Kleivabrua

Eines macht mich immer wieder staunend und überwältigt: wie aus einer Idee, die sich in einem Kopf befindet, etwas Wirkliches in der Wirklichkeit entsteht. Das ist eines der größten Wunder in unserem Leben, finde ich. Es kann sich um so etwas Gewaltiges wie den Bau einer Steinbrücke über eine Schlucht handeln oder um etwas eher Bescheidenes wie das Planen und Durchführen einer Reise.

Als ich vor einigen Monaten das Buch über die Brückenbauer gelesen habe, ist in meinem Kopf gleichzeitig die Idee gewachsen, eine Reise zu diesen Brücken zu machen, um sie in der Realität anzuschauen, diese Wunderwerke, eingebettet in die karge nordische Gebirgslandschaft. Und diese Reise ist vor ein paar Wochen Wirklichkeit geworden.

Ein paar historische Aufnahmen vom Bau der Brücke gibt es hier.

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Regenbogentag

In dem schlauen Buch über die Schlüssel und Zeichen in der Natur steht, dass man im Sommer einen Regenbogen normalerweise nicht mitten am Tag sehen kann, weil dann die Sonne zu hoch am Himmel steht. Als Faustregel gilt: Wenn dein Schatten kürzer ist als deine Körpergröße, dann wirst du keinen Regenbogen sehen.

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Man kann diese Regel allerdings ein bisschen austricksen, wenn man auf einen hohen Berg steigt. Im Gebirge kann man nämlich einen Regenbogen auch mitten am Tag sehen, wenn die Sonne eigentlich zu hoch steht. Dann ist der Regenbogen im Tal – und oft auch soweit weg, dass man ihn gut in seiner ganzen Schönheit fotografieren kann. Hier ist ein Bild, wo dieser Effekt überdeutlich wird.

Am 11. September, also genau ein Jahr nachdem aus dem Waldengel ein richtiger Engel wurde, bin ich auf einen hohen Berg gestiegen, um auf dem Gipfel eine Kerze für ihn anzuzünden. Das war freilich eine ziemlich bescheuerte Idee, weil es dort oben auf der Hardangervidda eigentlich niemals windstill ist, und auf einem hohen Berg schon gar nicht. Genauer gesagt: Es war mehr oder weniger stürmisch, als ich den Gipfel stürmte. Ein gar nicht stürmischer Gipfelstürmer im stürmenden Sturm…

Dieser Wind hat mir dann aber etwas anderes geschenkt: nämlich stürmende Wolken, immer mal wieder einen Schauer – und einen herrlichen Regenbogen ungefähr einmal die Stunde. Da habe ich die Kerze mit gutem Gewissen eine Kerze sein lassen, unangezündet also, und habe gedacht: Okay, der Himmel hat das jetzt für mich übernommen, und es ist ja viel besser als ein winziges flackerndes Lichtlein auf einem kahlen Berge. Danke dir, du lieber Himmel!

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Hier das komplette Album vom 11. September 2016

There and back again

Hm, ja. Wo war ich stehengeblieben… Nee, ist ja völlig das falsche Wort! Denn von Stehenbleiben kann natürlich keine Rede sein. Ich war freilich die ganze Zeit in Bewegung während der vergangenen anderthalb Monate. Zuerst unten auf dem Kontinent – wie die Skandinavier so schön sagen zu allem, was sich südlich von Skandinavien befindet. Und nach dem wunderbaren Heimatmonat in den deutschen Landen ging es dann erstmal mit Herrn Möwe für ein paar Tage nach Stockholm zum Ostseefestival. Anschließend habe ich in Svenshögen auf dem Hof eine Woche nach dem Rechten gesehen, um schließlich die letzten sechs Tage schön weit oben auf einer norwegischen Hochebene ausgiebig und genussvoll zu verwandern. Ich wollte nachgucken, ob es dort schon Herbstfarben gibt – und außerdem wollte ich diesen vermaledeiten 11. September nicht mit Unkraut jäten oder Petersilie ernten verbringen.

Wollen wir mit einer eiskalten Gletschergeschichte anfangen? Wie ich sehe, schwitzt ihr gerade mal wieder dort unten auf dem Kontinent, aber hier oben auf dem Nicht-Kontinent ist es im Moment auch nicht gerade kühl. Nehmen wir also “Mein schönstes Ferienerlebnis – oder: Als ich den Hardangerjøkul umarmte”. Es gibt ja Leute, die Bäume umarmen, damit sie nicht gefällt werden. Gerne würde ich auch all diese Gletscher umarmen, damit sie nicht immer mehr wegschmelzen. Nun ja, da dies nicht besonders sinnvoll erscheint, gehe ich wenigstens ab und zu mal einen besuchen. Solange sie noch da sind…

Habe ich also mein Zelt unterhalb von Blåisen – dem blauen Eis – aufgeschlagen, einem besonders schmucken Ausläufer des großen Hardangerjøkul. Dieser Gletscher oben auf der Hardangervidda sieht aus dem Weltraum betrachtet wie eine riesige Amöbe aus, weil es nämlich kein Talgletscher, sondern ein Plateaugletscher ist. Ja, es war bereits eine große Sache, morgens auf dieser Hochebene mit dem Gletscher vor der Haustür aufzuwachen, sich Teewasser zu kochen – und dann einfach nur so dazusitzen mit einer Tasse Tee, das blaue Eis anzustarren und sich vorzustellen, dass der berühmte Polarforscher Roald Amundsen auf diesem Gletscher seine verschiedenen Polarexpeditionen vorbereitet hat.

Als ich so ungefähr zwölf Jahre alt war, wollte ich nämlich selbst mal Polarforscher werden, nachdem ich den Berufswunsch “Skispringer” ob der fehlenden Trainingsmöglichkeiten verworfen hatte. Den ganzen Sommer hatten wir bei der Baustelle für unser Sommerhäuschen auf dem großen Sandberg eine Polarforschungsstation mit einer Top-Ausrüstung (alles von der nahen Müllkippe) und machmal habe ich mich einen halben Tag lang auf einer großen Styropor-Platte über den See treiben lassen und mir vorgestellt, es wäre eine Eisscholle…

Ja, und meine eiskalte Geschichte ist natürlich wieder eine Bilder-Geschichte:

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Blåisen – Hardangerjøkul (alle Bilder)

Helle Nächte mit dicken Büchern

Seitdem ich abends nicht mehr an meinem Fotovortrag herumbastele, habe ich auch wieder mehr Zeit zum Lesen. Und so habe ich in den letzten beiden Wochen zwei dicke Bücher verschlungen. Beide hatten mit Norwegen zu tun, einem Land, mit dem ich vor ein paar Jahren mal eine zweiwöchige Tuchfühlung aufgenommen hatte (das Titelbild hier im Blog ist von dort), aber dem ich unbedingt nochmal ganz ausführlich auf den Zahn fühlen will. Man soll dort auch WWOOFen können, habe ich gehört… 😉

Ach so, ja, die beiden Bücher. Eines ist der erste Teil einer Serie über das zwanzigste Jahrhundert, an welcher unser beliebter schwedischer Autor Jan Guillou gerade schreibt. Mir hat längst nicht alles an dem Buch gefallen, aber die Beschreibung, wie über die norwegische Hochebene Hardangervidda eine Eisenbahnstrecke gebaut wurde, die war total fesselnd und sie hat mir richtig den Mund wässerig gemacht: Dort will ich auch mal langfahren!

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Und das andere Buch war einfach nur spannend und richtig gut erzählt. Kann ich wirklich empfehlen! Ich habe beide auf Schwedisch gelesen, es gibt sie aber auch auf Deutsch, wie ich gerade nachgeschaut habe. Das eine hat allerdings einen merkwürdigen Titel bekommen. Na ja, egal… Für das Brückenbauer-Buch hat jedoch der deutsche Verlag das bessere Cover herausgesucht, finde ich.

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