Giant!

Die gute Nachricht: Hurra! Mein Sohn wird Polarforscher! Am Donnerstag hat er sich von Alfred Wegener anheuern lassen, Permafrost-Daten aus Sibirien und von Spitzbergen auswerten zu helfen. Und weil da immer mal wieder ein Renntier den Zaun um eine der Messtationen umrennt, kann es sein, dass er dann mal hingeschickt wird, um den Zaun wieder hinzustellen. Wow! Was für ein Abenteuer!

Die weniger gute Nachricht: Also Leute, vergesst alles, was so im Fernsehen gesendet wird an Hiobsbotschaften. Die wirkliche Gefahr lauert ganz woanders… Riesenkürbisse! Wenn ich es nicht selbst erlebt hätte, würde ich es echt nicht glauben: Was innerhalb von nur wenigen Monaten aus einem einzigen kleinen Kürbiskern werden kann! Hätten wir hier einen gewöhnlichen Schrebergarten, dann wäre der jetzt vollkommen überwuchert. Ich hatte im Frühsommer in meiner Einfalt ein Reihe von Rotkohlpflanzen zwischen die Kürbis-Setzlinge gesetzt. Wegen der Farbmischung, dachte ich. Von diesem Rotkohl ist überhaupt gar keine Spur mehr. Und dann diese Monster-Kürbisse! Bin mal gespannt, wie wir die nachher ernten wollen. Da braucht man ja einen Kran!

Ansonsten bin ich hier inzwischen wieder gut geerdet nach dem Sommerurlaub und der Auszeit beim Amöbengletscher. Da ich jetzt nebenbei auch wieder was studiere, ist irgendwie gar nicht mehr soviel Zeit, nach der Arbeit einfach nur so rumzuhängen oder ausgiebig regelmäßig zu bloggen… Da muss man eben früher aufstehen, um den Tag ordentlich auszunutzen. Denn die Knipserei will ich nicht vernachlässigen. Heute war so ein Morgen mit nebligen Schleiern über dem See, weil die Luft morgens jetzt kälter ist als das Wasser. Zwar nicht ganz so mystisch wie damals im Wald mit dem Waldengel, aber dafür mit einer größeren Aussicht. Habe ich schon erwähnt, dass ich mich hier pudelwohl fühle?

 

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Köpfchen, Köpfchen!

Wenn ich aus Versehen oder weil es nicht zu vermeiden ist, mal wieder in eines dieser großen Einkaufszentrum gerate, und dann all die jungen Menschen sehe, Smartphone- und einkaufssüchtig, in Gruppen bei McDoof herumlungernd, oder lärmend, weil Wochenend-betrunken, dann frage ich mich manchmal, wie diese Generation wohl mit all den Fragen umgehen wird, die unserer Menschheit gerade so unter den Nägeln brennen – und ich habe nicht immer ein richtig gutes Gefühl…

Aber zum Glück tauchen irgendwie auch regelmäßig junge Leute in meinem Leben auf, die mich eines Besseren belehren, und dann klappt es doch ganz gut mit der Zuversicht. Seit ein paar Tagen haben wir hier zwei neue WWOOFerinnen auf dem Hof. Beide sind Schwedinnen und im Alter meines Sohnes, also Mitte zwanzig. Die eine hat schon einen Master in Lebensmitteltechnologie und möchte nun mal erleben, wie das mit dem nicht-industriellen Gemüse so funktioniert. Die andere ist mehr von der Aussteiger-Sorte und außerdem ein Pferdemädchen. Sie will irgendwann mal einen eigenen Hof haben und sich dann mit Obst und Gemüse selbst versorgen.

Beide sind sehr wissbegierig und weil ich nun von Åke als so eine Art Halbleiter vorgeschoben wurde, habe ich sie den ganzen Tag unter meinen Fittichen. Ich verteile die Arbeit, erkläre alles und beantworte eine Menge kluger Fragen. Ja, wenn ich es selbst schon weiß. Aber es ist interessant, wieviel ich ihnen tatsächlich schon voraus bin, obwohl ich erst seit Anfang März mit dem jungen Gemüse zu tun habe.

Vorhin bei einem Abendspaziergang habe ich ihnen das Freiland gezeigt, wo aus unserem jungen Gemüse immer das erwachsene Gemüse wird. Und sie waren sehr beeindruckt! Ich übrigens auch. Denn aus den 5 x 96 Salat-Samen, die ich am 19. März in die Aussaat-Paletten gestopft hatte, und die ich dann als Salat-Babies am ersten sommerlich warmen Samstag des Jahres ins Freiland gepflanzt hatte, sind mittlerweile richtige Salatköpfe geworden. Und gut sehen sie aus! Wow! Ich war irgendwie ganz gerührt…

Jawoll! Gleich morgen früh zeige ich den Mädels, wie man Salatsamen in Aussaat-Paletten stopft – damit die beiden dann in knapp drei Monaten ihre eigenen Salatköpfe in der großen Stadt im Bioladen einkaufen können. 😉

Sonnenbrand

Ich finde, jedes Kind sollte ein Instrument spielen lernen, jeder Jugendliche sollte ein Handwerk lernen – und jeder junge Erwachsene sollte gezwungen sein, einmal eine Saison lang sein Gemüse selbst anzubauen. Auf jeden Fall einmal einen Monat auf einem Gemüsehof mithelfen. Oder wenigstens am ersten richtigen Sommertag des Jahres 500 kleine Salatpflanzen ins Freiland setzen. Dann bekommt man nämlich ein ganz anderes Verhältnis zu seinem Essen. Und zu den Lebensmittelpreisen…

Ich bin echt froh, dass ich als WWOOFer bei Åke gelandet bin und nicht bei seinem Nachbarn Gert. Denn Åke macht ja vor allem die Jungpflanzenaufzucht, und alles, was er anbaut, das befindet sich in einem der über 100 Hochbeete. Hochbeete sind was für Leute in meinem Alter und aufwärts. Bei Gert gibt es keine Hochbeete, denn er hat jetzt das Freiland, das Åke noch bis vor einigen Jahren bewirtschaftet hat. Man sieht es auf vielen Bildern auf seiner Internetseite.

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Keris Tageswerk

Weil Gert vorigen Monat einmal mit der Biokisten-Lieferung ausgeholfen hat, als Åke krank war, hatte er noch was gut bei uns – und so habe ich heute dafür bei ihm auf dem Freiland gearbeitet. Wie gesagt, 500 kleine Salatpflanzen mussten raus in die Erde. Das war anstrengend und ungewohnt. Außerdem waren es 20 Grad im Schatten und die liebe Sonne hat den ganzen Tag fröhlich vom Himmel auf mich runtergebrutzelt. Am Ende des Tages war ich sonnenverbrannt, verschwitzt und überall voller Erde. Außerdem kreuzlahm und mit schmerzenden Knien.

Also Leute, wenn ihr demnächst wieder Salat kauft und findet, dass 50 Cent zu teuer sind, weil ihr den für 35 Cent bei ALDI gesehen habt, dann denkt bitte an all die fleißigen Bauern, die dafür in der schönsten Sommerfrische den ganzen Tag auf den Knien herumrutschen müssen, und für die so ein langes Wochenende einfach nicht drin ist, weil gerade jetzt unheimlich viel zu tun ist. Ich finde inzwischen: Ein Salatkopf, der weniger als einen Euro kostet, ist echt eine Schande!

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Kaputte Schlange

Freilich hat der Sommer viele Vorteile: Wärme und lange Tage zum Beispiel. Aber es gibt auch Nachteile: Mücken, Zecken – und Kreuzottern. Heute haben die beiden schwarzen Katzen eine angeschleppt und Åke sagt, dass es hier in unseren “Rocky Mountains” ziemlich viele gibt. Wir sollen beim wilde Blätter pflücken jetzt immer ein bisschen aufpassen und unsere nackten Hände auch nicht einfach in irgendwelche Felsspalten stecken. Aber das habe ich ja schon beim Geocaching gelernt.

Vielfalt statt Einfalt

Seit der junge Argentinier hier zu unserem kleinen Kosmos gehört, ist dieser noch bunter und lustiger geworden. Der junge Mann ist schwul, kreativ, musikalisch, irgendwie weiblicher als ich – und vor allem an der Küchenfront unschlagbar.
Gerne gebe ich also den Löffel ab und mache dafür lieber draußen die Männerarbeit. Auch Tingting mag unseren neuen Mitbewohner sehr, und in der Küche hecken die beiden immer wieder Sachen aus, die nicht nur total lecker schmecken, sondern auch herrlich aussehen. Und dann haben wir sie gestern doch tatsächlich beim Marshmallow-Grillen erwischt. Åke hat geschimpft… wie ein Kesselflicker (sic!) Aber das war nur aus Spaß.

Die beiden letzten Sonntage hatte Åke außerdem mehr als 20 wissbegierige Kursteilnehmer hier auf dem Hof. Einmal ging es um ökologischen Gemüseanbau und einmal um Raw Food. Ich durfte beide Male teilnehmen.

Hurra! Es frühlingt!

Seit gestern sind es tagsüber plötzlich 10 Grad, und in der Sonne fühlt es sich richtig warm an. Ich schaufle Pferdeäpfel und bin nur im T-Shirt. Bei so einem Wetter arbeite ich bloß morgens und abends ein Stündchen in diesem komischen Kunstlicht beim Mini-Gemüse im Keller, den Rest des Tages bitte ich um draußen-Aufgaben. Und die gibt es zum Glück auch zur Genüge. In drei Gewächshäusern habe ich gestern die Erde mit Pferdemist verbessert. Und heute habe ich die Rabatten um das Haus schick gemacht. Lauter altes Zeugs vom letzten Jahr abgeschnitten und das Eichenlaub weggeharkt, das immer erst so spät von den Bäumen fällt. Und plötzlich sind da lauter kleine grüne Überraschungen zum Vorschein gekommen.

Ja, und wenn es mir in den Sinn kommt, dann gehe ich einfach ein bisschen hierhin und ein bisschen dorthin, denn hier und dort und überall gibt es jetzt was zu gucken…