Augen auf…

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… im Straßenverkehr! So hat man es uns damals beigebracht, gleich nachdem wir in die Schule gekommen waren. Und gewisse Sprüche aus meinem Heft zur “Prüfungsvorbereitung” für das Goldene-Eins-Abzeichen kriege ich wohl nie wieder aus meinem Kopf. Unter dem Buchstaben A gab es den hier zum Beispiel:

Alleen laufen quer durchs Land.
Wir gehen links am äußren Rand.

Und das habe ich tatsächlich mein ganzes Leben lang brav beherzigt – auf den vielen, vielen Alleen, die ich dann so im Laufe der Jahre entlang gewandert bin.

Das genaue Hinsehen und Augenaufmachen lässt sich aber noch viel besser draußen in der Natur praktizieren. Auch das habe ich schon früh erkannt. Eigentlich noch viel früher…

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Und deshalb muss ich eigentlich gar nicht so weit hinaus ins Grüne, um allerlei Schönes zu entdecken. Alles, was ich brauche, liegt direkt vor den Toren der Stadt oder sogar innerhalb ihrer Grenzen. Man muss eigentlich nur die Augen aufmachen.

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Augen auf! (alle Bilder)

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Ich will Kühe!

Heute früh hatte ich einen kleinen Muskelkater von der ungewohnten Arbeit im Stall. Und weil ich jetzt immer diese frisch gemolkene Milch trinke – und alles esse, was aus ihr so hergestellt wird – werde ich ganz sicher Probleme kriegen, wenn ich nachher wieder Milchprodukte im Geschäft kaufen muss. Es ist tatsächlich ein richtig großer Unterschied!

Aber mal der Reihe nach. Von den Herbstferien muss ich ja noch ein bisschen was erzählen. Die hatte ich doch bei meiner Tochter und mit meinem Enkel verbracht. Ach, es waren wieder so schöne Tage – und die Zeit verging wie immer viel zu schnell. Hier gibt es allerlei Bilderchen von fröhlichen Aktivitäten und schönen Herbstfarben.

In Berlin war ich diesmal nur auf einen Abstecher, am letzten Sonntag vor meiner Abreise in den Süden. Und eigentlich war es auch gar nicht richtig Berlin, sondern der schöne Stadtrand mit seinen Spazierwegen und den weiten Ausblicken. Die Malchow-Runde haben wir mal wieder gemacht, ja, eine der möglichen Runden, die es dort so gibt. Dabei haben wir neben den nie versiegenden Fotomotiven in der Natur auch einige Kuriosa entdeckt – oder selbst hergestellt:

Am Montag wurde mein großes Kind dann auf einmal 30 Jahre alt. Das hat sich schon ziemlich merkwürdig angefühlt. Kinder, wie die Zeit vergeht! Wir haben in kleiner Runde gefeiert, wobei ich den Schluss nicht mehr ganz mitgekriegt habe… Also, nicht was ihr denkt! Kurz vor Mitternacht ging doch der Nachtbus nach München!

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Wow! 30 selbst gebackene Hattifnatten zum 30. Geburtstag!

An die Nachtfahrt kann ich mich kaum erinnern, was ja ein gutes Zeichen ist. Manchmal hat es eben auch Vorteile, dass man nicht von so hohem Wuchs ist, hihi. In München habe ich dann “nachhaltig” gefrühstückt – also nur mit Essen aus der Region:

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Die Fahrt über die Alpen stand ganz im Zeichen von “Wenn der Herbst den Winter küsst – oder ist es anders herum?” Also Herbstfarben mit Puderzucker – ich konnte mich echt nicht sattsehen!

Ja, und nun bin ich für eine Weile hier auf einem ganz anderen Hof, in einer ganz anderen Gegend, wo ich ganz andere Aufgaben habe als in Svenshögen. Auch die Familie ist ganz anders, und der andere WWOOFer ist auch ganz anders. Ich werde von allem und von allen noch ausführlicher berichten. Heute stelle ich euch erstmal meinen neuen Kumpel Mylo vor:

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Hundepromenaden – alle Bilder

iPieks & iChoc

Heute vormittag hat es noch einmal schön geregnet – und heute war der Tag, an dem die winzigen Frösche den Teich verließen. Oh, so viele! Und oh, so klein! Wo sie jetzt nur alle hingehen? Und woher wissen sie, wo sie alle hingehen müssen? Einige wollten wohl die Abkürzung über den gepflasterten Hof nehmen, aber der ist dann schnell wieder getrocknet – und sie waren natürlich verloren. Gerade aus dem Wasser geschlüpft, brauchen sie es noch sehr feucht. Ein paar haben wir retten können, zusammen mit der kleinen Tochter eines Kunden. Kleine Kinder retten gerne kleine Tiere. Als mein Enkel fünf war, kamen wir oft beim Waldspaziergang nur sehr langsam voran, weil er andauernd Mistkäfer retten musste.

Und dann ist heute gleich zweimal innerhalb von nur einer Stunde Germany in unseren Gesprächen aufgetaucht, und es hatte mitnichten was mit Fußball zu tun. Ich war – was nicht sehr oft vorkommt – mit Fredo zusammen in der Küche, um das Mittagessen vorzubereiten. Es war noch eingefrorene Nesselsuppe da, und ich habe die obligatorischen Eier dazu gekocht. Und wie so oft haben wir ein bisschen Knoff-hoff und How-to ausgetauscht. Was macht ihr denn in Argentinien, damit die Eier beim Kochen nicht platzen? Sie machen ein bisschen Essig ans Kochwasser, hat er gesagt. Und ich habe dann von unseren formschönen Ossi-Eierpieksern aus Plaste erzählt. Er war ganz hin und weg. Was die Deutschen alles erfinden! Muss er dann unbedingt seinem Vater als Mitbringsel mitbringseln. Weil der doch so gerne Eier isst.

Nach dem Essen haben Tingting und Åke uns ins Café zum Nachtisch eingeladen. Tingting hatte mal wieder ein paar neue Sachen für den Shop bestellt, und wir durften neuen Tee probieren und neue Schokolade kosten. Von den neuen Teesorten schmeckt mir dieser hier am besten. Der ist auch gar nicht so teuer. Und die neue Schokolade kommt aus Deutschland. Sieh mal einer an! War lecker.

Ach ja, apropos lecker. Die Walderdbeeren sind nun auch reif. Bei einem Abendspaziergang habe ich für Fredo eine Handvoll gesammelt und auf den obligatorischen Grashalm aufgefädelt. So wie es alle Kinder in Schweden machen. Das hat ihm sehr gefallen – und natürlich super geschmeckt.

Kleine Frösche und kleine Erdbeeren. Ein guter Tag. 🙂

Der Bläuling

Irgendwie ist es nun langsam nicht mehr von der Hand zu weisen: Ich habe immer wieder bemerkenswerte Begegnungen – und zwar allesamt mit Tieren, von denen ich weiß, dass der Waldengel sie sehr gemocht hat. Nie zuvor durfte ich ihnen so nahe kommen, und manchmal kommen sie sogar zu mir. Vor ein paar Tagen kam beim Petersiliepflücken ein wunderschöner Schwalbenschwanz angesegelt – und er hat sich genau auf das Bund Petersilie gesetzt, das ich gerade in meiner Hand gehalten habe. Wie versteinert stand ich da und habe ihn einfach nur angeschaut.

20160614-P6140099Heute war es ein kleiner Bläuling. Ein richtiges Prachtexemplar, kein bisschen verschlissen! Er hat sich im neuseeländischen Spinat platziert und quasi gewartet, bis ich endlich meine Kamera geholt habe. Dann sah es tatsächlich so aus, als würde er sich in Pose setzen. Einmal mit offenen Flügeln und einmal mit geschlossenen. Und ich habe vor dem Hochbeet gekniet – und konnte Makroaufnahmen machen! Ich glaube nicht, dass ich schon mal von einem kleinen Bläuling Makroaufnahmen machen konnte. Denn da muss man ziemlich dicht ran ans Motiv. Und das mögen die Schmetterfalter nicht besonders.

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Aber nun ist es offensichtlich anders. Nun darf ich. Und ich glaube nicht, dass es daran liegt, dass ich so viel im Freien bin. Ich glaube, der Waldengel schickt sie mir. Und das fühlt sich irgendwie sehr schön an. Ich bin immer ziemlich gerührt und noch den ganzen Tag ein bisschen beschwingt. Fast wie ein Schmetterfalter…

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Selbst hat Kennet gerne mit dem Teleobjektiv geschummelt in solchen Situationen… 😉 Ein paar seiner Falter gibt es hier und hier.

Internationaler Kindertag

Man kann das Gras wachsen hören. Ich kann außerdem meinen Enkelsohn wachsen hören. Großmütter pflegen ja auszurufen “Oh, wie groß du geworden bist!”, wenn sie ihr Enkelkind eine Weile nicht gesehen haben. Ich habe meinen Enkelsohn zuletzt während der Ferien zum Jahreswechsel gesehen. Aber ich würde auch am liebsten jedes Mal ausrufen “Oh, wie groß du geworden bist!”, wenn wir wieder mal telefonieren. Denn ich kann ihn wirklich wachsen hören.

Wir fachsimpeln immer eine Weile über Dinge, die wir in der Zwischenzeit draußen in der Natur oder drinnen in einem Museum gesehen haben. Seine Favoriten sind immer noch Dinosaurier und Insekten. Und weil ich gerade nicht so regelmäßig ins Museum gehe, erzähle ich also von irgendwelchem Krabbelzeugs, das mir so begegnet ist. Zum Beispiel, dass Fredo aus Versehen ein paar dicke Käferlarven totgemacht hat, weil er dachte, aus ihnen werden Nacktschnecken. Diese gefräßigen also, die hier neben dem Dachs unsere größten Feinde sind, weil sie Löcher ins junge Gemüse fressen. Åke meint zwar “Aber du isst doch nicht die Löcher!”, wenn sich ein Kunde beschwert, weil im Baby-Mangold Löcher drin sind. Aber ohne Schnecken wäre es schon einfacher…

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“Was waren es denn für Käferlarven?”, fragt mich natürlich der kleine Naturforscher. “Ja, aus ihnen werden so gold-grüne Käfer, ziemlich groß sind die”, sage ich. “Sie schlüpfen auch im Gewächshaus und Fredo hilft ihnen jetzt immer, den Ausgang zu finden, weil er immer noch ein schlechtes Gewissen hat wegen der toten Larven.” “Ach, das ist der Rosenkäfer”, sprudelt mein Enkel und hält mir einen Vortrag über die Lebensweise und die Lieblingsspeisen dieses Tierchens, in Freiheit und in Gefangenschaft. “Wenn du ihn genauer angucken willst, dann kannst du ihn in ein Glas reintun und ihn mit Zuckerwasser füttern. Aber dann musst du ihn bald wieder freilassen!”

Und damit er nicht gar so altklug rüberkommt, liest er mir als Gute-Nacht-Geschichte noch ein paar Seiten aus seinem Lego-Star-Wars-Comic vor. So richtig mit allen Sound-Effekten. Herrlich!

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Sonnenbrand

Ich finde, jedes Kind sollte ein Instrument spielen lernen, jeder Jugendliche sollte ein Handwerk lernen – und jeder junge Erwachsene sollte gezwungen sein, einmal eine Saison lang sein Gemüse selbst anzubauen. Auf jeden Fall einmal einen Monat auf einem Gemüsehof mithelfen. Oder wenigstens am ersten richtigen Sommertag des Jahres 500 kleine Salatpflanzen ins Freiland setzen. Dann bekommt man nämlich ein ganz anderes Verhältnis zu seinem Essen. Und zu den Lebensmittelpreisen…

Ich bin echt froh, dass ich als WWOOFer bei Åke gelandet bin und nicht bei seinem Nachbarn Gert. Denn Åke macht ja vor allem die Jungpflanzenaufzucht, und alles, was er anbaut, das befindet sich in einem der über 100 Hochbeete. Hochbeete sind was für Leute in meinem Alter und aufwärts. Bei Gert gibt es keine Hochbeete, denn er hat jetzt das Freiland, das Åke noch bis vor einigen Jahren bewirtschaftet hat. Man sieht es auf vielen Bildern auf seiner Internetseite.

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Keris Tageswerk

Weil Gert vorigen Monat einmal mit der Biokisten-Lieferung ausgeholfen hat, als Åke krank war, hatte er noch was gut bei uns – und so habe ich heute dafür bei ihm auf dem Freiland gearbeitet. Wie gesagt, 500 kleine Salatpflanzen mussten raus in die Erde. Das war anstrengend und ungewohnt. Außerdem waren es 20 Grad im Schatten und die liebe Sonne hat den ganzen Tag fröhlich vom Himmel auf mich runtergebrutzelt. Am Ende des Tages war ich sonnenverbrannt, verschwitzt und überall voller Erde. Außerdem kreuzlahm und mit schmerzenden Knien.

Also Leute, wenn ihr demnächst wieder Salat kauft und findet, dass 50 Cent zu teuer sind, weil ihr den für 35 Cent bei ALDI gesehen habt, dann denkt bitte an all die fleißigen Bauern, die dafür in der schönsten Sommerfrische den ganzen Tag auf den Knien herumrutschen müssen, und für die so ein langes Wochenende einfach nicht drin ist, weil gerade jetzt unheimlich viel zu tun ist. Ich finde inzwischen: Ein Salatkopf, der weniger als einen Euro kostet, ist echt eine Schande!

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Kaputte Schlange

Freilich hat der Sommer viele Vorteile: Wärme und lange Tage zum Beispiel. Aber es gibt auch Nachteile: Mücken, Zecken – und Kreuzottern. Heute haben die beiden schwarzen Katzen eine angeschleppt und Åke sagt, dass es hier in unseren “Rocky Mountains” ziemlich viele gibt. Wir sollen beim wilde Blätter pflücken jetzt immer ein bisschen aufpassen und unsere nackten Hände auch nicht einfach in irgendwelche Felsspalten stecken. Aber das habe ich ja schon beim Geocaching gelernt.

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Heute ist Walpurgisnacht. Außerdem hat der König Geburtstag. Er wird siebzig, und Herr Möwe sagt, dass es eigentlich nun Zeit wäre, sich zur Ruhe zu setzen und die königlichen Geschäfte der Kronprinzessin zu überlassen. Aber das geht nicht. Schön blöd. Wenn er noch zwanzig Jahre macht, gut gepflegt wie er ist, dann ist die Kronprinzessin fast sechzig, wenn sie die richtige Krone zum ersten Mal aufsetzen darf. So war das aber nicht in meinen Märchenbüchern! Und die Schweden, die alle ihre Königsfamilie behalten wollen, die wollen doch eigentlich nur das Märchenhafte behalten…

Ich war am Vormittag am See wandern. Habe mir viel Zeit gelassen, denn wer nicht hastet draußen in der Natur, der wird eigentlich immer irgendwie belohnt. Meine Belohnung heute hieß Gavia arctica. Die sind normalerweise ziemlich scheu und tauchen immer sofort weg, wenn man ihnen auch nur ein bisschen näherkommen will. Aber heute war einer in Ufernähe, und der ist nur ein kleines Stückchen weggetaucht, als er mich entdeckt hat. Dann ist er gemütlich auf den Wellen geschaukelt, gar nicht so weit von mir. In solchen Momenten denke ich immer: Jetzt hat ganz sicher mein Waldengel seine Hand im Spiel. Irgendwie…

Der Waldengel hat sie geliebt, die Prachttaucher, und er konnte lange mit seiner Kamera an einem See auf der Lauer liegen, um sie so detailliert wie möglich abzulichten. Denn sie haben so ein prächtiges Gefieder! Einmal hatten wir großes Glück, und diesen besonderen Morgen damals Ende August, den werde ich nie vergessen…

Am Abend heute hat es ein bisschen geregnet, aber das große Feuer ist trotzdem angegangen. Und es wurde noch ein richtig schöner Abend, denn sie waren alle da: die Hippies vom Karfreitag und die Sängerin aus der Domkirche, unser holländischer Haushandwerker, die Yoga-Mädels, die Sauna-Kumpels und die Frau, die immer Brot backt. Und also gab es viele Umarmungen, und es gab viele Lieder, schwedische und englische. Außerdem habe ich zum ersten Mal in meinem Leben zwei Frauen in Gummistiefeln Tango tanzen sehen.