit ein paar Nachbarinnen in meinem Wohnzimmer. Inzwischen von Anfang an bei Tageslicht! Endlich! Halb neun gibt es Frühstück. Von neun bis ungefähr elf bin ich im Keller. Dort feuere ich den großen Holzofen für die Heizung und das Warmwasser, ich fülle Anzuchtpaletten mit Erde, säe Gemüse, Blumen und Kräuter, gieße vorsichtig die Baby-Pflänzchen und topfe sie irgendwann um in größere Behälter, wenn sie schön gewachsen sind.

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Morgen-Yoga in meinem “Wohnzimmer”

Dann wird gebacken und irgendein vegetarisches Mittagessen zubereitet, sodass wir essen können, bevor der Hofladen und das Café aufmachen. Jeden zweiten Tag backe ich Roggenbrötchen und an den Tagen dazwischen irgendwas Süßes für die Leute, die zum Kaffee- oder Teetrinken kommen. Von eins bis sechs hüte ich den Hofladen und das Café und mache nebenbei alles mögliche andere. Diese Woche war das vor allem die Buchhaltung für den Hof, denn morgen ist Deadline für die dreimonatliche Steuererklärung. Dann müssen regelmäßig Rechnungen geschrieben werden oder anderer Bürokram.

Gern wurschtele ich auch draußen herum, am Nachmittag, bevor die Sonne untergeht. Aber noch ist dort nicht so viel zu tun. Und also fehlt mir eigentlich ein bisschen Bewegung. Deshalb habe ich mir eine Jahreskarte für die nächstgelegene Schwimmhalle gekauft, wo ich nun mindestens einmal in der Woche lange schwimmen gehe. Mit Studentenausweis hat diese Jahreskarte nur 600 kr, also umgerechnet gut 60 Euro gekostet. Das ist ein prima Preis, finde ich. Denn hier in Schweden ist in allen Schwimmhallen auch eine Sauna, die man ohne Aufpreis mitbenutzen darf.

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Und also gehe ich nun jede Woche zweimal in die Sauna, mittwochs in der Schwimmhalle und freitags hier unten am See. In unserer Heimatsauna bin ich inzwischen zum Heizer aufgestiegen. Alle zwei bis drei Wochen mache ich dort Feuer, bis es so richtig heiß ist. Das macht Spaß!

Jeden Sonntag fahre ich außerdem in die große Stadt, wo ich einen halben Tag mit Herrn Möwe verbringe – und im Anschluss noch eine Stunde in einer großen Eishalle Schlittschuh laufe. Diese Eishalle ist am Sonntagabend immer relativ leer, was ich sehr genieße. So kriege ich schließlich doch noch ausreichend Bewegung, obwohl ich im Moment nur wenig draußen arbeiten kann. Aber nun freue ich mich schon auf die Zeit, wo man auch abends nach der Arbeit noch in der Gegend herumspazieren kann, ohne Stirnlampe oder Vollmond…