Seenswürdigkeiten

Die Eiszeit hat das Wald- und Wasser-Land nordöstlich von Berlin gemacht – mit ihren sanften Hügeln, den vielen Seen, den manchmal sogar schroffen Endmoränen und den wasserreichen Urstromtälern. Sand gibt es zuhauf und der Geruch in den trockenen Kiefernwäldern ist der Geruch meiner Kindheit. Denn das Wald- und Wasser-Land nordöstlich von Berlin, das hat mich gemacht, es hat mich an die Hand genommen, mir die Augen für die Schönheit der kleinen Dinge geöffnet und mir so viel Gelassenheit und einfache, kindliche Fröhlichkeit in die Seele gepflanzt, dass diese mich das ganze Leben bisher nie im Stich ließen.

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Die großen Seen meiner Kindheit heißen Werbellin– und Parsteiner See. Ihr Wasser ist klar und die Bäume an ihren Ufern sind zum Teil sehr alt. Immer wieder bin ich im Laufe meines Lebens zu ihnen zurückgekehrt. Sie vermitteln Beständigkeit im Trubel unseres ansonsten so schnellebigen Alltags. Wenn sich Dinge ändern oder einfach verschwinden, kann man sich quasi auf sie verlassen. Gewiss ist es an ihren Ufern teilweise ein bisschen schnieker geworden und die Segelboote sind luxuriöser, aber das Grün der Bäume und der Gesang der Wasservögel ändert sich nicht.

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Ich habe sie beide wieder besucht in den letzten beiden Wochen. Mit der Eisenbahn, zu Fuß und mit dem Fahrrad. Habe mir viel Zeit genommen, habe verweilt und geguckt. Und weil es so warm war, habe ich natürlich auch gebadet. Dass es unseren alten FKK-Zeltplatz bei Herzsprung immer noch gibt, hat mich dabei sehr erfreut.

In alten Fotos habe ich auch gestöbert. Als ich noch sehr lütt war, sind wir mit dem Motorboot von Schwedt bis in den Werbellin gefahren und haben dort gezeltet. An manches kann ich mich sogar noch erinnern: vor allem die Passage unseres kleinen Bootes durch das riesige Schiffshebewerk!

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Mobilis in mobili

Winter-Alltag: Um sieben klingelt der Wecker. Halb acht mache ich Yoga mit ein paar Nachbarinnen in meinem Wohnzimmer. Inzwischen von Anfang an bei Tageslicht! Endlich! Halb neun gibt es Frühstück. Von neun bis ungefähr elf bin ich im Keller. Dort feuere ich den großen Holzofen für die Heizung und das Warmwasser, ich fülle Anzuchtpaletten mit Erde, säe Gemüse, Blumen und Kräuter, gieße vorsichtig die Baby-Pflänzchen und topfe sie irgendwann um in größere Behälter, wenn sie schön gewachsen sind.

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Morgen-Yoga in meinem “Wohnzimmer”

Dann wird gebacken und irgendein vegetarisches Mittagessen zubereitet, sodass wir essen können, bevor der Hofladen und das Café aufmachen. Jeden zweiten Tag backe ich Roggenbrötchen und an den Tagen dazwischen irgendwas Süßes für die Leute, die zum Kaffee- oder Teetrinken kommen. Von eins bis sechs hüte ich den Hofladen und das Café und mache nebenbei alles mögliche andere. Diese Woche war das vor allem die Buchhaltung für den Hof, denn morgen ist Deadline für die dreimonatliche Steuererklärung. Dann müssen regelmäßig Rechnungen geschrieben werden oder anderer Bürokram.

Gern wurschtele ich auch draußen herum, am Nachmittag, bevor die Sonne untergeht. Aber noch ist dort nicht so viel zu tun. Und also fehlt mir eigentlich ein bisschen Bewegung. Deshalb habe ich mir eine Jahreskarte für die nächstgelegene Schwimmhalle gekauft, wo ich nun mindestens einmal in der Woche lange schwimmen gehe. Mit Studentenausweis hat diese Jahreskarte nur 600 kr, also umgerechnet gut 60 Euro gekostet. Das ist ein prima Preis, finde ich. Denn hier in Schweden ist in allen Schwimmhallen auch eine Sauna, die man ohne Aufpreis mitbenutzen darf.

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Und also gehe ich nun jede Woche zweimal in die Sauna, mittwochs in der Schwimmhalle und freitags hier unten am See. In unserer Heimatsauna bin ich inzwischen zum Heizer aufgestiegen. Alle zwei bis drei Wochen mache ich dort Feuer, bis es so richtig heiß ist. Das macht Spaß!

Jeden Sonntag fahre ich außerdem in die große Stadt, wo ich einen halben Tag mit Herrn Möwe verbringe – und im Anschluss noch eine Stunde in einer großen Eishalle Schlittschuh laufe. Diese Eishalle ist am Sonntagabend immer relativ leer, was ich sehr genieße. So kriege ich schließlich doch noch ausreichend Bewegung, obwohl ich im Moment nur wenig draußen arbeiten kann. Aber nun freue ich mich schon auf die Zeit, wo man auch abends nach der Arbeit noch in der Gegend herumspazieren kann, ohne Stirnlampe oder Vollmond…