Timeout at N 61°

Bevor ich mich ab nächster Woche bei meinem Bauer in Svenshögen mit Feuereifer in die neue Saison stürze, gönne ich mir noch eine Woche Auszeit im Winter-Wonderland des südlichsten schwedischen Skigebietes. Hier ist eine Freundin aus Svenshögen den ganzen Winter als Skilehrerin beschäftigt, und so kann ich bei ihr wohnen und sozusagen auch ein bisschen wwoofen. Einen halben Tag lang bin ich mit meinen Langlaufskiern immer in der Spur, jeden Tag in einer anderen, denn es gibt hier jede Menge. Und dann besorge ich für uns den Haushalt, kaufe ein, koche und backe Brot – sodass sie nach der Arbeit nur noch ausspannen kann. Im Moment gibt es nämlich viel Arbeit hier für die Skilehrer, denn die Weihnachtsferien gehen in Schweden immer bis zu den Heiligen drei Königen, und besonders die vielen Stockholmer kommen gern hierher.

Zuerst war nur alter Schnee da, verharscht und vereist, und überall waren die Schneekanonen zugange. Aber seit gestern schneit es ununterbrochen echten Schnee – und jetzt sieht es überall aus wie im Wintermärchen. (Dass es in mir drin auch wie im Märchen aussieht, ist aber nochmal eine ganz andere Geschichte…)

Und dann hat der Waldengel heute Geburtstag, schon der zweite, den ich ohne ihn feiern muss… Aber ich habe eine Kerze für ihn angezündet. Eine ganz besondere, von der ich weiß, dass er sie auch sehr gemocht hätte.

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Auf der Gatterspitze

Heute habe ich 1000 Höhenmeter in den Beinen. Also 1000 rauf und dann auch wieder runter. Denn heute früh hat der Berg ganz laut gerufen! Dieser Berg, der mich schon am ersten Tag so angelacht hatte. Aber es lag ja anfangs viel zu viel Schnee drauf! Eine Frau hatte ich getroffen, die gesagt hat, ich müsse im Sommer wiederkommen, dann wäre es eine schöne Tageswanderung. Aber so lange wollte ich irgendwie nicht warten. Dann ist der Schnee mehr und mehr geschmolzen, aber dort oben natürlich nicht ganz. An vielen Stellen war es ein halber Meter, und hätte ich heute diesen wunderbaren Hund nicht mit dabei gehabt, dann hätte ich es sicher nicht bis ganz nach oben geschafft. Oder ich wäre beim Absteigen irgendwo runtergesaust. Ein paarmal bin ich sowieso schon runtergesaust, auf dem Allerwertesten nämlich, aber es war nur ein einziges Mal, wo ich dabei die Stöcke verloren habe – und gedacht hatte: oh oh, nun kann ich nicht mehr anhalten. Aber schließlich konnte ich doch anhalten, wahrscheinlich hat mein Schutzengel wieder mal Überstunden gemacht – vielleicht, weil ich bei unserem Bauern auch andauernd Überstunden mache. Nach dem Gipfelsturm bin ich nämlich sofort in den Stall gestürmt und habe noch mehr als ein halbes Dutzend Schubkarren voller Mist auf den Misthaufen gefahren. Was für ein Sonntag!

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Mit dem vierbeinigen Bergführer auf der Gatterspitze (2430 m) – alle Bilder

Ich will Kühe!

Heute früh hatte ich einen kleinen Muskelkater von der ungewohnten Arbeit im Stall. Und weil ich jetzt immer diese frisch gemolkene Milch trinke – und alles esse, was aus ihr so hergestellt wird – werde ich ganz sicher Probleme kriegen, wenn ich nachher wieder Milchprodukte im Geschäft kaufen muss. Es ist tatsächlich ein richtig großer Unterschied!

Aber mal der Reihe nach. Von den Herbstferien muss ich ja noch ein bisschen was erzählen. Die hatte ich doch bei meiner Tochter und mit meinem Enkel verbracht. Ach, es waren wieder so schöne Tage – und die Zeit verging wie immer viel zu schnell. Hier gibt es allerlei Bilderchen von fröhlichen Aktivitäten und schönen Herbstfarben.

In Berlin war ich diesmal nur auf einen Abstecher, am letzten Sonntag vor meiner Abreise in den Süden. Und eigentlich war es auch gar nicht richtig Berlin, sondern der schöne Stadtrand mit seinen Spazierwegen und den weiten Ausblicken. Die Malchow-Runde haben wir mal wieder gemacht, ja, eine der möglichen Runden, die es dort so gibt. Dabei haben wir neben den nie versiegenden Fotomotiven in der Natur auch einige Kuriosa entdeckt – oder selbst hergestellt:

Am Montag wurde mein großes Kind dann auf einmal 30 Jahre alt. Das hat sich schon ziemlich merkwürdig angefühlt. Kinder, wie die Zeit vergeht! Wir haben in kleiner Runde gefeiert, wobei ich den Schluss nicht mehr ganz mitgekriegt habe… Also, nicht was ihr denkt! Kurz vor Mitternacht ging doch der Nachtbus nach München!

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Wow! 30 selbst gebackene Hattifnatten zum 30. Geburtstag!

An die Nachtfahrt kann ich mich kaum erinnern, was ja ein gutes Zeichen ist. Manchmal hat es eben auch Vorteile, dass man nicht von so hohem Wuchs ist, hihi. In München habe ich dann “nachhaltig” gefrühstückt – also nur mit Essen aus der Region:

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Die Fahrt über die Alpen stand ganz im Zeichen von “Wenn der Herbst den Winter küsst – oder ist es anders herum?” Also Herbstfarben mit Puderzucker – ich konnte mich echt nicht sattsehen!

Ja, und nun bin ich für eine Weile hier auf einem ganz anderen Hof, in einer ganz anderen Gegend, wo ich ganz andere Aufgaben habe als in Svenshögen. Auch die Familie ist ganz anders, und der andere WWOOFer ist auch ganz anders. Ich werde von allem und von allen noch ausführlicher berichten. Heute stelle ich euch erstmal meinen neuen Kumpel Mylo vor:

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Hundepromenaden – alle Bilder

Black and white

Der Winter hat dieses Jahr doch ein ziemlich dickes Fell. Draußen ist wieder alles ganz weiß, und wenn wir nicht im Keller oder im Gewächshaus in der duftenden schwarzen Erde wühlen, dann schippen wir Schnee.

Tingting, die Frau unseres Chefs, hat erzählt, dass sie in China im Winter gerne Pandabären aus Schnee bauen. Da haben wir ihr vor dem Laden einen riesigen Schneebären hingestellt. Den mag sie.

Es gibt keinen Neuschnee? Aber ja doch!

Auch wenn Tucholsky steif und fest behauptet, es gäbe keinen Neuschnee, und es wäre immer schon einer vor mir dagewesen, und das, was ich fühle und erlebe, hätten schon viele andere vor mir gefühlt und erlebt – so wage ich doch zu behaupten: Natürlich gibt es Neuschnee, richtig unberührten Neuschnee! Und es ist nicht schon immer einer vor mir dagewesen! Und das, was ich fühle und erlebe, ist einzigartig und genau so hat es noch nie jemand vor mir gefühlt und erlebt. Nicht hundertprozentig genau so!

Was ich am besten am Leben auf dem Land finde, ist die Nähe zur Natur. Man geht einfach vor die Tür und ist mittendrin – oder besser gesagt mittendraußen. Man braucht nicht erst in einen Bus oder eine Bahn zu steigen, um lange aus der großen Stadt heraus zu fahren, sondern man zieht sich eine Jacke über und ein Paar Stiefel an – und macht einfach nur die Tür auf.

Gestern bin ich mal wieder an den See hinunter gegangen, und jedes Mal denke ich: Nun müsste er aber langsam mal zufrieren, dieser See, nach so vielen Tagen mit Minusgraden, zum Teil vielen Minusgraden. Aber der Herbst und der Dezember waren so mild, dass dieser lange und tiefe See immer noch davon zehrt und keine Anstalten macht, sich eine Eisdecke zuzulegen. Den Weg hinunter an den See – es ist ein guter halber Kilometer – bin ich nun schon etliche Male gegangen, aber trotzdem war es jedes Mal anders. Das Wetter war anders, das Licht, der Schnee… Mal war Rauhreif, mal war Nebel.

Im Moment ist alles weiß. Sehr weiß. Und der Weg ist beinahe wie ein Tunnel. Kein Laut ist zu hören und man fühlt sich irgendwie sehr weit weg, obwohl man eigentlich gar nicht weit weg ist. Die Schneelast hat die schmalen Birken dazu gebracht, sich tief zu verneigen. Bei einigen schüttele ich den Schnee herunter, aber sie stehen nicht wieder auf. Dazu hat der Schnee wohl schon zu lange draufgelegen. Seit dem großen Schneefall vor vier Tagen müssen sie schon so gestanden haben. Damit ist ihr Schicksal besiegelt.

Aber was mich am meisten erstaunt: Es ist tatsächlich noch keiner vor mir dagewesen! Die ganzen vier Tage nicht! Es gibt also Neuschnee! Und demnach ist das, was ich jetzt gerade fühle und erlebe, das mit den Birken und alles andere, auf jeden Fall einzigartig.

Landeier brauchen kein Fitnesstudio

Wahrscheinlich habe ich gestern den Winter zu sehr gelobt. Da ist er ganz übermütig geworden und hat über Nacht nochmal 25 cm Neuschnee geschickt. Als sich der Herr Papa heute früh mit der gesammelten Kinderschar auf den Weg machen wollte, ist er nur mit Müh und Not vom Hof gekommen, trotz der typisch nordischen Winterreifen, die hier alle mit kleinen Spikes versehen sind.

Und so wurden meine anderen Aufgaben heute alle gecancelt, bis auf das Feuer, die Tiere und das Abendessen – und ich habe von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang Schnee geschippt und Schnee gefegt und Schnee geschoben und Schnee heruntergeschüttelt… Hat sich zum Schluss angefühlt, als hätte ich ein halbes Fußballfeld vom Schnee befreit. Na, das gibt einen herrlichen Muskelkater morgen!

 

Winterzauber und Winterfroiden

Endlich ist richtiger Winter! Mit Frost und Schnee und allem, was dazugehört! Allein oder zusammen mit den Kindern der Familie genieße ich die weiße Pracht, wir laufen Schlittschuh auf dem Ententeich und rodeln gleich hinter dem Haus den langen Abhang hinunter. Zurück im Haus bullert im Kamin das Feuerchen, und in der Küche gibt es heiße Schokolade. Die Kinder streuen sich kleine bunte Marshmallows drauf, ich ziehe Schlagsahne vor.

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Winterzauber und Winterfroiden – alle Bilder